IB Online (1/12): Eine kleine Netzschau

Globe | Photo by 1llustr4t0r.com (CC BY-NC-ND 2.0) via Flickr

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In der heutigen Netzschau geht es um entwicklungspolitische Fragen: Warum scheitern Staaten? Was ist eigentlich Entwicklungshilfe und wie verändert sie sich? Welche Rolle spielt die lokale Dimension für Entwicklung? Und wie kann Open Data Entwicklungspolitik verändern?

Im März dieses Jahres ist das Buch „Why Nations Fail“ von Daron Acemoglu und James Robinson erschienen. Die Kernthese des Buches lautet (sehr verkürzt): Nationen scheitern wenn sie keine inklusiven politischen Institutionen schaffen, die als Gegengewicht zu den oftmals exklusiven wirtschaftlichen Institutionen fungieren. Da Bücher in unseren Netzschauen naturgemäß wenig zu suchen haben, geht es hier zum gleichnamigen Blog, das anhand der im Buch entwickelten Theorie aktuelle Ereignisse analysiert. Nicht einverstanden mit der These der beiden Autoren ist Jeffrey Sachs, Autor von „The End of Poverty“, der auf Foreign Affairs eine Replik zu den Argumenten von Acemoglu und Robinson veröffentlicht hat, die Why Nations Fail (wieder etwas verkürzt) einen simplifizierenden Ansatz vorwirft. Nach rund zwei Monaten haben die Autoren eine ausführliche Antwort auf ihrem Blog gepostet. Die einleitenden Worte klingen nach harten Bandagen:

We said that thoughtful reviews deserve thoughtful answers. What about not-so-thoughtful ones?

Dieser zweite Austausch (hier eine erste Rezension und Antwort) schlug sich am Vorabend von Thanksgiving in einer hitzigen Twitter-Debatte „Sachs vs. Everyone“ nieder, die A View from the Cave nachgezeichnet hat. Das sah beispielsweise so aus:

Regen Austausch zu Themen der Entwicklungspolitik gibt es außerdem bei den Development Drums zum anhören. Dort finden sich inzwischen 35 Podcasts in denen Owen Barder Interviews zu spezifischen Themen der Entwicklungspolitik führt – zuletzt zum Zusammenhang zwischen Migration und Entwicklung (es gibt auch Transkripte zu den Podcasts). Wer Fragen für das nächste Interview mit Bob Geldorf vorschlagen möchte, kann dies bei Facebook tun. Interessante entwicklungspolitische Fragen werden außerdem bei den Digital Development Debates behandelt, bislang zu neun Themenkomplexen, wie zum Beispiel Sport.

Ein weiterer Austausch in der „Entwicklungs-Blogosphäre“ dreht sich um die Frage nach der Zukunft der Entwicklungshilfe. Auf dem Blog des International Institute for Environment and Development fragt Suzanne Fisher, ob Entwicklungshilfe überhaupt noch eine Zukunft habe. Die Frage, „wozu Hilfe“ ist wohl neben der Frage, was überhaupt Entwicklung ist, die Gretchenfrage der Entwicklungspolitik und ein entsprechender Dauerbrenner. Auf Bottom Up Thinking gibt es unter dem Titel „The Future of Big Aid“ eine kurze Antwort (gespickt mit weiteren Links u.a. zu Sinn und Unsinn des 0,7% Ziels) sowie die scheinbar paradoxe Beobachtung, dass

just when big Aid is enjoying some of the highest levels of political support it has ever received, the entire model is under question perhaps as never before.

Wie sich Entwicklungshilfe verändert lässt sich außerdem im View from the Cave nachlesen, wo sich ein Post zum “Changing Aid Landscape” seit dem 4. High Level Forum on Aid Effectivenes in Busan  und ein Post zur Rolle der Schwellenländer finden. Bei Poverty Matters gibt es einen Beitrag zur Frage ob und wie Länder sowohl Entwicklungshilfe erhalten als auch geben sollten.

Mit der lokalen Dimension von Entwicklung setzt sich ein rund 350 Seiten starker 500 Studien umfassender Bericht der Weltbank auseinander, der fragt, inwieweit die jüngsten Trends hin zu „participatory development“ funktionieren. Wer sich dort nicht die ausführlichen Antworten auf die Fragen nach der Effektivität, der Rolle der Zivilgesellschaft und möglicher Verbesserungsansätze in Gänze durchlesen möchte, kann entweder den Artikel des Economist „It doesn’t take a village“ oder einen Blogpost bei devex lesen.

Mit einem anderen Trend beschäftigt sich Sanjay Pradhan in seinem TedTalk, in dem er aufzeigt, wie „open data“ globale Entwicklungspolitik verändert.

TedTalk, Sanjay Pradhan: How open data is changing international aid

Das United Nations Development Programme (UNDP) hat sich ebenfalls der Offenlegung der Daten zu seinen über 6000 Entwicklungsprojekten verschrieben. Jeder der sich in Bezug auf Entwicklungspolitik für Zahlen, Graphen und Karten interessiert, ist hier richtig. Auf dem Worldbank Open Data Blog findet sich eine erste Auseinandersetzung mit der open data Website des UNDP.

Abschließend noch der Verweis auf das Projekt „Radi-Aid Africa for Norway„, das in den vergangenen Wochen viel wohlwollende Aufmerksamkeit erhalten hat. Die Idee: Afrika spendet alte Heizungen für fröstelnde Norweger. Entlang aktueller Diskussionen der Entwicklungspolitik analysieren Øyvind Eggen und Halvard Leira auf Innvikling das Projekt – Radiator Aid? No, Thanks!

Moreover, we doubt whether the Africans have sufficient knowledge of local contexts. Indeed, in Western parts of the country many Norwegians are more in need of an umbrella than a radiator during winter time.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

3 Kommentare

  1. […] einem ersten Vorschlag – ganz nah beim Thema der heutigen Netzschau – fange ich gleich mal an: der Fantasy-Autor Patrick Rothfuss veranstaltet seit ein paar […]

  2. Eine Antwort auf die Antwort auf die Antwort: Jeffrey Sachs hat auf seiner Website inzwischen eine ausführliche Antwort auf die Reaktion von Acemoglu und Robinson zu seiner Rezension von Why Nations Fail. Er setzt sich hier deutlich genauer mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Buches auseinander.

    http://jeffsachs.org/2012/12/reply-to-acemoglu-and-robinsons-response-to-my-book-review/

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