IB Online (4/1): Eine kleine Netzschau

Eine neue Woche, eine neue Netzschau, vier Themen. Es beginnt mit Deutschland und den Drohnen und einer Menge Links zum Thema. Mali, die Sahelzone und Syrien müssen auch diese Woche wieder ein Thema sein. Desweiteren verlinke ich eine Analyse zur Wahl in Israel.

Bewaffnete Drohnen für Deutschland? Nachdem Verteidigungsminister de Maizière lange nur laut darüber nachgedacht hatte, ist es innerhalb der letzten Tage konkret und offiziell geworden: Offenbar plant die Bundesregierung die Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen auszustatten. Im Jahr 2016 soll es soweit sein.

Diese offiziellen Informationen und die darauf folgende Diskussion zum Thema wurden maßgeblich von einer kleinen Anfrage der Linkspartei im Bundestag zur „Integration von schweren Drohnen in den allgemeinen zivilen Luftraum“ angestoßen. Die ausführlichen Fragen und Antworten finden sich hier. Eine kompakte Zusammenfassung zur Frage der bewaffneten Drohnen bietet Thomas Wiegold in seinem Blog Augen Geradeaus!. Dies, Informationen zu den bereits seit Jahren eingesetzten unbewaffneten unbemannten Flugkörper der Bundeswehr und eine Reaktion des Anfragestellers Andrej Hunko (Die Linke) findet ihr auf netzpolitik.org.

Eine bewaffnete Drohne des Typs Reaper wie sie die US-Armee einsetzt.

Eine bewaffnete Drohne des Typs Reaper wie sie die US-Armee einsetzt. Quelle: Wikimedia Commons.

Auch abseits des deutschen Falles spielt das Thema Drohnen in letzter Zeit eine gewisse Rolle in den IB-Blogs unseres Vertrauens.  Steven Walt hinterfragt die Effektivität von Drohnen und verlinkt auf einen lesenswerten Artikel auf Foreign Policy, der auf das Potential von Drohnen „perpetual war“ zu führen verweist. Ein Blog des Council on Foreign Relations weist durch eine interessante Linkliste zum Thema u.a. auf eine Ende vergangener Woche angekündigte Untersuchung der UN zu den Auswirkungen des Einsatzes bewaffneter Drohnen auf Zivilisten hin. Ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter berichtet in der Huffington Post von der Gefahr, dass nicht-staatliche Gewaltakteure mittels Drohnen den US-Präsidenten töten könnten. Weitere lesenswerte Beiträge zum Thema Drohnen aus sozialwissenschaftlicher Sicht finden sich auch bei den Kolleginnen und Kollegen des Sipo-Blogs. Wer lieber schauen als lesen möchte, dem sei eine (leider nicht einbindbare) Arte-Reportage von 2009 empfohlen sowie ein Mit offenen Karten aus demselben Jahr (ab Minute 3:20 geht es um Zweck und Funktionsweise von Drohnen):

Arte, Mit offenen Karten: Das digital Schlachtfeld

Bewaffnete Drohnen für die Bundeswehr sind ein Thema. Aber unbemannte Flugkörper werden auch anderweitig eingesetzt: Die UN hat sich für ihren Einsatz im Ost-Kongo nicht nur ein stärkeres Mandat gegeben, sondern auch beschlossen dort Drohnen für den Frieden (ältere Meldung mit mehr Infos: hier) einzusetzen. Dass Drohnen auch dem Naturschutz (WWF-Catchline: Now everyone can drone!) dienlich sein sollen, hatten wir schon einmal berichtet. Was mir neu war: Es gibt auch Drohnenjournalismus – und sogar gleichnamige Homepages (englisch, deutsch). Drohnenjournalismus heißt „Daten via Drohne zu sammeln und zu verarbeiten“. Diese und eine etwas ausführlichere Erklärung sowie interessante Hinweise auf den massiven öffentlichen wie privaten Einsatz von Drohnen findet sich in dem Artikel „Der Himmel voller Drohnen“ eines der Wissenschaftsjournalisten. Schließlich sollen unbewaffnete Drohnen in Bälde wohl auch über Deutschland und zwar durch die Bundespolizei eingesetzt werden.

Drohnen für Sicherheit, Frieden, Naturschutz usw. – was hat das für Folgen? Wer Zugriff auf das Journal Ethics and International Affairs hat, dem sei ein Artikel zu Drohnen und der Theorie des gerechten Krieges empfohlen. Frei zugänglich ist auch ein Vortrag von Peter W. Singer und das „Jahrbuch Netzpolitik 2012“. Auf den Seiten 165 bis 170 findet sich ein lesenswerter Kommentar zu den „Nutzen und Grenzen von maschineller Autonomie und ihre ethischen Implikationen“.

Ok, für dieses Mal Schluss mit den Drohnen. Der Bürgerkrieg in Syrien geht ohne Erbarmen weiter. Warum der Fall Syrien aus wissenschaftlicher Perspektive kein besonders dramatischer Fall eines Bürgerkriegs ist, versucht Lionel Beehner auf PV@A Glance darzustellen. Eine interessante Debatte über das Für und Wider von Interventionen in den Konflikt hat sich ausgehend von zwei Beiträgen von Marc Lynch (hier und hier) auf Foreign Policy  entwickelt. Dass alles viel schlimmer ist, als es durch die Medien berichtet wird, argumentiert Lara Setrakian ebenfalls auf FP. In diesem Zusammenhang sei auch auf einen Beitrag im Blog des Program on Humanitarian Policy and Conflict Research der Harvard University verwiesen, dass Daten zu den Todesfällen von Kriegsreporten aufführt.

Ein anderer bewaffneter Konflikt wird zurzeit in Mali ausgetragen (alle Beiträge des Bretterblogs zu Mali hier). Für ein tägliches Update über die Situation in Mali sei das Blog Bridges from Bamako empfohlen. Eine Verteidigung des Einsatzes aus sicherheitspolitischen Gründen hat Stewart Patrick in einem CFR-Blog verfasst. Lesenswert erscheint die Analyse des umstrittenen Informationsdienstleisters Stratfor zur Frage, wie die blutige Geiselnahme von Ain Amenas  und die Sicherheitslage in der Sahelzone einzuordnen ist.  Nach Einschätzung des Autors ist es verfehlt die Geiselnahme im Kontext des Kampfs gegen den Terrorismus zu verorten. Tatsächlich sei sie traurige Routine ohne eine Verbindung zum Terrorismus à la al-Quaida.

Schließlich sei noch auf eine ausführliche Analyse der Wahl in Israel und eine Mini-Analyse des Bretterblogs der von der Hamas ausgehenden Gefahr von transnationalem Terrorismus verwiesen.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

2 Kommentare

  1. Zum Thema Drohnen und die teilweise nicht nachvollziehbare Kritik gibt es hier etwas interessantes zu lesen http://conflictandsecurity.wordpress.com/2012/10/01/drone-warfare-critics-and-their-focus-on-the-wrong-issues-2/

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