IB Online (4/3): Eine kleine Netzschau

In der ersten Netzschau im „Frühling“ geht es um den 10ten Jahrestag der US-geführten Invasion des Irak, Rückblicke und Bewertungen der Wahlen in Kenia, Bosco Ntaganda und den ICC sowie den weltweiten Waffenhandel. Außerdem gibt es etwas aus der Fantasy & IB Ecke…

10 Jahre Irakkrieg

Am 20. März hat sich der Beginn des Irakkriegs zum zehnten Mal gejährt. Grund genug für Medien (z.B. CNN), Akademia (z.B. das National Security Archive) und natürlich die Blogosphäre auf die Invasion, die mit der Eroberung Bagdads am 1. Mai offiziell endete, und die anschließende Besetzung des Irak bis zur Situation heute (zurück) zu blicken. Zum Einstieg ein Video: Mit den nationalen, regionalen und internationalen Folgen beschäftigt sich diese Inside Story von alJazeera:

AlJazeera, Inside Story: Iraq – Ten years after the invasion

Interessante Infos verbergen sich hinter den folgenden Links: Eine detaillierte Zeitleiste hält das Council on Foreign Relations bereit, das Projekt Iraq Body Count hat die zivilen Opfer des Kriegs dokumentiert und ein Forschungsprojekt an der Brown University hat die Kosten des Krieges in unterschiedlichen Dimensionen zusammengetragen.

Jenseits der harten Fakten finden sich zahlreiche Artikelsammlungen und Leselisten: so z.B. auf der Website von Foreign Affairs das Artikel-Dossier Iraq in Retrospect – Requiem for a Nightmare, in dem sich die einschlägigen Artikel der vergangenen 10 Jahre finden. Das LSE Review of Books hat eine Leseliste mit den 10 besten Büchern zum Thema zusammengetragen und für den New Yorker hat Joshua Rothman die Artikel und Debatten, die in dem Magazin zum Irakkrieg in den letzten 10 Jahren veröffentlich wurden, kommentiert.

By Shane Heiser, U.S. Air Force [Public domain], via Wikimedia Commons

By Shane Heiser, U.S. Air Force [Public domain], via Wikimedia Commons

Es gibt aber natürlich auch viele aktuelle Bewertungen und Analysen: Robert Kelly hinterfragt auf seinem Asian Security Blog die Rolle der Internationalen Beziehungen als wissenschaftliche Disziplin in Bezug auf den Irakkrieg. Im zweiten Teil seines Rückblicks bei Duck of Minerva geht Kelly näher auf die theoretischen Hintergründe der neokonservativen Agenda ein, die maßgeblich zur Rechtfertigung des Krieges beigetragen haben (dazu auch die Replik von Conor Friedersdorf im Atlantic auf Bill Kristol im Weekly Standard). Bei Duck of Minerva (der Blog wurde übrigens kurz nach Beginn des Krieges ins Leben gerufen) finden sich außerdem alte und neue (hier und hier) Beiträge zur Begründung des Krieges. Bei Political Violence @ a Glance setzt sich Steve Saidman mit den Lehren des Krieges auseinander und Max Boot diskutiert im Commentary Magazin die Zukunft des Nation-Building im Lichte des Irakkriegs. Die Bewertung des Krieges von Peter van Buren in der englischen Ausgabe der Le Monde diplomatique fällt eindeutig aus: Mission unaccomplished. Why the invasion of Iraq was the single worst foreign policy decision in American history. „Was wäre wenn?“ Eine kontrafaktische Analyse, was passiert wäre, wenn der Irakkrieg nicht geführt worden wäre, hat Micheal Ware für den Interpreter des Lowy Institute for International Policy geschrieben.

Mit der Situation im Land heute und den schleichenden autoritären Tendenzen im Irak beschäftigt sich Human Rights Watch. In diese Richtung geht auch ein Beitrag bei Foreign Policy, der bemängelt, dass die aktuelle Debatte an der Situation im Land und den IrakerInnen selbst vorbeigehe. Einen multimedialen Überblick, der versucht diese Lücke in der Berichterstattung auszufüllen, liefert Arte: Das Projekt Irak – 10 Jahre, 100 Blicke „kommentiert aus der Sicht von Irakern und internationalen Augenzeugen auf einer täglich aktualisierten Webdokumentation bis zum 1. Mai – der Tag, an dem George Bush das Ende der Kämpfe erklärte“. Das „Mosaik“ aus schließlich 100 ganz unterschiedlichen Beiträgen ist mehr als einen Klick wert! Wer sich für die Rolle von Journalisten im Irakkrieg interessiert sei schließlich auf das Journalist Security Blog des Committee to Protect Journalists verwiesen, auf dem sich Frank Smyth mit den Opfern des Krieges unter den Journalisten auseinandersetzt.

