IB Online (1/5): Eine kleine Netzschau

Was gab die IB-Blogosphäre letzte Woche her? Wir starten mit dem Thema Terrorismus, Diffamierung und Politik,  gehen über zu Syrien, chemischen Waffen und Interventionen, schauen auf die neue Debatte der Resilienz in der Sicherheits- und Entwicklungspolitik und schließen mit Lese- und Sehempfehlungen für freie Zeiten.

Doch halt! Eine kleine Vorbemerkung: Ich bin auf der Suche nach neuen Weblogs aus den Bereichen Sicherheitpolitik, politische Gewalt und EZ, aber vor allem anderen neuen Themen: Bildung, Netzthemen, ….Also, wenn ihr ein gutes Blog kennt, postet es gerne in die Kommentare. Wir nehmen es dann auch in die Blogroll auf, so dass alle etwas davon haben. Ok, jetzt aber…

Terrorismus ist bekanntlich weniger ein präziser, analytischer und unumstrittener Begriff. Ganz im Gegenteil gilt er als grundsätzlich umstritten (Beitrag von Christopher Daase), wird selten definiert, dient meist als politischer Kampfbegriff (Informationen von Jochen Hippler) und wird vorschnell für alles Mögliche verwendet. Zu beobachten war dies zuletzt in den Tagen nach den Attentaten von Boston, als bereits von Terrorismus gesprochen wurde, als es noch keine echten Anzeichen (auf Salon.com mit vielen weiterführenden Links) dafür gab und sich wiederholt der Verdacht aufdrängte, dass der Begriff im Sinne von „Gewalt von Muslimen gegen Nicht-Muslime“ verwendet wurde. Problematisch war überdies, dass nach Bekanntwerden, dass es sich bei den Tätern nicht um dunkelhäutige Männer, sondern um Tschetschenen handelte, die Ethnizität – über die Religion hinaus – umgehend das dominante Erklärungsmuster wurde (zur Problematik des „racial profiling“). Ein weiterer sehr lesenswerter Beitrag findet sich ericgarland.co: Der gleichnamige Autor dreht die Berichterstattung einfach um und lässt über eine Gewalttat in den USA berichten, in einer Weise wie sonst nur über Afghanistan, Jemen oder Irak geschrieben wird. Passt ganz gut!

Eine anders gelagerte, aber ebenfalls problematische Debatte hat sich in den vergangenen zwei Wochen in den Blogs von Zeit Online abgespielt: Ausgehend von dem emotionalen Ausbruch des Journalisten Jörg Lau, er habe „es satt“ sich mit Terroristen zu beschäftigen, und einer Replik, dies sei aber nötig, dreht sie sich um das Für und Wider und Warum (nicht) des Verstehens terroristischer Gewalt und ihrer Täter. In den nächsten Tagen wird hier im Bretterblog eine Replik auf die beiden Beiträge erscheinen.

Der internationalisierte Bürgerkrieg in Syrien steht zurzeit wieder ganz oben auf der Agenda der IB-Blogosphäre. Ein Grund sind die am Wochenende erfolgten Luftangriffe Israels auf Ziele in Syrien. Ein anderer Grund sind Befürchtungen/Berichte, dass die syrische Armee chemische Waffen einsetzen würde. Mittlerweile erwägt die US-Regierung syrische Aufständische mit Waffen auszurüsten, steht einer militärischen Intervention aber weiterhin ablehnend gegenüber. Für ein stärkeres militärisches Engagement der USA sprechen sich Anne-Marie Slaughter in der Washington Post sowie Lionel Beehner im The Smoke-Filled Room aus, während Steven Walt vehement gegen Interventionsbefürworter in Presse und Academia argumentiert. Eine besonders lesenswerte und interventionskritische Replik auf Slaughter von Uditinder Thakur findet sich im sehr guten Weblog Abu Muqawama.

Themawechsel. Ohne große Inhaltsangabe sei desweiteren auf die Beitragsreihe zu Resilienz in der Sicherheitsforschung verwiesen, die zurzeit im Sicherheitspolitik-Blog läuft. Resilienz ist eines der Buzz-Wörter nicht nur in der Sicherheitspolitik, sondern auch der Entwicklungszusammenarbeit. Ist jemand auf der Suche nach einer policy-nahen Master- oder ph.D-Arbeit? Dann ist das dein Thema.

Wer den donnerstäglichen Feiertag oder das kommende Wochenende noch nicht durchgeplant und daher Zeit und Muße für einen guten Film oder ein gutes Buch hat, für die/den habe ich noch etwas zu Abschluss. Ich bin in letzter Zeit auf einem Politik-Filmtrip. Nach u.a. „The Weather Underground“ und „The Battle of Algiers“ habe ich mir gestern den Spielfilm „Rosa Luxemburg“ nach langer Zeit mal wieder angeschaut (lässt sich leider nicht einbetten). Man braucht einen Moment bis man drin ist, aber dann ist er absolut sehenswert! Für alle Bücherliebhaber und Politikwissenschaftsinteressierten sei desweiteren erstens die kommentierte Leseempfehlungsliste auf Mobilizing Ideas mit recht unterschiedlichen Büchern aus dem Bereich Soziale Bewegungs- sowie Protestforschung und zweitens eine thematisch breitere Liste der „must-reads“ für Studierende der Politikwissenschaft (+ zwei Filme) auf Duck of Minerva empfohlen. Das gilt natürlich für alle die dem akademischen Betrieb den Rücken gekehrt oder ihn nie von innen gesehen haben.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

2 Kommentare

  1. Gregor Reisch · · Antworten

    Ganz frisch gestartet => Blog der AK Gewaltordnungen der DVPW: http://gewo.hypotheses.org/

    1. danke für den hinweis, wir sind gespannt!

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