Wanted: Tool zum Sortieren und Ordnen wissenschaftlicher Literatur

Erwacht aus dem Winterschlaf (oder dem Silvesterkoma) geht es im neuen Jahr mit guten Vorsätzen und langen to-do Listen wieder frisch ans Weiterpromovieren. Damit das in diesem Jahr erfolgreicher wird als im letzten will ich hier eine kurze Anfrage in den (virtuellen) Raum setzen. Immer unter der Annahme, dass ich vielleicht nicht der einzige bin, der das Problem hat und dass die Veröffentlichung(en) von Lösungsideen an dieser Stelle auch anderen Suchenden zu Gute kommt.

Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einem geeigneten Programm, der mit ich alle gelesene Literatur sinnvoll zusammenfassen, archivieren, sortieren, und visualisieren (Tag-Clouds, Mindmaps, etc.) kann.

Das Problem ist ja, dass man im Wissenschaftsbetrieb eine Unmenge an Forschungsergebnissen in Form von Artikeln, Büchern, Kapiteln und Reports liest. Hier suche ich noch nach einer geeigneten Software-Lösung, mit der ich diese Flut an Informationen sinnvoll strukturieren und inhaltlich ordnen kann, um damit später produktiv weiterarbeiten zu können. Damit nicht jeder gelesene Artikel irgendwo im Hinterköpfchen abgespeichert wird unter: „Ja, das hab ich mal gelesen. War glaub ich ganz gut, aber so genau weiß ich das jetzt auch nicht mehr…“

Mir geht es hier nicht um ein Literaturverwaltungsprogramm. Da benutze ich bereits Zotero. Vielmehr suche ich ein Tool, mit dem ich folgende Angaben (und evtl. andere, selbst zu definierende) erfassen und inhaltlich & visuell ordnen kann:

  • Autor
  • Jahr
  • Titel
  • (kurze) Zusammenfassung
  • eigene Bewertung / Stellungnahme / Kritik
  • Einordnung zu theoretischem Feld
  • Relevanz (z.B. Klassiker/hoch/mittel/gähn)
  • Tags

Ich weiß das viele Literaturmanager die Möglichkeit bieten, diese Angaben mit aufzunehmen bzw. diese automatisch erfassen. Aber wo diese oft scheitern ist bei der Weiterverarbeitung bzw. der inhaltlichen Organisation der Titel. Ich würde gerne auf einen Blick sehen können welches Thema die jeweilige Literatur behandelt; ich möchte Titel visuell um Themen/Thesen/Konzepte gruppieren können (evtl. über Tag-Clouds, aber eine manuelle Zuordnung wäre auch schick). Damit dann am Ende so was entsteht wie eine virtuelle Wand an Post-Its, bei der einzelne Post-Its einen Literatureintrag repräsentieren.

Wichtig ist mir vor allem, dass ich zu jedem gelesenen Artikel/Kapitel/Buch eine kurze Reaktion verfassen kann, es in Kategorien packen kann, um es später schneller wieder einordnen zu können (Worum geht es? Wo ist der Titel theoretisch/empirisch einzuordnen? Was hab ich beim Lesen darüber gedacht? Was fand ich gut, was nicht?). Das hilft dann natürlich beim Verfassen des Literature Reviews in der Diss (vermute ich).

Momentan nutze ich dafür noch eine Tabelle in einer Word-Datei. Aber abgesehen davon, dass Tabellen in Word-Dateien im Allgemeinen ziemlich abscheulich sind, ist das speziell für mein Problem keine Lösung.

Citavi hat theoretisch all die genannten Features. Aber es überzeugt mich nicht ganz, da ich die Bedienungsführung im Wissenschaftsmanagement-Teil der Software nicht so gut gelungen finde. Außerdem kann ich es bei uns im Büro nicht verwenden. Evernote könnte evtl. so was auch, aber da hakt whs. die Integration mit der Literaturverwaltung. Aber ich hätte gerne eine Lösung, die Literaturverwaltung und inhaltliche Organisation des Gelesenen organisch und bedienungsfreundlich zusammenführt.

Also. Falls hier einer von euch für sich eine gute Lösung gefunden hat (bin auch an kreativen Mashups mehrerer Tools interessiert), immer rein mit Tipps und Hinweisen unten in die Comments! Danke.

