Umfrage: Die deutsche Politikwissenschaft im Web 2.0 – Teil 1

By Original by Markus Angermeier Vectorised and linked version by Luca Cremonini [CC-BY-SA-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)%5D, via Wikimedia Commons

Disclaimer: Dieser Beitrag ist Teil einer dreiteiligen Beitragsserie. Auch der zweite Teil und der dritte Teil sind bereits online. Ob der ohnehin erheblichen Länge, soll dieses kleinteilige Format das Lesen vereinfachen.

Fast zwei Monate ist das Bretterblog nun alt. Seitdem sind 26 Beiträge in neun Kategorien, versehen mit 114 Schlagwörtern und veredelt durch 58 Kommentare erschienen. Die Zugriffszahlen im Blog und auf Facebook entwickeln sich ebenfalls gut – das alles freut uns sehr. Euch Lesern, Kommentatoren, Teilern und Retweetern vielen Dank!

Für ein gutes Blog gehört es sich, einen Gutteil der Zeilen darauf zu verwenden sich mit Rolle von Blogger und dem Bloggen zu beschäftigen. Mit diesem Post wollen wir in eine solche Reflektion über die deutsche politikwissenschaftliche Blogosphäre einsteigen.

Was wir nicht machen, ist uns der Geschichte von Weblogs und der Wissenschaft im Web 2.0 zu widmen. Dazu sei auf die sehr lesenswerten Texte von Rebecca’s Pocket und auf den leider nicht frei zugänglichen Zeitschriftartikel zweier Autoren des Theorieblogs verwiesen. Stattdessen wollen wir in diesem wachsenden Artikel in den folgenden Tagen die Ergebnisse einer kleinen, nicht-repräsentativen Umfrage vorstellen, die wir in den vergangenen Wochen durchgeführt haben.

Unser Ausgangspunkt war die wenig überraschende Feststellung, dass die deutsche „IB-Blogosphäre“ (IB steht für die politikwissenschaftliche Teildisziplin „Internationale Beziehungen“) recht übersichtlich ist. Tatsächlich entwickelt sie sich in den letzten Jahren, aber das in doch recht gemächlichem Tempo. Warum ist das so?

Es dürfte unumstritten sein, dass Wissenschaft heute auf das World Wide Web angewiesen ist. Die Kommunikation via Email, die Literaturrecherche in Onlinedatenbanken oder der Zugriff auf die Onlineausgaben von Fachzeitschriften sind Beispiele für grundlegende Arbeitsprozesse, die die wissenschaftliche Arbeit erheblich erleichtern und zeitgemäße Wissenschaft erst ermöglichen.

In jüngerer Zeit aber mehren sich Stimmen, die dem Internet das Potential zuschreiben mehr zu sein als ein Kommunikations- oder Rechercheinstrument. So beschäftigen sich beispielsweise die Düsseldorfer Nachwuchsforschergruppe „Wissenschaft und Internet“ oder das „Büro für (digitale) Wissenschaftskommunikation“  mit den Formen wissenschaftlichen Arbeitens im Netz. In wissenschaftlichen Zeitschriften wird die Frage nach dem Bloggen als wissenschaftlicher Praxis diskutiert und eine „Political Science Public Sphere with Blogs“ skizziert. Auch auf der diesjährigen re:publica 2012 wurde das Thema Wissenschaft im Web 2.0 diskutiert. Und das Blog des Göttinger Institut für Demokratieforschung bietet einen aufschlussreichen Konferenzbericht zu aktuellen Entwicklungen in der wissenschaftlichen Blogosphäre. Schließlich sei auf die Blogs renommierter Politikwissenschaftler wie Daniel Drezner und Stephen M. Walt, auf kollektive Wissenschaftsblogs wie Duck of Minerva oder Political Violence @ a Glance oder institutionelle Blogs wie das Sicherheitspolitik-Blog verwiesen.

Die Debatte über  die deutsche IB im Web 2.0 möchten wir im Bretterblog aufgreifen und haben zu diesem Zweck deutschen Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern die folgenden Fragen gestellt:

  1. Nutzen Sie Blogs als Informationsquelle oder als Instrument in der Lehre?
  2. Welchen Nutzen und welches Potential können „wissenschaftliche“ Blogs haben?
  3. Warum tut sich die deutsche IB im Vergleich zur angelsächsischen IB so schwer in der Blogosphäre?

