Was guckst du?

Die Highlights im deutschen und internationalen Fernsehen: Die "heute show", präsentiert von Oliver Welke, und "Amanpour" in CNN.

Die Highlights im deutschen und internationalen Fernsehen: Die „heute show“, präsentiert von Oliver Welke, und „Amanpour“ in CNN.

Wir leben in einem Informationszeitalter: Zu Hause oder im Büro am Computer, unterwegs am Smartphone oder in der Bibliothek an Laptop und Tablet – permanent ist eine Fülle von Informationen abrufbar und der Reiz zum kurzen Klick allgegenwärtig. Aber woher beziehen wir unsere Informationen? Ein (anachronistischer) Blick auf die „alten“ und doch veränderten Medien.

Normalerweise veröffentlichen wir an dieser Stelle Woche für Woche eine Netzschau, teilen mit Euch, was wir im Netz zu aktuellen Entwicklungen gefunden haben. Immer wieder freuen wir uns, wenn Euch Ihr in Kommentaren weitere Tipps hinzufügt.
Heute wenden wir uns aber „klassischen“ Medien zu, vor allem dem Fernsehen, und fragten: „Was guckst Du überhaupt noch?“
Der Anspruch der traditionellen Medien gegenüber Twitter, Blog und Co. liegt auf der Hand: Sie wollen Informationen sortieren, versuchen Verlässlichkeit zu garantieren und uns das Wichtigste aus der Datenflut herauszufischen. Dass sie diesem Anspruch nicht immer gerecht werden, ist aus meiner Sicht unübersehbar. Oder wer meint ernsthaft, dass die Talkrunden – „Hart aber fair“, „Anne Will“ „Menschen bei Maischberger“ (siehe auch die Bretterblog-Kritik zu „Maischberger“), „Beckmann“ (der nun tatsächlich, wie die FAZ berichtet, aufhören wird), „Günther Jauch“, „Eins gegen Eins“, „Absolute Mehrheit“ oder auch „Maybritt Illner“ – irgendeinen Erkenntnisgewinn bringen?! Vorbei sind die Zeiten, da die Nation sonntagsabends nur Sabine Christiansen kannte. Man lästerte stets, aber jeder schaute sie an. Und heute ertappt man sich dabei, dass man sie sich ab und an gar zurückwünscht.
Richtig ist aber auch, dass „Spiegel Online“ ein Zeitungsabonnement von ZEIT, SZ, NZZ oder FAZ bis heute nicht ersetzen kann. In Hinblick auf Fragen internationaler Politik bleibt das Korrespondentennetz solcher Qualitätszeitungen in Deutschland unersetzbar. Umso mehr wundert man sich, wie viele Studierende der Politikwissenschaft meinen, ohne die regelmäßige Lektüre einer dieser Zeitungen auszukommen.
Aber zurück zum Fernsehen. Was sind nun die verbliebenen Perlen im deutschen Fernsehen? Fünf Tipps:
  1. Eine der wenigen positiven Ausnahmen ist insgesamt „Phoenix“. Man mag mit einiger Berechtigung darüber lästern, mit welcher Zähigkeit Bundestags- um Bundestagsdebatte live und in voller Länge übertragen wird. Wobei auch dies seine eigene Qualität durchaus hat. Zudem sind auch die Talkshows auf dem Sender manchmal wirklich sehenswert. Vor allem die „Phoenix Runde“ (Dienstag bis Donnerstag 22:15 und 0 Uhr) greift durchaus auch Themen internationaler Politik auf – ein ziemliches Novum im auf Deutschland fixierten TV hierzulande.
  2. Man mag es nicht glauben, aber ja, auch das ZDF hat tatsächlich noch einen politischen Journalisten in seinen Reihen, der sich hin und wieder traut, nachzuhaken: Thomas Walde. Wie ein braver Abiturient steht er im Studio, man traut ihm eigentlich nicht viel zu. Aber wenn er in „Berlin direkt“ (sonntags nach der heute-Sendung ca. 19:10) seine Gesprächsgäste interviewt, weiß man, warum man das ARD Pendent „Bericht aus Berlin“ mit Ulrich Deppendorf niemals wieder sehen sollte. Taucht allerdings Bettina Schausten bei „Berlin direkt“ auf, ist der Griff zur Fernbedienung ebenfalls zu empfehlen.
  3. Das ZDF zum Zweiten: Denn wer das Interview mit Vizekanzler Rösler bei „Markus Lanz“ (Dienstag bis Donnerstag ca. 23 Uhr) gesehen hat, der weiß, dass diese häufig seichte Sendung ab und an durchaus politische Highlights produzieren kann. Manchmal sind Lanz-Sendungen freilich auch furchtbar, wie die Bretterblog-Kritik argumentiert. Übrigens war Rösler nicht der erste Politiker, der ins Schwitzen kam. Auch der sonst so medienwirksame Christian Lindner hatte äußerste Schwierigkeiten auf seinen früheren „Drogenkonsum“ angesprochen zu werden…