10 Kommentare

  1. Hast Du Mal Mendeley ausprobiert? http://www.mendeley.com/

  2. Igor Fayler · · Antworten

    Vielleicht ist der Zettelkasten etwas für dich: http://zettelkasten.danielluedecke.de/

  3. Stefan Müller · · Antworten

    In Kombination mit dem Open-Source-Texsatzprogramm LaTeX, das typographisch hervorragende Dokumente liefert, leisten Jabref (http://jabref.sourceforge.net/) oder Bibdesk (für Mac) sehr gute Dienste.
    Bestimmte Listen oder die gesamte Bibliothek können mit wenigen Klicks in ein Word-Dokument umgewandelt werden, um bestimmte Literaturverzeichnisse weiterzugeben. Die direkte Integration von Jabref und Word lässt allerdings zu Wünschen übrig.

    Mit ein wenig Einarbeitung kann man Jabref-Dateien außerdem mit der Freeware Zettelkasten (http://zettelkasten.danielluedecke.de/) kombinieren, die nach dem von Niklas Luhmann entwickelten Konzept Literatur verknüpft und vernetzt.

  4. super, vielen dank an alle für die bisher gegebenen tipps. ich klicke mich gerade schon durch die seiten und tutorials. hier und in felix älterem post zum effizienten arbeiten im netz (http://bit.ly/RFNLmN)

  5. Citavi kann zwar nicht visualisieren, aber es hat das mit Abstand beste Wissensmanagement (Zitate, Zusammenfassungen oder Kritikpunkte zu Beiträgen können einzeln gespeichert, mit Stichworten getagt und in Kategorien sortiert werden). Zotero, Mendeley, Endnote etc. sind da meilenweit zurück. Zettelkasten etc. sind ganz gut fürs Wissensmanagement, dafür funktioniert die Literaturverwaltung nicht besonders gut.

    Ein spannender Ansatz für die automatische Auswertung von PDF-Dateien einschließlich Visualisierung von Inhalten, wechselseitigen Zitaten, etc. ist qiqqa (www.qiqqa.com). Allerdings ist das Programm noch in der Entwicklung, oft instabil, die Literaturverwaltung funktioniert nur ansatzweise und das Programm wird bei großen PDF-Mengen ziemlich langsam. In Verbindung mit Citavi (man kann die gesamte Citavi-Bibliothek einschließlich Pfadangaben zu den PDF-Dateien relativ einfach im bibtex Format importieren) kann man es aber jetzt schon ausprobieren.

  6. Ich würde mir mal http://www.docear.org/ anschauen, das hat eine Organisationskomponente

  7. Docear ist noch ein relativ unbekannter aber interessanter Mitspieler:
    URL: http://www.docear.org/
    Teaser: http://youtu.be/ijU5BbbrZ_Y

    Baut wohl auf JabRef auf, bietet aber noch verschiedene Wissen-Management-Tools. Ist aber relativ neu, als ich es vor nem halben Jahr probiert habe, da hatte es mir nicht so gut gefallen.

  8. Hallo! Gemessen an den formulierten Anforderungen erscheint mir das (bereits erwähnte) Literaturverwaltungsstool Zotero (http://zotero.org) die naheliegenste Variente zu sein. Es bietet mit Tagging, Notizfunktionen und der Möglichkeit des Setzens von Querverbindungen zwischen Literatureinträgen eine Reihe von sinnvollen Features zur individuellen Literaturorganisation. (Zu den ausgefeilten Elementen zur Wissensorganisation von Citavi oder ambitionierten MindMap-Features bei Docear und Qiqqa ist es natürlich kein Vergleich). Visualisierungen sind zudem mit dem sogenannten Zeitstrahl (out of the box) oder mit der Installation des AddOns Paper Machines (https://github.com/chrisjr/papermachines) möglich. Ansonsten helfen bei der Auswahl möglicherweise überblicksartige Softwarevergleiche. Eine Zusammenstellung: http://literaturverwaltung.wordpress.com/vergleich-literaturverwaltungssoftware/
    Viel Erfolg!

  9. @all: nochmal vielen Dank für die ganzen Hinweise! Ich werde die einzelnen Tipps durchgehen und austesten. Insbesondere Docea und Qiqqa kannte ich noch nicht.

  10. Wenn etwas Eigenwerbung gestattet ist, aber vielleicht passt es ja:
    http://strengejacke.wordpress.com/2011/06/15/vom-zettel-zum-text/
    Unter 4. wird die Gliederungs-/Schreibtischfunktion erwähnt, die im Ansatz so etwas umsetzen will, allerdings weniger mit grafischen Elementen. Dazu kommt, dass der Zettelkasten insgesamt natürlich auch diese „Querverweise“ unterstützt und der Schreibtisch letztlich den letzten Schritt in der Textproduktion darstellen kann.

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