IB Online (2/4) Eine kleine Netzschau

Der Frühling ist da! Eine neue Netzschau ebenfalls. Diese Woche geht es um Wetter, Konflikte und Kriege, die Krise um Nordkorea und die Verbreitung politikwissenschaftlicher Forschungsergebnisse.

Nach Monaten der endlos erscheinenden Schnee– und Eiszeit ist nun endlich der Frühling ausgebrochen. Ich habe mal gegoogelt und zwei der wichtigsten Recherchedatenbanken (worldcat und IREON) im Bereich der Internationalen Beziehungen (IB) nach dem Wetter befragt. Das Ergebnis: Das Thema spielt auch hier eine recht prominente Rolle – vor allem der Regen und der Klimawandel:

In einem viel beachteten, innovativen Papier von 2004 beispielsweise haben Miguel et al. versucht, den Zusammenhang von wirtschaftlicher Entwicklung und dem Ausbruch von innerstaatlichen, gewaltsamen Konflikten mittels des Faktors „Regenfall“ zu ermitteln. Auf den Punkt gebracht: Vor allem ausbleibender Regen korreliert mit dem Ausbruch gewaltsamer Konflikte (eine methodologische Kritik von Jensen/Gleditsch findet ihr hier). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt ein Papier von Hendrix und Salehyan, das Teil eines Special Issue des Journal of Peace Research zum Thema Klimawandel und Konflikt ist.

Unbestritten ist, dass Wasser Konfliktstoff heutiger und zukünftiger sozialer Konflikte sein kann. Dass aber die These von Kriegen um Wasser wenig plausibel ist, zeigt die folgende, etwas ältere Ausgabe der leider nicht mehr ausgestrahlten ARTE-Sendung Mit offenen Karten. Ganz anders als manch sensationslüsterne Sendung über das „Wetter als Waffe“, kommt dieses Format ganz ohne Endzeitstimmung aus:

Arte, Mit offenen Karten: Der Krieg um Wasser findet nicht statt (1/2)

Wetter hat aber nicht nur Einfluss auf Entwicklung und Konflikte. Alexander Cohen hat in seiner Dissertation versucht in einer statistischen Analyse den Einfluss des Wetters auf die Beliebtheit des US-Präsidenten, auf gesellschaftliches Engagement (Sozialkapital) sowie das Wahlverhalten zu ermitteln. Auf den Punkt gebracht: Präsidenten sind besonders beliebt, wenn die Sonne scheint und Regen beeinflusst das Wahlverhalten weniger vermögender Wähler in negativem Maße. Gasper und Reeves haben sich 2011 ebenfalls dem Zusammenhang von Wetterphänomenen, politischem Handeln und Wahlverhalten in den USA gewidmet. Doch nun genug vom Wetter und zurück zu aktuellen politischen Kapriolen.

Der Konflikt um Nordkorea scheint zurzeit – nach Jahren der so genannten „sunshine policy“ – stetig zu eskalieren. Wie zuletzt dominiert das Thema auch diese Woche weite Teile der IB-Blogosphäre und der Medien. Besonders lesenswert finde ich zwei Beiträge des Korea-Experten Robert Kelly. Während er auf The Diplomat mit Blick auf Nord- und Südkorea sowie die Rolle der Medien (dazu siehe auch ein Beitrag im Nuclear Diner) informiert und überzeugend argumentiert, dass und warum es zu keinem Krieg kommen wird, räsoniert er im Asian Security Blog über einen theoretisch möglichen, aber praktisch sehr unwahrscheinlichen Eskalationsmechanismus, der der Rolle Japans Rechnung trägt. Dass es in Japan eine gewisse Anspannung ob der Nordkoreakrise gibt, zeigt die Aufregung um einen versehentlichen Tweet der Stadtverwaltung Yokohamas. Wie Kelly und mit Blick auf die Theorien der IB konstatiert auch Robert Murray auf e-ir, dass eine Eskalation hin zum Krieg sehr unwahrscheinlich ist.

Ein potentieller Grund für die Eskalation könnte der Versuch des Machterhalts von Kim Jong Un gegenüber Teilen des Militärs sein. Nach Mark Barry im World Policy Blog ist der Nährboden der aktuellen Krise das Fehlen eines koreanischen Friedensvertrages. Ein solcher hätte daher das Potential den Konflikt beizulegen.

Konfliktpotential hingegen hätte die Fähigkeit Nordkoreas mit atomaren Sprengköpfen ausgerüstete ballistische Raketen abzufeuern. Trotz der Warnung von Experten, es handele sich um bloße Spekulationen, gründet manch einer sein Argument auf dieser unsicheren und von US-Regierungsseite nicht bestätigten Annahme. Jeremi Suri, Professor für Geschichte an der University of Texas – Austin, propagiert, die USA sollten mittels eines pre-emptiven Schlages die nordkoreanischen Trägerraketen zerstören. Dies löse die Krise und beruhige die Lage (eine scharfe Kritik dieses Arguments findet sich bei den Kings of War). Ähnlich problematisch (und ineffektiv), aber sicher nicht exklusiv ist die Forderung William Beechers im World Policy Blog, die USA mögen doch taktische Nuklearwaffen in Südkorea stationieren. Das Ziel sei, Nordkorea abzuschrecken und der drohenden Proliferation von Atomwaffen in der Region vorzubeugen.

Interessant ist abschließend auch folgender Beitrag von Ho Il Moon. Es heißt immer wieder, Nordkorea habe mit mehr als einer Millionen Soldatinnen und Soldaten die viertgrößte Armee der Welt. Ob dem wirklich so ist, weiß aber niemand. Moon kommt nach Analyse offizieller Verlautbarungen der Bevölkerungszahlen auf eine deutlich geringere Zahl.

Mein Eindruck ist, dass die wissenschaftlichen Beobachter (mit Ausnahme von Suri und Beecher) besonnener argumentieren als andere „Experten“ und Journalisten, die Standpunkte der letzteren aber überwiegen. Liegt das Problem in dem Unwissen über Forschungsergebnisse und Theorien der Politikwissenschaft? Auf The Monkey Cage habe ich eine Idee gefunden, wie man diese besser einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen könnte. Eine andere Idee lässt sich vielleicht aus einem Blogpost der FAZ ableiten: Demnach könnte die Förderung bildungsferner Professoren und sonstiger Lehrenden, die Begeisterung für Politikwissenschaft auch in „bildungsfernen“ Schichten fördern. So oder so ähnlich… Naja, ich vermute, das ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Und ich befürchte, Prof. Vaubel wollte sich (eigentlich) keinen Scherz erlauben.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: