IB Online (6/8): eine kleine Netzschau

By Wikileaks [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Nachdem wir diese und letzte Woche ein wenig von unserem üblichen Rhythmus abgekommen sind (nur böse Zungen würden es auf die hochsommerlichen Verhältnisse schieben), soll von heute an wieder Normalität einkehren. Die Geschehnisse der letzten Woche in London haben die Causa Assange auch auf die Tagesordnung des Bretterblogs gespült. Zu den jüngsten Entwicklungen in London gibt es heute Links genauso wie zu Mafia- und Phantomstaaten, sowie zu Drogenhandel und –kriegen.

Der Auftritt Julian Assanges auf dem Balkon der Ecuadorianischen Botschaft in London (hier geht’s zum Video) hat Wikileaks bzw. Assange wieder die breite Aufmerksamkeit der globalen Öffentlichkeit zugesichert. Dass Assange nun ausgerechnet in Ecuador um Asyl gebeten hat, zeigt wie sehr seine Person abseits der Debatte zu Wikileaks politisiert worden ist. Schließlich sucht Assange Schutz in einem Land, das es selbst mit der Meinungs- und Pressefreiheit selbst nicht so genau nimmt, wie das Committee to Protect Journalists berichtet – vielmehr definiert es sich durch seine Opposition zu den USA u.a. im regionalen Bündnis ALBA. Die Skepsis über den selbstgewählten Unterschlupf Assanges teilt auch Ali Arbia auf zoon politikon, der fragt, ob es bei Wikileaks vielleicht schon immer mehr um eine einzelne Person ging.

Wie das Projekt von Wikileaks, einst gar der Heilsbringer des Journalismus im 21. Jahrhundert, zur persönlichen „Seifenoper“ einer einzelnen Person wurde, erklärt Joshua E. Keating auf Foreign Policy. Auf opendemocracy.org resümiert Charlie Beckett darüber, was vom „Wikileaks Sturm“ von 2010 geblieben ist. Welche Wirkung Leaks haben, hat ein Frankfurter Forschungsprojekt im vergangen Jahr untersucht, dessen Ergebnisse sich im SiPo-Blog nachlesen lassen, zum Beispiel zur Wirkung der „Palistine Papers“. Zur Zukunft globaler Meinungsfreiheit und Wikileaks findet sich in der New York Times ein lesenswertes Op-Ed.

Außerdem sei noch auf einen Beitrag im NewStatesman verwiesen, der die rechtliche Seite der Assange-Auslieferung beleuchtet und mit fünf Mythen aufräumt (dort finden sich auch die Verweise auf weiter super Links zum Thema).

Spannender als dieses diplomatische Hick-Hack wären da vielleicht neue Leaks, die ein Schlaglicht auf die Rolle von Mafia-Staaten in der globalen Politik werfen. Wie diese gerade im Zuge der Finanzkrise ihre Machtpositionen ausgebaut haben und in einigen Staaten bis in die höchsten Regierungsämter vorgedrungen seien, erläutert Moisés Naím auf Foreign Affairs (zum kompletten Artikel via Carnegie Endowment). Er warnt vor der zu geringen Wahrnehmung in der globalen Politik und kritisiert die meist nationalen Gegenmaßnahmen die dem transnationalen Charakter der Mafia nicht gerecht werde. Eine andere Analyse veränderter Staatlichkeit liefern Daniel Byman und Charles King in The Washington Quarterly. Sie versuchen Licht ins Dunkel von Phantom Staaten (pdf), wie Taiwan, die Türkische Republik Nordzypern oder die Republik Bergkarabach, zu bringen, und hinterfragen angesichts von Staaten ohne Staatlichkeit, wie globale Politik auf die entsprechenden Herausforderungen reagiert.

Auch Arte’s offene Karten ziehen Parallelen zwischen den Veränderungen globaler Politik und der Mafia, die Geopolitik im Verborgenen betreibe, und analysiert die globalen Mafiazentren:

Etwas konkreter wird es hier: Rachel Locke analysiert in einem Policy Paper für das International Peace Institute den Nexus von transnationaler Kriminalität, Konflikten und fragiler Staatlichkeit und kritisiert bestehende „Law-and-Order“ Politik, die in den breiteren Kontext politischer und sozio-ökonomischer Bedingungen eingebettet werden müsste. Beispiele gibt es hier aus Afrika und Lateinamerika. Ein weiteres Beispiel für  die Unterminierung von Staatlichkeit durch die organisierte Kriminalität liefert ein Working Paper des Small Arms Survey: hier werden die Bandenkriminalität in und der Konflikt mit dem Staat in Guyana (pdf) dargestellt.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

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