Nachbetrachtungen zu den Wahlen in Kenia

Im Vorfeld der Wahlen in Kenia hatte ich schon einige Links gesammelt. Daher heute nun ein paar Links zu Nachbetrachtungen und Bewertungen der Wahlen. Ken Opala hat eine Bericht zu den Wahlen beim Monkey Cage veröffentlicht und auf seinem eigenen Blog noch viele weitere lesenswerte Posts. Eine ausführliche Analyse von Solomon Ayele Dersso findet sich auch auf AllAfrica. Jay Ulfelder fragt im Dart-Throwing Chimp, ob der weitgehend friedliche Verlauf der Wahlen der guten Vorbeugung oder eine Überreaktion im Vorfeld der Wahlen geschuldet ist. Mit dem friedlichen Verlauf der Wahlen und deren Implikationen für Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit beschäftigen sich außerdem das Transitions-Blog (hier und hier) des Foreign Policy Democracy Lab (hier).

Bosco Ntaganda stellt sich dem ICC

Am 18. März 2013 hat sich Bosco Ntaganda der us-amerikanischen Botschaft in Ruandas Hauptstadt Kigali gestellt. Der Milizenführer, der sich selbst „Terminator“ nennt wird vom ICC wegen Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo gesucht (zu den Vorwürfen Diane Marie Amann auf ihrem Blog). Mark Kersten hat sich in zwei Blogpost auf Justice in Conflict der überraschenden Aufgabe und der (möglichen) Rolle Ruandas beschäftigt. Für Jason Stearns stellen sich ebenfalls zahlreiche Fragen, die er versucht auf Congo Siasa zu beantworten. Inzwischen wurde Ntaganda dem ICC in Den Haag überstellt (auch dazu Justice in Conflict). Über die Gründe für seine Aufgabe nach über zehn Jahren spekuliert David Barouski auf seinem Blog Political Musing. Ein lesenswerter Hintergrundbericht zu Ntaganda findet sich in Böhms Logbuch, Angelo Opi-aiya Izama berichtet auf seinem Blog über die Pläne ein Interview mit Ntaganda zu führen und David Bosco hat auf dem Multilateralist die kommentiert.

Neue Verhandlungsrunde zum Arms Trade Treaty

Photo by Oxfam International (CC BY-NC-ND 2.0) via flickr

Photo by Oxfam International (CC BY-NC-ND 2.0) via flickr

In New York hat in der vergangenen Woche eine neue Verhandlungsrunde zum Arms Trade Treaty begonnen (zur ersten Runde Gregors Post). Über diesen erneuten Versuch berichtet z.B. PassBlue (der letzte Draft vom Freitag findet sich hier) und Amnesty International analysiert im LiveWire die Fortschritte und Hindernisse während der Verhandlungen. Eine „afrikanische Perspektive“ liefert ThinkAfricaPress in dem Artikel The Arms Trade Treaty: In Search of a Silver Bullet. Passend zu den Verhandlungen hat das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) seinen jährlichen Bericht zum weltweiten Waffenhandel veröffentlicht (hier geht’s zur SIPRI Datenbank), der in den Medien u.a. wegen der wachsenden Rolle Chinas Aufmerksamkeit erlang hat. Einen Hintergrundbericht hat die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht und der Small Arms Survey beschäftigt sich mit bewaffneter Gewalt weltweit – auch jenseits der großen Konflikte – in einem Podcast. Nichts Neues ist die Tatsache, dass Deutschland zu den Top-5 der Waffenexporteure gehört und nicht selten sind die Exporte durchaus umstritten. Mit der intransparenten Praxis des Bundessicherheitsrats setzt sich Oliver Daum im sehr interessanten Blog Junge Wissenschaft im öffentlichen Recht auseinander.

Nachdem sich Felix hier bei uns auf dem Bretterblog bereits mit Sci Fi & Fantasy Geeks in den Sozialwissenschaften, virtuellen Welten und IB-Theorien und dem Agent-Structure-Problem anhand von amerikanischen TV-Serien beschäftigt hat, soll zum Abschluss der Hinweis auf einen Beitrag bei e-IR nicht fehlen, der sich mit der Fantasy-Serie Game of Thrones (Adaption der Fantasy-Reihe Das Lied von Eis und Feuer) und den Internationalen Beziehungen auseinandersetzt.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

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