85 Anfragen haben wir gestellt und von 19 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Antwort erhalten. Allen an dieser Stelle einen herzlichen Dank! Leider können wir nicht alle Antworten aufführen, bemühen uns aber um eine gute Auswahl und Auswertung. Und die sieht wie folgt aus…

1. Nutzen Sie Blogs als Informationsquelle oder als Instrument in der Lehre?

Von den 19 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, haben 16 auf die erste Frage eine Antwort gegeben. In Zahlen ausgedrückt lautet das Ergebnis: 62,5 Prozent nutzen Blogs regelmäßig als Informationsquelle und/oder als Instrumente in der Lehre. Demgegenüber verwenden 25 Prozent Blogs weder zur Information noch in der Lehre. 12,5 Prozent der Teilnehmer haben geantwortet, dass sie Blogs wenn überhaupt, dann nur unregelmäßig als Informationsquelle nutzen.

Die regelmäßigen Blognutzer verwenden diese vor allem, um sich über aktuelle Debatten in ihrem Forschungsbereich zu informieren, diese aufzunehmen und in Blogs identifizierte Fragestellungen in die Lehre zu tragen:

„Blogs sind neben Twitter die wichtigste Informationsquelle für mich und ich verbringe im Schnitt ein bis zwei Stunden jeden Tag damit, mich über diese zwei Medien „uptodate“ zu halten.“ (Marco Fey, HSFK)

„Ja, regelmäßig. Vor allem zur Vorbereitung auf die Lehre. Manchmal weise ich in Vorlesungen auf interessante Blogs hin. Ich werde das in Zukunft wohl noch systematischer machen, da ich sehr von der Lektüre von Blogs profitiere.“ (Prof. Dr. Berthold Rittberger, LMU München)

„Ich nutze Blogs auch, um vor dem Hintergrund empirischer Beobachtungen zentrale Debatten in der Disziplin zu identifizieren und deren Richtung besser einschätzen zu können.“ (Daniel Odinius, Uni Bamberg)

Viele der von uns befragten regelmäßigen Nutzer von Blogs informieren sich auf diesem Wege des Weiteren über Themen und Fragestellungen anderer Fachbereiche und bilden sich so weiter:

„Ich nutze Blogs vor allem als Informationsquelle: Einerseits verfolge ich Blogs aus Fachgebieten, die ich empirisch beforsche. Andererseits folge ich Wissenschaftblogs aus meinen und angrenzenden Disziplinen.“ (Prof. Dr. Leonhard Dobusch, FU Berlin)

Doch längst nicht alle Teilnehmer unserer Umfrage haben sich diesem positiven Urteil angeschlossen. Ein zentrales Argument der Politikwissenschaftler, die Blogs nicht nutzen, lautet, dass es schlicht an der Zeit fehle Blogs zu lesen:

„Ich benutzte bisher keine Blogs, weil ich einfach von der Fülle der ohnehin schon eingehenden elektronischen Nachrichten und der üblichen Leseverpflichtungen völlig erschlagen bin.“ (Prof. Dr. Lothar Brock, Uni Frankfurt)

Ähnlich argumentiert eine andere Teilnehmerin (anonym) unserer Umfrage:  Aufgrund des Zeitmangels und einer anderen Prioritätensetzung „sind Blogs schlicht ganz hinten auf meiner Infoquellenliste, da die anderen Quellen für mich immer noch mehr Infos, mehr Solidität versprechen“.

Prof. Dr. Gerald Schneider schließlich weist auf einen von ihm verfassten Beitrag hin, der ein weiteres wichtiges, weil klassisches Argument gegen wissenschaftliches Bloggen vorbringt. Der Titel dürfte für sich sprechen: „Blogging is sinful and hampers your research activity“.

Blogs bilden vs. Blogs binden zu viele Ressourcen. So lässt sich diese erste Runde vielleicht auf einen Nenner bringen. Was meint ihr: Überzeugen die Argumente?

Hier geht es zur nächsten Folge, in der  wir uns der Frage nach dem Nutzen und Potential von wissenschaftlichen Blogs widmen..

18 Kommentare

  1. Ich lese Blogs im Bereich der IB eigentlich auch nur sehr auszugsweise. Habe noch nie darüber nachgedacht, warum eigentlich. Andere, „politische“ Blogs (wie die Nachdenkseiten, Publikative.org, den Blog von Paul Krugman etc) sind dagegen täglich in meinem Feed-Reader drin. Vielleicht liegt es daran, dass ich in „meinem“ Bereich (der IB) gern tiefer eindringe und mir thematisch dann schon selbst eben die Fachliteratur besorge… Blogs sind da ja meist genau an der Schnittstelle zwischen „wiss. Artikel“ und „journalistischem Geschreibsel“. Und zitieren ist auch meist nicht so leicht, wie bei einem Zeitschriftenartikel.

