IB Online (3/12): Eine kleine Netzschau

Die Nummerierung im Titel zeigt es an. Es ist (ok: gestern war) der dritte Advent. Das heißt, in einer Woche ist Heiligabend. Die gute Nachricht ist: Ich bin zwischen dem Pauken von Weihnachtsgedichten und dem Ausstechen von Plätzchen noch dazu gekommen einen Blick in die unweihnachtlichen Weiten der Blogosphäre zu werfen und euch von neuen Beiträgen zur „Arabellion“ und der Zukunft der Entwicklungspolitik (z.B. Drohnen für Entwicklung!?) sowie neuen filmischen Zeugnissen des so genannten „Kriegs gegen den Terror“ zu erzählen.

Da das bevorstehende Weihnachtsfest und die daran anschließende freie Woche bis Neujahr uns nicht nur in alle Himmelsrichtungen zerstreuen wird, wir um des lieben Familienfriedens unseren Laptops mal eine Ruhe gönnen sollten und zwischen Sektgläsern und Zisselmännchen ohnehin keine zehn Finger frei haben werden, um in die Tasten zu hauen, ist dies hier die letzte Netzschau des Jahres 2012. Wir melden uns im Januar wieder. (Unter uns und vorab: Das gilt auch für das ganze Blog! UPDATE: Der Dezember-Kalendar aber läuft natürlich noch bis zum letzten Tag des Jahres weiter.) Wer es nicht gleich erkannt hat: Das war die schlechte Nachricht.

Worum geht es heute? Erst einmal um schlechte Nachrichten aus Ägypten. Es steht zu befürchten, dass es auch nach dem Ablauf des Referendums über den viel besprochenen Verfassungsentwurf wieder zu Gewalt kommen wird. Das Sicherheitspolitik-Blog wartet mit einem sehr lesenswerten Beitrag von Irene Weipert-Fenner auf, die sich dem eigentlichen Inhalt des Verfassungsentwurfs widmet.  An einer solch differenzierten Betrachtung des Gegenstands hat es meiner Wahrnehmung nach bisher gefehlt.  Auf Kings of War wird diskutiert, ob Präsident Mursi Garant der oder Gefahr für Stabilität im Nahen Osten ist. Schließlich findet sich im World Policy Blog eine Rezension eines neuen Buches zum Zustand Ägyptens. Die Überschrift des Beitrags deutet an, worum es geht: „Egypt’s Police State is in its DNA“.

Aber wir erinnern uns: Die so genannte Arabellion fand nicht nur in Ägypten statt. Wie steht es um seine Nachbarn? Im Blog Democracy in Development des Council on Foreign Relations betrachtet Isabel Coleman die jüngeren Entwicklungen in Ägypten, Libyen und Tunesien. Schließlich sei der Blick noch auf Syrien geworfen. Erica Borghard  and Jack Snyder analysieren auf Political Violence at a Glance die Bedeutung von „audience costs“ für Obama angesichts des angeblichen syrischen Zündelns mit chemischen Waffen. Stand Freitag, den 14. Dezember, fallen diese gering aus, da die Mehrheit der US-Amerikaner einen Militäreinsatz ablehnt (wie auch die Bewaffnung der syrischen Rebellen).

Themawechsel. Die Zukunft der Entwicklungspolitik (Stichwort z.B. post-MDG) war bereits Thema im Bretterblog und wird es wohl auch immer mal wieder sein. Schließlich geht dabei um viel u.a. um Geld und Leben. Patrick Stewart vom Council on Foreign Relations berät die  G 20-Gruppe in der Agenda-Planung für ihren Gipfel 2013 in Moskau. In seinem Blog berichtet er von seinem auf einer G-20-Vorbereitungskonferenz unterbreiteten Vorschlag, den Fokus der mächtigsten Staaten der Welt auf die Entwicklung fragiler Staaten zu legen. Die Motivation dazu sei entgegen des dominanten Diskurses aber nicht primär sicherheitspolitischer Natur (wer ein Interesse an dem Problem fragiler Staatlichkeit aus sicherheitspolitischer Sicht hat, der sei auf die aktuelle, spannende Freitagsfrage von Political Violence at a Glance verwiesen).

Weitere interessante entwicklungspolitische Fragestellungen werden durch folgende Beiträge aufgeworfen: Aidnography hat jüngst einen sehr guten Beitrag (Titel: „Drones for peace and development?“) mit lesenswerten Verlinkungen zur Frage des Einsatzes von Drohnen durch die Vereinten Nationen und den WWF veröffentlicht. Auf A View from the Cave finden sich einige Visualisierungen von Daten zu den Todesursachen von Männern und Frauen in der Welt (auf den Seiten der Washington Post kann man sich auf Basis der gleichen Daten anzeigen lassen, wie lange man zu leben hat). Die Notwendigkeit der besseren Integration der Zivilgesellschaft in die Ausarbeitung und Ausfüllung  des „New Deal for International Engagement with Fragile States“ unterstreicht Jennifer Salahub auf Insight on Conflict. Und schließlich hat sich, ausgehend vom Blog The Monkey Cage, eine lesenswerte Diskussion zur Frage entwickelt, was die Legislative in autoritären Staaten eigentlich so macht (update: link fixed).

[Eigentlich wollte ich noch auf den neuen, umstrittenen Kinofilm „Zero Dark Thirty“ und die US-Serie „Homeland“ hinweisen, die den so genannten „Kampf gegen den Terror“ filmisch inszenieren. Durch die Bezahlschranke der Sunday Times bin ich aber eines guten Artikels über den Film beraubt und verliere schwer beleidigt  keine weiteren Worte darüber. Eine Rezension von „Homeland“ findet sich auf der Webseite von Foreign Affairs. Hat jemand die Serie oder den Film schon gesehen?]

So, genug ins Netz geschaut. Die Vor-Weihnachtszeit hat mich zurück. Falls ihr die nächsten zwei Wochen nicht von Wissenschaftsblogs lassen könnt, sei euch die Liste der besten (englischsprachigen) Weblogs auf Duck of Minerva empfohlen. Ansonsten wünsche ich euch allen, die ihr Weihnachten feiert: Frohe Weihnachten! Und euch allen, die ihr Weihnachten nicht feiert: eine schöne freie Zeit! Und allen zusammen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

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4 Kommentare

  1. Der Link zur Diskussion um die Aktivitäten des Legislativen autoritärer Staaten funktioniert leider nicht.
    Ansonsten wie immer einige schöne Hinweise in eurer Netzschau. Danke dafür.

  2. lieder tobid001, vielen dank für den hinweis und die netten worte! wird gleich gefixt

  3. [...] Heute vor zwei Jahren zündete sich Tarek al-Tayeb Mohamed Bouazizi aus Protest selbst an – er starb knapp 3 Wochen später. Seine Aktion gilt als Auslöser der Tunesischen Revolution und somit des Arabischen Frühlings. Der heutige Stand der ‘Arabellion’ ist übrigens auch Thema unserer aktuellen Netzschau. [...]

  4. [...] russischen Staates. Und schließlich muss ich endlich die letzte Folge der ersten Staffel, der letzte Woche kurz angesprochenen Serie „Homeland“ gucken. Achtung: [...]

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