IB Online (2/1): Eine kleine Netzschau

In der heutigen Netzschau haben wir Links über die Folgen der Vergewaltigung der indischen Medizinstudentin, den Auswirkungen der südkoreanischen Wahl sowie Venezuelas kranken Staatschef gesammelt.

(Nicht nur) Indien und sexualisierte Gewalt gegen Frauen

Die Vergewaltigung einer jungen Frau im indischen Delhi kurz vor Jahresende hat Indien und die Welt aufgeschreckt: auf einmal wird die Situation von Frauen in Indien thematisiert und kritisiert. In deutschen Medien wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder auf Spiegel Online ist das Augenmerk auf das „Elend und die Verkommenheit“ (FAZ) der indischen Geschlechterverhältnisse gerichtet. Isobel Coleman vom Council on Foreign Relations erklärt in einem kurzen Clip drei Dinge über Gewalt gegen Frauen in Indien:

Derweil wird darüber spekuliert (unter anderem im Christian Science Monitor), ob und wenn ja, welche Folgen dieser Fall für die Verfolgung (sexueller) Gewalt gegen Frauen haben wird. Tausende demonstrieren in Indien, trotz harten Vorgehens der Polizei gegenüber diesem politischen Aktivismus.

Der Fall in Indien hat nun auch dazu geführt, dass Geschlechterverhältnisse und sexualisierte Gewalt wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden sind: so gibt es auf Inner City Press einen Beitrag zu Vergewaltigungen in Flüchtlingslagern der UNO und deren (Nicht-)Aufklärung durch das UN Department of Peacekeeping Operation; die Duck of Minerva hat einen interessanten Beitrag dazu geschrieben, was die Benutzung des Begriffs „peaceful death“ in diesem Falle bewirkt; und auf Publikative.org gibt es einen sehr empfehlenswerten Beitrag zu den neo-kolonialen Untertönen in der (deutschen) Berichterstattung, die beispielsweise in der „Causa van der Vaart“ (ein niederländischer Fußballspieler, der seine Frau geschlagen/gestoßen haben soll) ganz andere Bewertungsmaßstäbe anlege als in den Berichten zur Situation in Indien. Dabei ist der Bericht nicht relativierend, sondern schärft den Blick auf viele Arten der Gewalt gegen Frauen (ähnlich dazu auch der Beitrag auf claire grauer). Ebenso passt eine Analyse des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, die auf ihrem Blog die Darstellung mächtiger Frauen in Fernsehserien thematisieren. Ihr Ergebnis: zwar machen Frauenfiguren heutzutage eher Karriere als zum Beispiel noch in den 90ern, müssen dafür aber meist privates Glück und die Familie hintanstellen.

A Tale of Two Koreas

Südkorea hat am 19.12.2012 gewählt – zur Wahl der neuen Premierministerin Park Geun-hye hat die Duck of Minerva eine kleine Einschätzung für die interessierte Leserin bereit. Wie sich die neue Premierministerin zum nördlichen Nachbarn positionieren wird, hat das ISN Blog beschrieben. Der Artikel widmet sich im Speziellen der „Northern Limit Line (NLL)“ und schlägt einen geduldigen Umgang mit Nordkorea vor (eine Richtung, die auch die südkoreanische Korea Joongang Daily empfiehlt). Ganz anders ein Beitrag auf ForeignPolicy.com: Nordkorea müsse, so die Autoren Joshua Stanton und Sung-Yoon Lee, Bankrott gemacht werden („play hardball with North Korea’s new leader“). Dies sei, vor allem nach dem neuerlichen Provokationsakt des Raketentests, dringend geboten. Wenigstens wurde schon einmal klar gestellt, dass Nordkorea nicht an Einhörner glaubt…

Venezuelas kranker Präsident

Hugo Chavez wird derzeit auf Kuba wieder wegen seiner Krebserkrankung behandelt, und konnte dadurch nicht an seiner eigentlich geplanten Vereidigung als venezolanischer Staatschef teilnehmen. Soweit, so bekannt. Weniger bekannt dürfte sein, dass Chavez mutmaßt, seine Erkrankung ginge auf Aktionen der CIA zurück, die in den 40er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Krebs gegen politische Gegner eingesetzt hätte. Auf Foreignaffairs.com gibt es derweil ebenfalls Spekulatives, wenn auch weniger abenteuerlich (leider nur mit Registrierung komplett lesbar): Javier Corrales zeigt, was Chavez‘ Nachfolger zu beachten haben werden, wenn Hugo Chavez kurz- oder mittelfristig abtreten wird. Ebenfalls dazu gibt es einen Artikel auf ForeignPolicy.com. Es steht zu befürchten, dass es zu Diadochenkämpfen kommen könnte, da sich schon jetzt zwei rivalisierende Fraktionen gegenüberstehen. Chavez selbst favorisiere hierbei die sozialistische Fraktion unter Nicolás Maduro, die Kuba nahesteht.

Abschließend hier noch ein Hinweis auf einen sehr lesenswerten Beitrag zur Wahl in Jordanien, den der SIPO-Blog veröffentlicht hat. Diese Einschätzung zur Wahl ist besonders interessant, da Länder wie Jordanien doch oftmals außerhalb der normalen Aufmerksamkeitsökonomie liegen.

Die Netzschau dieser Woche soll mit einer Erinnerung an Aaaron Schwartz enden: er erhängte sich am 11.01.2013 in seiner Wohnung in New York City. Schwartz, einer der Erfinder von rss-feeds, reddit und den Creative Commons Lizenzen, galt als einer der bekanntesten „hacktivists“ und Verfechter eines freien Internets. Ganz diesem Ideal folgend hackte er die wissenschaftliche Datenbank JSTOR.org und stellte diese Artikel kostenlos ins Netz. Daraufhin wurde er angeklagt – es erwartete ihn ein Prozess, an dessen Ende er im schlimmsten Falle für bis zu 30 Jahre ins Gefängnis hätte gehen müssen. Diese Aussicht auf eine hohe Haftstrafe war wohl ein Grund dafür, dass Schwartz Depressionen bekam und sich schließlich das Leben nahm. Ein Nachruf für Aaron Schwartz findet sich unter anderem auf Wired.com.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

One comment

  1. Kurze Berichtigung: Laut Nachruf in der New York Times (http://nyti.ms/SsBI1d) hat Aaron Swartz bereits 2007 öffentlich über seine Depression geschrieben. Er kann also nicht wegen der MIT/JStor-Ermittlungen an Depressionen erkrankt sein, dieser Vorfall war erst 2011.

    Ich bitte, den Fehler zu entschuldigen.

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