IB Online (2/5): Eine kleine Netzschau

Diese Woche haben wir für Euch Links zu den Wahlen in Pakistan, zur Zukunft der Energie sowie einem fast vergessenen Konflikt herausgesucht. Viel Spaß beim Lesen!

In Pakistan wurde am 11.5. gewählt – und die konservative Muslimliga unter Nawaz Sharif hat nach ersten Angaben einen triumphalen Sieg eingefahren (genauere Zahlen gibt es hier). Auch am Tag der Wahlen war es wieder zu Gewalt gekommen: in Karachi wurden 11 Menschen durch Bomben getötet, ungefähr 40 weitere verletzt. Die Anschläge werden der pakistanischen Taliban zugeschrieben, die Wahlprozedere als “un-islamisch” und “verwestlicht” nennen (hier findet sich ein interessanter Kommentar zur Gewalt im Wahlkampf). Nichtsdestotrotz haben fast 60% aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben: trotz der Ankündigungen der Taliban, nach einem blutigen Wahlkampf auch am Wahltag selbst Anschläge zu verüben.

Webpage: http://www.flickr.com/photos/jzakariya/2077428311/ // Author Jawad Zakariya

Webpage: http://www.flickr.com/photos/jzakariya/2077428311/ // Author Jawad Zakariya

Dies ist die erste demokratisch legitimierte Ablösung einer vorher gewählten Regierung in der Geschichte Pakistans: Zuvor haben sich immer wieder die Militärs eingeschaltet und Übergangs- bzw. Militärdiktaturen gebildet. Zweitstärkste Kraft im pakistanischen Parlament wurde die Partei „Movement for Justice“ des pakistanischen Sporthelden Imran Khan. Vor allem junge Leute setzen ihre Hoffnungen in den charismatischen Khan, der letzte Woche bei einer Wahlkampfveranstaltung verunglückte und im Krankenhaus liegt. Ob sich die Situation in Pakistan verbessern wird, muss sich noch zeigen: So unkt die amerikanische Heritage Foundation, dass die Gewinner der Wahl vor allem die Terroristen seien. Einig sind sich auf jeden Fall die meisten Kommentatoren: Die Wahl in Pakistan wird wegweisend sein für die demokratische Zukunft des Landes.

Unsere Kollegen vom IR Blog haben es schon aufgegriffen und da ich den Artikel sehr spannend fand, lege auch ich Euch den Link zu Charles Manns Artikel zur Zukunft der Energieversorgung ans Herz: „What if we never run out of oil?“ Er stellt hier Thesen und Argumente zusammen, wie und ob wir (also vor allem die USA) jemals ohne Öl dastehen werden. Ein zwar sehr langer, aber sehr lohnenswerter Überblick dieses Themas. Auf The Atlantic selbst gibt es auch einen Debattenraum zum Thema (weitere Artikel sind auch hier verlinkt).

Kritik am Text ließ natürlich nicht lange auf sich warten: Ethan Zuckerman erklärt auf My Heart’s in Accra, warum aus seiner Sicht die Extraktion von Methangasen keine Lösung der Energiezukunft darstellt. In derselben Ausgabe des Atlantic, in der auch Manns Artikel erschien, wurde auch eine Antwort von Chris Nelder gedruckt. Er argumentiert, dass erneuerbare Energien, von Mann eher stiefmütterlich abgehandelt, eine viel größere Rolle spielen werden als Methangase, die unglaublich schwer zu gewinnen sind.

Erik Voeten vom MonkeyCage hat eher geopolitische Probleme im Blick: Er weist auf die Gefahr hin, dass eine von Energieimporten unabhängige USA eine andere Weltordnungspolitik als bislang verfolgen könnte. Dan Drezner von Foreignpolicy.com ordnet diese Sichtweise ein und unterfüttert sie mit weiteren Aussagen zur amerikanischen Energiepolitik. Eine etwas komplexere Sicht auf die Grenzen der Ölproduktion und die Folgen liefert Gail Tverberg in ihrem Blog Our Finite World. Dazu passend hat die Science-Sektion des TIME Magazine ein Q&A mit Michael Levi, einem bekannten Wissenschaftler des Council on Foreign Relations („my favorite energy wonk“), veröffentlicht. Er vertritt die These, dass vor allem eine Mischung aus verschiedenen Quellen die Energieproduktion der Zukunft sein sollte.

Zu guter Letzt führe ich eine neue Unterkategorie ein: Vergessene Konflikte. Letztens wurde mir bewusst, dass ich von vielen Konflikten kaum etwas weiß – oder wisst Ihr aus dem Stand, worum es bei Konflikten wie Zypern, den Falkland-Inseln oder Timor-Leste eigentlich geht? Wenn Ihr hier „Ja“ sagt, braucht Ihr nicht weiterzulesen. Ich jedenfalls weiß viel zu wenig. Deswegen habe ich mich mal hingesetzt und ein paar Links zum Konflikt um Nagorny Karabach herausgesucht. In weiteren Netzschauen werde ich weitere dieser „vergessenen Konflikte“ vorstellen.

Bergkarabach oder Nagorny Karabach ist eine Region in Aserbaidschan, die von einer Mehrheit Armenier bewohnt wird und von beiden Staaten beansprucht wird. 1988 eskalierte der lange schwelende Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidschanern: viele Armenier, die lange Zeit auf dem Staatsgebiet des Nachbarlandes gelebt hatten, verloren ihr Leben. Wie kam es zu dieser Situation? Nach dem zweiten Weltkrieg erhoben beide Länder Anspruch auf die Bergkarabach-Region, was zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan führte. Nachdem beide Länder von der Sowjetunion annektiert worden waren, entspannte sich die Lage etwas. Die Konflikte brachen Ende der 80er Jahre aber wieder auf, und es kam zu schlimmen Gefechten und Vertreibungen der Zivilbevölkerung. Eine gute Zusammenfassung gibt hier das Institut für Konfliktbearbeitung und Friedensentwicklung.

Dietmar Schumann vom ZDF führt diesen Konflikt auf fast schon mittelalterliche Denkmuster beider Konfliktparteien zurück. Eine gute Einordnung der Konfliktursachen und den Stand der Verhandlungen nimmt Rexane Dehdashti-Rasmussen in ihrem Artikel für das Zentrum für OSZE-Forschung (CORE) vor. Warum es bei den letzten Verhandlungen 2011 keine Lösung des Konflikts gab, ist auch Thema eines Blogposts bei den Vergessenen Kriegen. Diese haben auch eine umfangreiche Linksammlung zum Konflikt zusammengestellt. Eine weitere Annäherung des Konflikts unternimmt Felix Kuntzsch in einem Arbeitspapier des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin: Er versucht, den Konflikt theoretisch anzugehen und mittels IB-Theorien zu erklären (oder zu verstehen…). Wer mehr über die völkerrechtliche Dimension des Konflikts erfahren möchte, dem sei der Artikel von Aydan Bashlinskaya empfohlen.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

One comment

  1. Danke für die freundliche Erwähnung!

    Kannst du für die (sehr lobenswerte!) Kategorie der „vergessenen Konflikte“ vielleicht noch ein Tag anlegen? Dann kann ich das später leichter wieder finden…

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