IB Online (6/9): eine kleine Netzschau [update]

In Analogie zur Netzschau der vergangenen Woche beginnt diese Ausgabe mit der Debatte um die Veröffentlichung des hetzerischen Trashfilms „The Innocence of Muslims“ und der Mohammed-Karikaturen in dem französischen Satireblatt Charlie Hebdo und der damit in Verbindung stehenden Gewalt in zahlreichen Städten weltweit. Im Anschluss geht es um den Konflikt zwischen China und Japan um unbewohnte Eilande im Ostchinesischen Meer.

Auf Kings of War findet eine lebhafte und interessante Debatte zum Für und Wider der Veröffentlichung der Karikaturen in Charlie Hebdo statt. David Ucko argumentiert, dass diese zu diesem Zeitpunkt unverantwortlich gewesen sei und letztendlich Extremisten (al-Quaida etc.) stärke, Gewalt provoziere und das Konfliktpotential erhöhe. David Betz hingegen argumentiert, dass die Veröffentlichung Ausdruck einer Meinungsfreiheit sei, die es unbedingt zu schützen gelte. Die Mohammed-Karikaturen seien außerdem höchst sinnvoll (leider ist mir nicht ganz klar wozu. Hat jemand eine Idee?). Schließlich sieht Betz in den blutigen Ausschreitungen und Anschlägen Huntingtons These vom Kampf der Kulturen bestätigt.

Stephen Walt schließt aus der aktuellen Krise dreierlei: Erstens handele es sich bei den anti-muslimischen wie den islamistischen Extremisten um ein „gefährliches Duett“, das voneinander profitiere (ein Beispiel für anti-muslimischen Extremismus findet sich auf den Seiten der New York Times). Zweitens seien die Ausschreitungen auch Ausdruck eines durch eine verfehlte US-Politik der letzten 50 Jahre heraufbeschworenen Anti-Amerikanismus. Drittens bestehe die Hoffnung, dass die Gewalt nicht den islamistischen Extremisten nütze, sondern die moderaten Kräfte stärke. Eine ähnliche Analyse bietet Joseph Young auf Political Violence @ a Glance an.

Walts dritter Punkt erscheint besonders interessant. Ein möglicher Beleg für diese These könnten die jüngsten Proteste gegen „islamistische Milizen“ im Libyschen Bengazi sein. Das Verhältnis von nicht-staatlichen Gewaltakteuren und islamistischen Extremisten betreffend sei desweiteren auf einen Artikel von Warren Marshall im Journal of Terrorism Research zur Konkurrenz von Hamas und al-Qaida im Gazastreifen und den Report über die Verhandlungsbereitschaft der Taliban und ihre Abkehr von al-Qaida aus der letzten Netzschau verwiesen. Womöglich hat sich al-Qaida in Zuge der Metamorphosen der letzten Jahre zunehmend von ehemaligen und potentiellen Mitstreitern isoliert?

China und Japan tragen zurzeit einen zwischenstaatlichen Konflikt um eine unbewohnte Inselgruppe im ostchinesischen Meer aus. Trotz einigen Säbelrasselns und gewaltsamer anti-Japanischer Proteste in China ist noch kein Schuss gefallen. Dennoch erscheint die Gefahr einer Eskalation virulent. So fragt der aktuelle Aufmacher des Economist „Could Asia really go to war over these“ und skizziert die regionale Dimension des Konflikts und Möglichkeiten der Konfliktlösung.

Einen – zugegebener Maßen etwas orthodoxen – Vorschlag zur Lösung hat Steven Walt parat: „Why doesn’t China just buy the Senkaku Islands?“. Auf sueddeutsche.de findet sich eine etwas ernstere Einschätzung des Konflikts und seines Eskalationspotentials von Stefan Kornelius.

Mit Blick auf China argumentiert Jessica Weiss auf The Monkey Cage, dass die größte Gefahr darin liege, dass die chinesische Regierung durch die Proteste unter Zugzwang gerate diese entweder brutal niederzuschlagen oder den Forderungen der Protestierenden folgend den Konflikt zu eskalieren. Dass – wen wundert‘s? – nicht alle Chinesen Japan (und seine Menschen und Produkte) verteufeln und attackieren zeigt ein wunderbares Bild auf Political Violence @ a Glance: Ein Mann hält ein Schild mit der Beschriftung „Car smashings ahead, Japanese car owners should turn back now“.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

3 Kommentare

  1. Einen interessanten Beitrag zur Debatte über die Proteste gegen das Innocence of Muslims Video gibt es bei Avaaz: http://goo.gl/2dyS3
    Der Beitrag verweist z.B. darauf, dass durch die ausführliche westliche mediale Berichterstattung die Proteste sehr stark wahrgenommen werden, während tatsächlich nur zwischen 0.001% und 0.007% der Muslime weltweit protestieren; die meißten davon friedlich. Lesenswert!

  2. empfehlenswert ist auch ein im Mai 2012 erschienenes paper aus stanford/atlanta mit dem titel „Elite Competition, Religiosity, and Anti-Americanism in the Islamic World“ zu finden unter dem Link: http://www.stanford.edu/~blaydes/AA.pdf

  3. […] weiterer Konflikt, der (hier und hier) bereits Thema im Bretterblog war und ebenfalls im Rahmen der Vollversammlung eine Rolle […]

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