  2. Spannende Ergebnisse! Wir bauchen auch gerade einen Blog auf, daher verfolge ich eure Umfrage mit besonderem Interesse. Ich glaube, Blogs können nicht nur der Information, sondern auch dem essayistischen, pointierten Schreiben (Lernen) der Autor_innen als auch der Diskussion aktueller fachlicher und politischer Entwicklungen dienen.

  3. Der positive Aspekt ist in jedem Fall die Aktualität. Und seien wir ehrlich: so manch ein „Fachartikel“ entpuppt sich bei näherer Betrachtung mitunter gerne als pointierter, essayistischer Kurzartikel. Die Zitierfähigkeit solcher Blogeinträge steht anhin und ist gewiss ein Problem (man darf dazumal nicht verschweigen, dass die Qualität(en) von solcherlei Blogs arg divergieren…). Ich glaube aber, dass Projekte wie eben jenes Bretterblog der richtige Schritt sind. Ich sehe die positiven Aspekte eher in dem Sammeln und Verteilen von Texten sowie Querverweisen (wie eure Netzschau), Irgendwann, und das ist dann der casus knaxus, sind wir dann aber wieder beim Problem der Zitation und einer Form von Beliebigkeit; wenn es um die besagten Essays geht. Und: man kommentiert nur noch, reflektiert gleichwohl weniger; fundierte Analyse weicht der schnellen Einordnung. Aber das sind Folgeprobleme, die sich so ja allüberall und nicht nur für die Politikwissenschaft stellen. Ein kleines, obzwar nicht zu übsersehendes Damoklesschwert, welches über der von euch sehr gut angestoßenden Web 2.0-Powi-Debatte schwebt.

  4. Für mich geht die Frage nach der Zitierbarkeit von Blogs etwas am Ziel vorbei. Ich zumindest lese Blogs nicht, um „harte“ wissenschaftliche Erkenntnisse zu recherchieren, die ich als belastbare Quelle in der eigenen Arbeit benutzen kann. Dafür gibt es andere, herkömmliche Outlets. Ich lese Wissenschaftsblogs, um Meinungen anderer Wissenschaftler über ihre oder die Ergebnisse anderer mitzubekommen. Ich will Stimmen und Eindrücke über den Wissenschaftsbetrieb an sich auffangen. Perspektiven von Wissenschaftlern lesen, die zu bestimmten Themen fundierte Meinungen abgeben, weil sie es können und sonst nirgendwo anders die Möglichkeit dazu haben. Und möchte mich schließlich zu all den Themen austauschen können. Das muss ich am Ende nicht zitieren können, da für mich all das eher eine Metadiskussion darstellt, also eine Diskussion über und mit der wissenschaftlichen Debatte, als eine genuin eigene wissenschaftliche Debatte (auch wenn gute Blogartikel bzw. deren Diskussionen in diese Richtung abdriften können).

    Ich vergleiche mein Leseverhalten von Wissenschaftsblogs eher mit dem Besuchen einer Geek-Dinnerparty, bei der ich erst mal den neuesten Klatsch und Tratsch mitnehme, dann dem smarten Kerl vom Platz gegenüber zu seinem Lieblingsthema zuhöre, und dann vielleicht einen Kommentar abgebe, wenn ich damit nicht ganz einverstanden bin. Anschließend wechsle ich den Tisch, komme mit ein paar Leuten ins Gespräch, die Berufe haben, von denen ich vorher nie gedacht hätte, dass es sie gibt, schüttle ungläubig meinen Kopf, aber bin vielleicht ein wenig inspiriert. Dann quatsche ich noch mit dem Typen, mit dem ich überhaupt nicht einer Meinung bin, der seine aber smart vorbringt. Aus der Auseinandersetzung komme ich vielleicht ein wenig klüger raus als zuvor, bin mir aber nicht sicher (auf jeden Fall fällt mir das gute Gegenargument später auf dem Nachhauseweg ein). Auf dem Weg zur Bar bekomme ich noch zehn Tipps für neue Drinks, dich mal ausprobieren sollte. Schließlich gehe ich heim, nehme einen guten Abend mit, mit viel Inspiration, neuen Ideen und interessanten Gesprächspartnern. Und am nächsten Tag wache ich mit einem leichten Kater auf und frage mich kurz, ob ich gestern nicht doch meine Zeit verschwendet habe und lieber hätte arbeiten sollen? Aber dann freue mich doch wieder auf die vielen neuen Gesichter auf der nächsten Party.