  4. Das Highlight des deutschen Fernsehens ist heute aber eine Satiresendung, die mit einiger Berechtigung den Grimme-Preis erhielt: die „heute show“ (Freitag, ca. 22:30). In satirischem Format erhält man über die Entwicklungen der Woche durchaus einen pointierten Überblick…
  5. An der Schnittstelle von Politik, Gesellschaft und Kultur senden darüber hinaus öffentlich-rechtliche Kanäle zwei weitere erstklassige Sendungen aus: Während 3sat täglich eine „Kulturzeit“ (Montag bis Freitag ca. 19:20) in die Wohnzimmer transportiert, präsentiert Dieter Moor (der sich absurderweise seit Kurzem Max Moor nennen will) sonntagabends (ca. 23 Uhr) „ttt“.
Doch wesentlich empfehlenswerter bleibt aus meiner Sicht ein Blick über den Tellerrand hinaus. Kabel- und Satellitenfernsehen, aber auch das Internet machen es möglich, ausländische Fernsehsender zu empfangen. Doch während US-amerikanische Serien mittlerweile fester Bestandteil des Lebens vieler Studis geworden ist, bleiben Informationssendung erstaunlich wenig beachtet. Auch hier fünf Tipps:
  1. God mother of political journalism: Niemand ist besser als Christiane Amanpour. Sie ist verantwortlich für die wahrscheinlich beste TV-Sendung, die gegenwärtig zu Fragen internationaler Politik ausgestrahlt wird. Jeden Abend (Montag bis Freitag 21 Uhr und die Wiederholung um 23 Uhr) interviewt sich auf CNN in einer halben Stunde zwei bis drei Gäste zu aktuellen Fragen internationaler Politik. Von ungewöhnlichen Persönlichkeiten bis hin zu zentralen Entscheidungsträgern, die man sonst nur in wenigen Sekundenausschnitten sieht, spricht Amanpour in jüngster Zeit vor allem über den Nahen Osten. Diese Sendung ist ein Muss für jeden, der sich für internationale Politik interessiert!
  2. Internationale Nachrichten? Im deutschen Fernsehen ein Fremdwort. Statt um 19 Uhr „heute“ einzuschalten empfiehlt sich daher „International Desk“, ebenfalls beim amerikanischen Sender CNN ausgestrahlt. In einer Mischung aus Nachrichten, Magazin und Interviews – wobei die Moderatorin Hala Gorani sich nicht scheut, ihre Gesprächspartner zu unterbrechen und nachzuhaken statt sich politische Floskeln anzuhören – präsentiert die Sendung das Tagesgeschehen.
  3. Auch die gute alte britische BBC hat einen vortrefflichen Talk zu Fragen internationaler Politik: Im „BBC HARDtalk“ (Montag bis Donnerstag 16:30 und 22:30) präsentiert BBC World News Hintergrundinformationen im Gespräch mit Entscheidungsträgern und Experten. Ausgesprochen sehenswert waren in letzter Zeit vor allem die Gespräche zur Krise in Europa.
  4. Doch nicht nur die Branchenführer BBC und CNN bieten hochwertige Sendungen an. Je nach Interessenschwerpunkt sollte man auf jeden Fall auf die Suche nach den jeweiligen regionalen Sendern gehen, die zunehmend Programme auch in englischer Sprache senden. So produziert das chinesische Staatsfernsehen CCTV mittlerweile einen englischen Kanal, der vom Anspruch, mit CNN eines Tages konkurrieren zu können, freilich noch meilenweit entfernt ist. CCTV bleibt weiterhin erstaunlich hölzern und reproduziert in einer kaum vorstellbaren Eintönigkeit die Position der chinesischen Regierung. Wer sich aber genau für diese interessiert, ist bei CCTV gut aufgehoben. Wesentlich besser ist da das englische Programm von Al-Jazeera, das beispielsweise während des Arabischen Frühlings in Ägypten rund um die Uhr vom Tahir berichtete. In turbulenten Zeiten im Nahen Osten – wie den gegenwärtigen – sollte man auf einen regelmäßigen Blick in Al-Jazeera – und sei er auch noch so kurz – nicht verzichten.
  5. Und was macht man unterwegs? Tagesschau und heute App? Von wegen! Sehr viel schlanker, sehr viel informativer, sehr viel schneller ist aus meiner Sicht die App der BBC, die in diesem Falle auch die für das Smartphone viel zu langen Texte der CNN App schlägt.
Soweit meine Tipps. Aber was schaut Ihr? Wie informiert Ihr Euch?

