IB Online (4/11): Eine kleine Netzschau

Die Netzschau dieser Woche blickt zurück auf die wichtigsten Entwicklungen und Ereignisse der vergangenen Tage wie zum Beispiel die Konflikte in der Demokratischen Republik (DR) Kongo und dem Nahen Osten. Außerdem widmet sie sich dem Problem der Gewalt gegen Frauen (und Männer).

Gewalt an Frauen (und Männern)

Der 25. November 2012 ist der „International Day for the Elimination of Violence against Women“ (Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen).  Seit der Resolution 54/134 der Generalversammlung der Vereinten Nationen (VN) von 1999 wird derart der Opfer von Gewalt gegen Frauen gedacht, das Problem verstärkt in die Öffentlichkeit getragen und für ein Ende der Gewalt eingetreten. Die UN definieren „violence against women“ als „”any act of gender-based violence that results in, or is likely to result in, physical, sexual or mental harm or suffering to women, including threats of such acts, coercion or arbitrary deprivation of liberty, whether occurring in public or in private life” (Quelle: WHO Factsheet 2012). Beispiele für derlei Gewalt sind u.a. sexuelle Gewalt, Menschenhandel, häusliche Gewalt, Mord (siehe Erläuterungen zu „feminicide“) etc..

Tatsächlich ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen weltweit, aber insbesondere in konfliktiven Kontexten ein großes Problem. Nach VN-Angaben erfahren weltweit bis zu 70 Prozent der Frauen Gewalt. Die Weltbank geht davon aus, dass für Frauen zwischen 15 und 44 Jahren das Risiko größer ist Opfer häuslicher oder/und sexueller Gewalt zu werden als an Krebs zu erkranken, einen Autounfall zu erleiden, unter bewaffneten Konflikten zu leiden oder an Malaria zu erkranken. Weitere Daten, Erläuterungen und weitergehende Informationen zum Thema bietet die Homepage zum Internationalen Tag gegen die Gewalt an Frauen.

Überdies sei auf drei komplementäre Perspektiven auf das Problem verwiesen: Erstens manifestiert sich Gewalt gegen Frauen oft in sexueller Gewalt. Dieses Phänomen wird in jüngster Zeit intensiv erforscht (eine interessante, weil konstruktiv-kritische Perspektive darauf findet sich auf From Poverty to Politics und in den Kommentaren zu ebendiesem Beitrag). Weniger Beachtung findet hingegen die Analyse negativer Fälle, also die Frage, unter welchen Umständen potentielle Täter keine sexuelle Gewalt anwenden. Elisabeth Wood (Yale University) hat 2009 einen ersten, lesenswerten Aufschlag (sowie 2006 eine Skizze der Schwankungen in der Ausübung von sexueller Gewalt) unternommen. Zweitens, sexuelle Gewalt wird nicht nur gegen Frauen und Mädchen, sondern (in geringerem, aber bedeutenden Maße) auch gegen Männer und Jungen ausgeübt. Thomas Wikstol skizziert auf Insight on Conflict das Problem der Vergewaltigung von Männern in der DR Kongo und Burundi (in dem Kommentaren wird auf einen weiteren Beitrag verwiesen). Drittens, bietet es sich an über die Auseinandersetzung mit dem Problem der Gewalt gegen Frauen hinaus, auf die Rolle von Frauen im Bereich Peacebuilding zu fokussieren. Ein Beitrag auf Peace Policy (ein Blog der Notre Dame University) und auf Insight on Conflict widmen sich dem Ausschluss bzw. dem Potential von Frauen in Peacebuilding-Prozessen in Afghanistan und Birma.

Wieder Gewalt im Kongo

Im Osten der DR Kongo tobt zum wiederholten Male ein bewaffneter Konflikt, diesmal zwischen der Regierung in Kinshasa und einer Gruppe desertierter kongolesischer Soldaten namens M-23. Da bereits anderswo über den Konflikt berichtet wird, belasse ich es bei zwei Hinweisen. Erstens, auf die Berichterstattung von taz und FAZ aufgrund der Expertise ihrer Korrespondenten in Subsahara-Afrika  (heute meldet die FAZ Gespräche zwischen der kongolesischen Regierung und der M23). Zweitens, sei ein Beitrag auf The Monkey Cage empfohlen, der die Frage stellt, warum ein afrikanischer Staat derart leicht herauszufordern ist. Eine mögliche Antwort findet sich womöglich im Sicherheitspolitik-Blog. Auch wenn sich das Interview mit  dem nigerianischen Blogger und Aktivisten Japheth Omojuwa um die Situation in Nigeria dreht, dürfte die ein oder andere Antwort auch auf den Kongo übertragbar sein.

Ein Ende der Gewalt in Gaza

Im Nahen Osten ist die Gewalt zwischen Israel, der Hamas und anderen im Gazastreifen ansässigen radikale(re)n Gruppen durch einen Waffenstillstand zwischen  Israel und Hamas vorerst beendet worden. Aufgrund der weitgehenden Berichterstattung in den Medien belasse ich es auch hier bei dem Hinweis auf zwei interessante Beiträge zum Thema:

Erstens widmet sich Thomas Rid auf Kings of War und einem frei zugänglichen Contemporary Security Policy-Artikel der weit verbreiteten Erklärung, Israel habe mit seinen Luftangriffen die erodierte Abschreckung wiederherstellen wollen. Zweitens, klagt Elliott Abrams in seinem Blog auf den Seiten des Council on Foreign Relations Amnesty International der Parteilichkeit zugunsten von Hamas an. Dies erscheint mir interessant, da es tatsächlich die Frage nach der Parteilichkeit von NGOs stellt, aber ebenso die orthodoxe Perspektive vieler Experten bloßstellt, dass „Terroristen“ unbedingt zu isolieren seien. Schließlich sei im Kontext dieses Konflikts und der erfolgreichen Mediationsbemühungen noch auf einen kurzen Überblick zu ausgewählten Beiträgen der Mediationsforschung in der Politikwissenschaft verwiesen, der sich auf The Monkey Cage findet.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

2 Kommentare

  1. Eine Reihe von Links mit einem Fokus auf Afrika zur “Elimination of Violence against Women” gibt es bei ThinkAfricaPress “in” und “unter” diesem Artikel:

    http://thinkafricapress.com/gender/international-day-elimination-violence-against-women-time-has-run-out-complacency-or-excuses

  2. Isabel Sommer · · Antwort

    Zum Thema Kongo hier ein Link zu einer oppositionellen Tageszeitung aus Uganda, um auch mal eine Stimme aus der Region zu hoeren: http://www.monitor.co.ug/News/National/Govt-quiet-on-Kabila–M23-meet/-/688334/1628902/-/pyx1fj/-/index.html

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