  5. Schöne Metapher, mit der Geek-Dinnerparty!
    Das Problem, welches ich noch vergessen habe, zu erwähnen, ist ein sehr subjektives: gerade bei Blogs mit Kommentarfunktion (wie hier, dieser Blog ist aber NICHT gemeint) rege ich mich immer unheimlich über Foren- und Blog-Trolle auf. Die Artikel an sich reichen mir meistens aus, ich lese dann die Kommentare meist nicht mehr – eben wegen der Trolle. Dabei geht sicherlich einiges an spannendem Input verloren…

    1. Danke für deinen Kommentar. Trolle wirst du immer haben. It’s the Internet, after all. Wir hatten auch schon unseren ersten. Zwei (von vielen möglichen) Strategien damit umzugehen:

      – Dickes Fell entwickeln. Let people talk. Wenn’s zu schlimm wird, Blogbetreiber darauf hinweisen. Ein Minimum an Moderation sollte schon möglich sein (wird aber grade bei größeren Blogs schwierig).
      – Selber konstruktive Kommentare geben, womöglich ergibt sich daraus ja eine spannende Diskussion.

      Dass du aber durchaus einen Punkt hast, zeigt Markus‘ Reaktion auf netzpolitik.org. Es gibt keine einfache, one-size-fits-all Lösung zu dem Problem. Das netzpolitik-Beispiel zeigt: meine beiden Vorschläge, sind zwecklos, wenn das Problem extrem geworden ist Bin gespannt wie sich das auf diesem Blog entwickeln wird.

  6. Hier findet ihr ein Blog, das im Rahmen einer studentischen Lehrveranstaltung an der Humboldt-Uni entstanden ist, inklusive Facebookseite und Twitterkanal: http://menschenhandelheute.wordpress.com
    Wir würden uns über eine Verlinkung freuen!

  7. Hm, um in dem schönen Geek-Dinnerparty-Bild zu bleiben: Ich glaube für viele liegt das Problem schon da, die Geek-Dinnerparty-Blogs überhaupt zu finden. Sie haben vielleicht mal oberflächlich nach so einer Dinnerparty gesucht und sind dabei auf allen möglichen Arten von Partys, aber Dinnerpartys waren eher selten dabei, es ging oft sogar ziemlich rowdyhaft oder niveaulos zu. Deshalb sagt der Eine oder Andere: „Ich finde Partys per se nutzlos egal ob Dinner oder Trinkhalle.“ Manche haben es zwar bis zur Dinnerparty geschafft, aber sie haben sich etwas völlig anderes unter dem Abend erwartet. Tiefschürfende Gespräche bei denen man über einzelne Themen nachdenkt und debattiert oder umfassende Information zu Fragen der Zeit. Aber das gibt es nicht auf der Dinnerparty, sondern dass, was Felix oben beschreibt. Auch die Leute werden sagen: „Wozu brauch ich eine Dinnerparty, wenn es da garnicht das gibt, was ich suche.“

    Es hat also meiner Meinung nach viel mit Verständnis/Zugang und mit Erwartungen zu tun, wie und ob Blogs genutzt werden:
    Wenn man über Blogs als Informationsquelle nachdenkt, sollte man vielleicht erstmal darauf achten, dass man nicht zu sehr pauschalisiert. Natürlich kann man jede Menge Zeit und Ressourcen darauf verschwenden, sich schlechte Blogs anzugucken und daraus keinen Nutzen zu ziehen, aber genauso kann man viel Zeit und Ressourcen darauf verschwenden, schlechte Bücher zu lesen.
    Nur ist es bei Blogs eben schwieriger, die guten Blogs zu finden, während sich das im Fall von „klassischen Publikationen“ schneller und vor allem einer bekannten Logik folgend, rumspricht. Ein Problem ist also die Frage des Zugangs zur „Welt der Blogs“, die einer etwas anderen Logik folgt, als die Welt der akademischen Publikationen. Wenn man den Zugang nicht findet (und es ist mit Arbeit verbunden), dann wird es schwer, den Nutzen von Blogs zu sehen, weil man die guten nicht kennt. Das führt, dann aber gleich zur nächsten Frage.
    Wenn ich ein Blog lese, muss ich mir natürlich die Frage stellen, was ich davon erwarte (also was für mich überhaupt „gute Blogs“ sind, denn die Qualität hängt natürlich auch irgendwie davon ab, wonach ich suche).
    Wenn ich von einem Blog erwarte, dass es das gleiche leistet wie akademische Publikationen, dann wird das Blog für mich kein sinnvolles Informationsmedium sein. Wenn ich von einem Blog erwarte, dass es das gleiche leistet, wie eine Tageszeitung bin ich ebenfalls auf dem Holzweg (ein Blog kann nicht aktueller sein und auch nicht besser recherchiert). Leute die mit dieser Erwartungshaltung Blogs lesen, werden enttäuscht sein und sich fragen, wozu die nütze sind.