5 Kommentare

  1. FAZ im (Studi-)Abo und dazu meine Blogroll. Ich lese auch gerne die Nachdenkseiten (www.nachdenkseiten.de) – im TV guck ich aber nur ESPN Sportscenter zum Informieren. Nachrichten oder gar Talkshows sind mir ein Graus!

    1. Zunächst mal: Danke der Nachfrage!
      Sicher gibt’s da auch unterschiedliche Meinungen. Aber mein Eindruck ist, dass Schausten leider extrem selten wirklich nachbohrt und die Politiker_innen nur allzu häufig ihren „auswendig gelernten Text“ abspulen können. Dazu muss man natürlich nicht „Berlin direkt“ sehen. Bei Thomas Walde hingegen hat man zumindest die Chance etwas Neues zu erfahren, weil Politiker_innen, in die Ecke getrieben doch hin und wieder mehr Preis geben, als sie ursprünglich geplant hatten… Widersprüche in den Argumentationen und Abweichen von zuvor vertretenen Positionen macht Walde – wie ich finde – einfach wirklich sehr gut sichtbar. Das ist mir mit Schausten noch nicht so gegangen…

  2. Amanpour udd Hardtalk sind klasse! Deutsches Fernsehen schaue ich seit Jahren nicht mehr, da ich im Ausland lebe. Es sei denn, mal kurz die Nachrichten via (langsames) internet. Was mich allerdings stoert ist, dass die Deutschen Medien recht gut darin sind Medienhetzen zu veranstalten, nur um diese dann spaeter selbst zu analysieren (KTG, Wulff,.. – mir Verweis drauf hat Kerkeling ja auch die Uebernahme von „Wetten, dass… “ abgelehnt, zu recht wie ich finde) Aber soetwas kommt in der Deutschen Neidgesellschaft wahrscheinlch gut an. Desweiteren wuensche ich mir, dass die Medien die Geschichten nicht immer kuenstlich „aufplustern“ wuerden (Fukushima). Da muss ich allerdings zugeben, dass die BBC das auch ganz gut kann (landesweite live uebertragung der Wiedereroeffung einer UK Autobahn, sehr interessant;) ). Unterm strich, einfache Berichterstattung, anstatt Meinungsmache ist manchmal eher angebracht, dann lernen die Leute auch wieder sich ihre eigene Meinung zu BILDen😉 Was die Apps angeht, kann ich BBC auch empfehlen.

  3. hans k. · · Antworten

    Was die überregionalen Zeitungen und ihr Korrespondentennetz betrifft: Man braucht kein Print-Abo, vielleicht einzige Ausnahme: FAZ, deren Korrespondentenberichterstattung ist wohl vergleichslos im Printbereich.Was Journalisten wie Martens, Rössler oder Erhardt an geopolitischen Brennpunkten leisten, ist wirklich enorm. Allerdings stellt die FAZ (noch) viel online – ähnlich ist es bei der Zeit, wenn auch oftmals verzögert.

    Was die SZ betrifft – naja. Schon auf der 2. Außenpolitik-Seite lautet der Ort am Beginn des Artikels meist „München“, scheint (mittlerweile) dünn zu sein, das Korrespondentennetz. Im Vgl. mit der FAZ hat die SZ jedenfalls keine Chance.

    Insgesamt gilt aber imho: Die Mischung machts, und dabei behindert mich das Print-Abo sogar. Gerade was z.B. Syrien betrifft, ist eine Diversifizierung des Medienkonsums dringend geboten und höchst interessant! (auch erfrischend alternative Blickwinkel der taz, junge welt o.ä.)

    Eine Einschränkung seh ich aber, bei der Print im Vorteil ist: Die großen Nachrichtensites zeichnen sich durch eine in kurzen Zyklen wechselnde Monothematik aus (so etwa im Moment extrem viel zu Syrien). Von entfernteren, köchelnden Konflikten liest man da relativ wenig oder weit hinten und versteckt. Liegt vielleicht in der Natur der Sache bzw. des Mediums.

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