IB Online (4/7): eine kleine Netzschau

Mit der heutigen Netzschau wirft das Bretterblog zum zweiten Mal in dieser Woche einen Blick ins Netz. Wie beim letzten Mal habe ich die Links in zwei  Themenblöcke unterteilt – dieses Mal Spieltheorie und der Syrienkonflikt.

Auf Duck of Minerva trifft diese Woche Spieltheorie auf Sommerhits. Scott Weiner analysiert den Song „Call Me Maybe“ von Carly Rae Jepsen entlang der Strategien, die die Spieltheorie für das Gefangenendilemma und die Hirschjagd entwickelt haben, und skizziert die Grenzen solcher Modelle. Ob diese überhaupt auf die Situation des Songs passen, wird in den Kommentaren des Blogs bereits diskutiert. Hinter dem folgenden Video verbirgt sich ein weiteres spielerisches Szenario, das die Schwierigkeiten, unter den Bedingungen des Gefangenendilemmas zusammenzuarbeiten, illustriert.

Die Spieltheorie lehrt, dass solche Dilemmata durch die Wiederholung des Spiels, Kommunikation, Informationsaustausch – die Lichtung des Schattens der Zukunft – gedämpft werden können und in einer Tit-for-Tat Strategie zu kooperativen Ergebnissen führen. Hierzu sei auf den klassischen Artikel von Axelrod und Keohane verwiesen. Im Neuroanthropology Blog analysiert Daniel Lende einen Journal Artikel und eine anschließende Replik, die aus biologischer und anthropologischer Perspektive ein Modell vorstellen, das die Tit-for-Tat Strategie schlägt und aufzeigt, wie ein Spieler einen „unilateral claim to an unfair share of rewards“ durchsetzen kann. Der Beitrag zeigt die Implikationen eines solchen Modells für das Verständnis der Entwicklung sozialer Ungleichheit auf.

Der Konflikt in Syrien wird in Politik, Medien, Wissenschaft und Blogs aus unterschiedlichsten Perspektiven analysiert und diskutiert. Bei der Bewertung der Situation „on the ground“ helfen verschiedene crisis-mapping Projekte, insbesondere Syria Tracker, Women under Siege und Eyes on Syira, die Menschenrechtsverletzungen in Syrien zu dokumentieren. Im Anschluss an den Bombenanschlag auf den engsten Machtzirkel Assads wurde die Perspektive für den Machterhalt des Regimes diskutiert. Auf Political Violance @ a Glance argumentiert Erica Chenoweth, dass das Assad-Regime zunächst fortbestehen werde, da für Assad eine andere Strategie als ein Kampf bis zum bitteren Ende, wie Barbara Walter bereits argumentierte, nicht in Frage komme und die Opposition (noch) zu zersplittert sei. C.J. Chivers sieht  das Momentum im Konfliktverlauf zu Gunsten der Opposition wechseln, auch wenn die Kapazitäten der syrischen Armee zunächst überlegen blieben – ähnlich argumentiert ein Beitrag des NPR-News Blog. Will Opines greift diese Debatte auf und analysiert den syrischen Bürgerkrieg anhand der „5%-Regel“ nach Mark Lichbach. Demnach könne ein Staat einen Aufstand von 5% der Bevölkerung nicht überstehen, da eine Schwelle erreicht werde, ab der das Militär dem machthabenden Regime nicht länger folge (hier finden sich auch Verweise auf weitere spannende Links).

Außerdem wird der Konflikt in Bezug auf normative Fragen der globalen Politik sowie geopolitische Fragestellungen diskutiert. So untersucht etwa die 360° Analysis des Fair Observer Doppelstandards der Responsibility to Protect (R2P) in Libyen und Syrien und im Blog des Global Policy Journal fragt Noele Crossley, ob die R2P in Syrien gescheitert sei. Ein ganz anderes Schlaglicht auf den Konflikt in Syrien wirft der Historiker Hans-Christof Kraus in seinem FAZ-Artikel. Er stellt den Konflikt in den Kontext des althergebrachten geopolitischen Tauziehens um sowie die Einflussnahme in der Region und kritisiert die deutsche Berichterstattung, die diese Realitäten verkenne.

Wir freuen uns über Ergänzungen (interessante Blogs, Journals, Working Paper etc.) oder Wünsche für die nächsten Netzschauen in der Kommentarfunktion!  Wir experimentieren nach wie vor mit dem Format und sind offen für Vorschläge.

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Ein Kommentar

  1. Stefan · · Antwort

    Den Artikel von Kraus (in der FAZ) halte ich ja für großen Murks – wenn schon eine “historisch angeleitete Analyse”, dann vielleicht lieber den hier lesen: http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/NG26Ak02.html

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