    Das alles führt dann zu der Grundlegenden Frage, was das spezifische ist, das Blogs überhaupt leisten können. Da gibt es so einiges, das irgendwo zwischen den beiden oben angesprochenen Erwartungshaltungen angesiedelt ist:
    – Blogs bieten die Möglichkeit, einen Diskurs transparent zu machen. Man kann Ideen und Fragen aufwerfen und sie mit anderen Menschen diskutieren und der Weg von der Frage zur Antwort bleibt für alle transparent und verständlich. Bei „klassischer akademischer“ Literatur sieht man nur, was am Ende rauskam, alle Diskussionen und widerstreitenden Ideen, die auf dem Weg dahin standen sind verloren.
    – Der Kreis derer, die zu einem Diskurs beitragen können wird größer und auch wenn das mitunter anstrengend sein kann, kann es auch sehr befruchtend sein.
    – Ein Blog bietet eine Möglichkeit zum Networking aber auch zum Meinungsaustausch über seine akademische Sphäre hinaus, man kommt leicht mit Leuten in Kontakt.
    – @Felix: In vielem was du oben schreibst stimme ich dir voll und ganz zu. Allerdings finde ich, dass sich die Frage der Zitierbarkeit doch stellt. Blogs bieten nämlich auch die Möglichkeit, sich kleineren Sachverhalten oder Beobachtungen in einem Artikel zu widmen, die vielleicht einfach nicht umfassend genug oder ein bisschen zu randständig für die eigene Arbeit sind, um dazu gleich ein Paper oder so zu schreiben. Für andere können diese Sachverhalte aber durchaus interessant/wichtig/zitierenswert sein. Blogs können so kleine Ideen in der Realität festhalten helfen.

    Was ich mich frage, was ich dann einfach mal an euch weiterleite: Eure Fragestellung war ja: „Nutzen Sie Blogs als Informationsquelle oder als Instrument in der Lehre?“ ich habe schon öfter mal darüber nachgedacht, inwiefern Blogs sich nicht auch als Instrumente in der Lehre eigenen würden, habe dazu aber oben nichts dazu gesehen. Gab es Rücklauf in diese Richtung?
    Ich meine grundsätzlich bieten Blogs doch auch Möglichkeit zur kollaborativen Produktion von Inhalten, die am Ende nicht zwangsweise als Hausarbeit oder so in einer Schublade (bestenfalls) verschwinden, sondern öffentlich gemacht werden können. Außerdem könnte man so einen anderen Kanal des Diskurses jenseits von Seminaren oder so fördern und sich darin üben.

    Sorry für den monströs langen Kommentar, aber ich warte schon sehr lange auf einen Artikel wie diesen hier (weshalb ich schon sehr viel darüber nachgedacht und viele Gedanken dazu im Kopf habe) und bin deshalb sehr froh, dass ihr das angegangen habt und mal eine Diskussion dazu anstoßt. Weiter so!

    1. tobid001, zu deiner Frage bezüglich Blogs in der Lehre gibt’s hier einen ganz interessanten Artikel, der allerdings mehr die amerikanische Praxis abdeckt. Trotzdem interessant. Das Potential ist aber, wie ja auch in Janusz‘ Beispielen anklingt, durchaus vorhanden.

      1. tobid001 · ·

        Danke für die Antwort und den Verweis. Leider funktioniert der Link (bei mir) nicht.

