Kurzreview: Writing your dissertation in fifteen minutes a day

Bolker, Joan. 1998. Writing Your Dissertation in Fifteen Minutes a Day: A Guide to Starting, Revising, and Finishing Your Doctoral Thesis. Owl Books. 184 S.

Promotionsratgeber gibt es wie Sand am Meer. Warum also ausgerechnet eine Kurzbesprechung von „Writing your dissertation in fifteen minutes a day“? Eigentlich vor allem weil ich das Buch gerade gelesen habe. Und andererseits, weil ich finde, dass es zwei ganz nützliche Tipps beinhaltet: regelmäßig schreiben und überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten. Der Rest des Buches ist allerdings ziemlich mau, weshalb ich allen Interessierten die beiden Ratschläge lieber hier kurz im Review erkläre.

Der Titel des Buchs bezieht sich auf den ersten Ratschlag, nämlich regelmäßig zu schreiben. Und zwar regelmäßig as in jeden Tag. 10 Minuten. Eine Viertelstunde. Eine Stunde. Egal. Einfach schreiben. Und zwar nicht unbedingt (aber idealerweise) zum Diss-Thema. Einfach schreiben. Was einem durch den Kopf geht. Und wenn man das lange genug macht und grade an einer Diss arbeitet, sollten einem—sofern man nicht zur kompletten Realitätsausblendung neigt—da auch mal Gedanken zum Promotionsthema durch den Kopf gehen. Diese kommen dann im Schreibfluss mit aufs Papier bzw. ins Word-Dokument. So sammelt sich nach und nach Material an (sogar beträchtlich viel Material), aus dem man dann in weiteren Arbeitsschritten ein Exposé, und später ein (zwei, drei,…) Kapitel bauen kann.

Ich befinde mich gerade am Anfang meiner Dissertation, mehr oder weniger auf der Suche nach Thema und Fragestellung. Ich habe die letzte Woche und den Anfang dieser Woche versucht, den ersten Ratschlag zu beherzigen und jeden Tag mindestens 10 Minuten (meist wurden 20 bis 30 Minuten daraus) alle Gedanken aufzuschreiben, die mir in Zusammenhang zu meinem Diss-Thema durch den Kopf gingen. Besonders geholfen hat mir dabei, dass ich meine Tageslektüre (sofern ich dazu gekommen war, was relevantes zu lesen) besser reflektieren konnte, als wenn ich nur Stichpunkte zu den Texten aufgeschrieben hätte. Denn diese Methode erlaubt es besser, direkte Fragen an die Lektüre (und an sich selbst) zu stellen—und gerade beim Formulieren dieser Fragen strukturiert man die eigenen Gedanken bereits extrem.

Ich bin weit davon entfernt, mir ein abschließendes Urteil über diese Technik bilden zu können. Dafür ist eine Woche Selbsttest einfach zu wenig (vielleicht kann ich an dieser Stelle nochmal in ein paar Monaten Bilanz ziehen, wenn ein erstes Exposé steht). Aber bisher fühlt sich die Arbeitsweise sehr gut an und ist dem Zeichnen wilder Mindmaps, was ich davor praktiziert habe, weit voraus. Beim Durchlesen der alten Einträge kristallisieren sich Ideen und Gedankengänge heraus, zeichnen sich mögliche Thesen und Theorieansätze ab und, in meiner momentane Phase am wichtigsten, bilden sich Konturen einer möglichen Fragestellung heraus. Gleichzeitig bleibt mein Kopf immer ein wenig im „Diss-Modus“ und ich verliere das (potentielle) Thema nie ganz aus den Augen.

Der zweite Tipp ist ähnlich simpel: Überarbeiten ist (manchmal mehr als) die Hälfte der Miete. Diesen Ratschlag kann ich  weit weniger gut beurteilen. Aber ausgehend von den Texten die ich bisher geschrieben bzw. Korrektur gelesen habe, war bisher jede Arbeit nach intensiver Überarbeitung (oft durch ein zweites, drittes, viertes) paar Augen erheblich besser. Und mit Überarbeitung meine ich nicht (und auch die Autorin nicht) das einfache Gegenlesen auf Rechtschreibfehler, Grammatikpatzer oder ähnliches, sondern intensives Überprüfen einzelner Absätze, Überleitungen, Kapitel. Denn zu Papier bringen ist zwar ein wichtiger Schritt (und für Blockaden dabei hilft der erste Tipp sehr gut), aber ohne den zweiten Schritt des Überarbeitens kommt man nicht ans Ziel.