      2. Danke für den Hinweis, Link sollte jetzt funktionieren

  8. @tobid001, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Antworten auf die Frage nach Blogs in der Lehre gab es auch. Hier sind sie…

    Carmen Wunderlich (HSFK): „Ich lehre nicht, insofern eine hypothetische Antwort. Ich würde meinen Studenten „gute“ Blogs empfehlen, die sie als Informationsquelle benutzen können, würde Blogs aber nicht im eigentlichen Sinne als Informationsquelle benutzen. Denkbar wäre aber z.B. eine Analyse verschiedener Blogbeiträge oder ähnliches.“

    Daniel Odinius (Uni Bamberg): „Ich nutze Blogs als Informationsquelle sowohl für meine eigene Forschung als auch für die Lehre. In der Lehre eignen sie sich als Diskussionsgrundlage für aktuelle empirische Probleme.“

    Sophia Benz (Uni Tübingen): „Ich habe im Rahmen meiner Lehre einen Blog eingesetzt, um über die Peace Boat Exkursion zu berichten (während wir auf dem Schiff waren). Als Informationsquelle nutze ich Blogs eher selten bzw. nur ergänzend. In einem Ausnahmefall habe ich einen Blog als Datenquelle genutzt. Hier ging es darum, gewaltsame Aktivitäten von v.a. nicht-staatlichen Akteuren innerhalb eines Nationalparks im Congo (dem Virunga Nationalpark) zu finden. Die Parkranger hatten in regelmässigen Abständen darüber in ihrem Blog berichtet.“

    Was sagst du dazu?🙂

    1. Mich überrascht es ein bisschen, dass Blogs nur in einem Beispiel als Instrument zur Kommunikation genutzt werden.
      Generell sehe ich da, wie gesagt, Potenzial zur internene wie zur externen Kommunikation. Ich meine, wenn in Seminaren etwas erarbeitet wird, was auch andere interessieren könnte, warum das nicht über den Kanal Blog nach außen tragen?

  9. Hinsichtlich der Zitierbarkeit von Blogeinträgen würde ich nach etwas Überlegen tatsächlich zurückrudern. Das kann schon ein Problem darstellen, da die Grenzen zwischen wissenschaftlich gehaltvollem Beitrag und Schnellschuss/Rant/Essay ja extrem fließend bzw. praktisch nicht existent sind. Es stellt sich nur die Frage, was das genaue Problem dabei eigentlich ist?

    Ist es das fehlende Peer-Review von Blogposts, das eine zweifelhafte Qualität impliziert? Ist es eine Skepsis gegenüber dem Internet als Informationsmedium als solches? Eine Anekdote aus dem weiter oben verlinkten Artikel von Drezner & Carpenter verdeutlicht die Problematik ganz anschaulich (S. 267):

    One of the authors often writes posts following piracy off the coast of Somalia. S ⁄ he follows the hyperlinks left by commenters on such posts, to keep track of who else is writing on this topic. One of these links leads to an extremely detailed, up-to-date, well-written, and researched blog on Somali piracy which s ⁄ he has never heard of and does not appear in the site’s blogroll. S ⁄ he writes to the blog administrator suggesting the site be added to the blogroll. Later in the day, she looks more closely at the piracy blog and realizes it is actually a project of an undergraduate student doing an independent study on pirates. S ⁄ he sends a second note to the blog administrator ‘‘coming clean’’ about her earlier request. S ⁄ he asks, rather sheepishly and in deference to traditional norms about who constitutes a legitimate source of knowledge, whether it might nonetheless be valuable to link to the site. The administrator concludes that there is no reason why not—the material should speak for itself.“

  10. […] ergänzen, damit aber keinen Fachaufsatz ersetzen. Laut einer aktuellen, nicht-repräsentativen Umfrage nutzen 62,5 % der Umfrageteilnehmer (Professoren, Post-Docs und nicht-promovierte Mitarbeiter aus […]

  11. Politische Blogs habe ich bisher als Informationsquelle zu gesellschaftlichen Diskursen in Ländern ohne wirkliche Pressefreiheit genutzt. Dort sind solche Blogs (und Internetforen) die einzigen Quellen zur Einschätzung von gesellschaftlichen Stimmungen und mehr oder weniger authentischen Meinungsäußerungen. Außerdem kann man dort auch Informationen schöpfen, die abseits der politischen Linie des Landes veröffentlicht werden.

  12. […] dritte Teil unserer Artikelserie „Politikwissenschaft im Web 2.0“. Der erste Teil findet sich hier. Zum zweiten Teil gelangt ihr hier. Ob der ohnehin erheblichen Länge, soll dieses kleinteiligere […]

  13. […] bisweilen angemerkt, hat es aber natürlich etwas leicht anachronistisches, über Blogs zu schreiben, ohne darüber zu […]

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