Erwähnenswert finde ich ihren Ratschlag, die Kernaussage von Absätzen bei der Überarbeitung mit einem Satz zusammenzufassen und diese dann in ihrer Reihenfolge zu lesen. Diese Technik liest man in diversen Schreibratgebern, aber sie ist sehr effektiv, um aufgeblähte Absätze aufzuspüren (kann man den Absatz nicht in einem Satz zusammenzufassen, gehört er whs. aufgesplittet) und die Stringenz der Absatzabfolge zu überprüfen (passt ein Satz nicht logisch hinter den anderen, kann man den entsprechenden Absatz whs. löschen oder sollte ihn woanders platzieren).

Der Rest des Buches ist wenig lesenswert, da er kaum etwas Neues bietet. Die Tipps zum regelmäßigen Schreiben sowie Zeit und Energie einplanen für den Überarbeitungsprozess sind daher die wichtigsten und fruchtbarsten Ideen des Buches. Ich bin gespannt ob Sie für mich insgesamt funktionieren werden.

Welche Erfahrungen habt ihr in den verschiedenen Stationen eures Dissertationsprojekt gemacht? Was sollte man vermeiden, was hat euch geholfen? Antworten, Tipps, Ratschläge, no-gos in die Kommentare!

6 Kommentare

  1. Christine · · Antworten

    Ich bin vor mittlerweile einem Jahr dazu übergegangen mir jeden Gedanken aufzuschreiben, der mir – egal wo – in den Sinn kommt. Das hat dazu geführt, dass ich eine Sammlung von Ideen und wichtigen Bausteinen für meine Master Thesis schnell zusammen hatte und diese jetzt neu ordnen muss für meine Überlegungen zur Diss.
    „Egal wo“ heißt aber auch, dass ich überall, was zu schreiben dabei habe. Ich hab mittlerweile ein kleines Büchlein, dass immer griffbereit in der Handtasche oder auf dem Schreibtisch oder auf dem Nachtisch liegt. Manchmal denke ich: Halt den Gedanken fest, schreib ihn nachher auf. Aber dann ist der Gedanke weg. Seit ich die Methode nutze, kann ich diese Gedanken besser nutzen. Im Übrigen ergänzt sich das gut mit dem ersten Tipp aus deinem Buch: Diese kurzen Notizen arbeite ich zu konkreten Gedanken aus, wenn ich mir meine halbe Stunde am Tag nehme um meine Gedanken aufzuschreiben. Man sollte übrigens auch nicht unterschätzen, wie intensiv ein solcher Schreibprozess direkt nach dem Lesen eines interessanten Artikels oder Kapitels ist!
    Ich kenne die Methode von einer Professorin, die mir diesen vor einem Jahr gegeben hat.

  2. danke felix und christine für die tipps! ich hab mir vorgenommen sie nun zu beherzigen. Kennt ihr andere, sinnvollere Promo-Ratgeber als den hier vorgestellten? thx

  3. Ich persönlich finde „How to write a lot“ von Paul Silvia ganz gut. Ich glaube, er ist zwar Psychologe, aber seine Tipps lassen sich ohne weiteres auf andere Disziplinen übertragen. Sein Ansatz ist sehr stark auf „Konditionierung“ gelegt, würde ich sagen: regelmäßige Schreib/Lese-zeiten, keine Ablenkung (Internet aus), feste Schreibziele definieren (in einer Excel-Liste), regelmäßige Treffen mit peers um sich gegenseitig zu kontrollieren (ja hier geht es um richtige Kontrolle!)… Bei meiner Magisterarbeit hat das sehr geholfen.

  4. Mein Senf: Also sowas wie jeden Tag 10-15 Minuten schreiben funktioniert bei mir nicht, wobei ich hier nur Fließtext rechne, keine Notizen, denn die produziere ich eh im Überfluss. Mir hat sehr geholfen, dass meine Doktorarbeit nach dem ersten Jahr einfach nacheinander die Kapitel in einer ersten Fassung eingefordert hat. Und so gibt es jetzt also zu allem eine erste Fassung, die jetzt überarbeitet wird. Stimme also zu: regelämßig schreiben und dann überarbeiten, aber wie regelmäßig aussieht, hängt glaube ich auch von der Disziplin etc ab.

    Ansonsten ist meine persönliche Erfahrung vor allem keine Panik! Und sich nicht gleich selbst fertigmachen, wenn man mal gefühlt ein paar Tage (oder Woche) nix geschrieben kriegt. Denn ich habe festgestellt, dass das meist die Phasen sind, in denen ich datenfluten sortieren musste.

  5. […] „Writing your Dissertation in 15 minutes a day“ (Buchtitel von Joan Broker, hier ein Kurzreview, mehr zum Thema vom Thesis Whisperer). Ab jetzt wird mind. 15 Minuten pro Tag […]

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