IB Online (3/7): eine kleine Netzschau

Der Sommer schreitet voran, die IB Blogs sind teils in der Sommerpause, doch wir machen weiter. Diese Woche mit Lesenswertem zu Whistleblowing, einem neuen, sozialwissenschaftlichen „open access“-Magazin, Überwachung von Kommunikation, Hacking sowie dem Coup, der Vergangenheit und Zukunft Ägyptens – in umgekehrter Reihenfolge:

Max hat bereits letzte Woche auf Beiträge zum Coup in Ägypten hingewiesen. Wenig überraschend beschäftigen uns die dramatischen Ereignisse dort auch diese Woche noch – und werden es wohl auch mindestens noch einige Wochen tun (alternative Linklisten mit Videos und netten Gimmicks findet ihr bei From Poverty to Power und im Pressekompass). Dass es sich um einen militärischen, wenn auch initial gewaltlosen Coup handelte, darüber herrscht wohl weitgehend Einigkeit. Wer noch nicht überzeugt ist oder es genauer wissen möchte: Jonathan Powell listet in seinem Blog 25 Definition aus der wissenschaftlichen Literatur zu Coups auf (siehe auch den IR-Blog zu diesem Thema).

Der Frage nach dem „was“ folgt unweigerlich die nach dem „was nun?“. Die Washington Post scheint den Ägyptern freien Markt und Unterdrückung – genauer: einen Herrscher wie Pinochet –  zu wünschen (Editorial anscheinend mittlerweile offline). Dies löste unter Beobachtern verständlicherweise große Empörung aus (siehe auch Beitrag in Smoke and Stir). Jonathan Powell schaut auf die Geschichte mancher Coups und ihrer gewaltloser oder gewaltsamen Konsequenzen und vergleicht diese mit Ägypten. Während ein Beitrag auf Outside the Beltway die Rolle der inner-ägyptischen Kräfte hervorhebt, unterstreicht Clayton Thyne im Monkey Cage die Bedeutung der internationalen Reaktion für die post-Coup-Phase. Im sowieso und überhaupt sehr guten Magazin Jacobin – Untertitel: „a magazine of culture and polemic“ – argumentiert Asher-Shapiro, dass der Wunsch nach einer Technokraten-Regierung zwar verständlich, aber problematisch sei. Schließlich  herrschten Technokraten in Ägypten seit Jahrzehnten und eine Revolution könne mit ihnen keinen Erfolg haben.

Apropos Technokraten aka Militär: Dass es dem Militär in Ägypten nicht um die Demokratie, sondern um sich geht, dürfte bekannt sein. Aber warum ist das so? In einem Beitrag für das Sipo-Blog erklärt Irene Weipert-Fenner die Rolle des Militärs in Ägypten mit Blick auf die Geschichte des ägyptischen Staates und vergleicht diese mit der Geschichte und Rolle des Militärs in Tunesien (an dieser Stelle sei ein wenig Vorfreude auf ein Interview mit Irene zu Ägypten erlaubt, dass diese Woche bei uns im Bretterblog erscheinen wird!).

Eine interessante und wichtige Frage ist schließlich auch, ob der Coup in Ägypten Auswirkungen auf andere islamistische Parteien und Gruppen hat (zu einem sinnvollen Wording bez. „Islamismus“ und seinen unterschiedlichen Strömungen siehe übrigens z.B. einen älteren Beitrag der International Crisis Group). Antworten finden sich im dem mir ganz neuen Weblog Mideast Matrix.

Wer sich für gewaltlose und gewaltsame Proteste nicht nur in Ägypten, sondern auch in der Türkei oder ganz generell interessiert, dem sei die Beitrags-Trilogie „Non-Violent Protests – Istanbul Stylee“ von Will Moore auf Will Opines empfohlen.

Ein anderes Thema, dass zwar die Presse, aber weniger die IB-Blogosphäre beschäftigt ist das der Überwachung des 3W im Besonderen und der Telekommunikation im Allgemeinen. Einer der wenigen Blogs aus meiner 76 Weblogs umfassenden Liste wird von Steven Walt gefüttert. Ich kann es dank der elenden Zugangssperre von Foreign Policy leider nicht richtig lesen. Daher lese ich mich zu diesem Thema zurzeit durch die vermutlich beste Quelle, nämlich Netzpolitik und werfe nach langem auch mal wieder einen Blick auf Fefes Blog. Lohnenswert ist des Weiteren ein Besuch der Seite Cryptoparty für jede/n, die/der sich nicht nur informieren, sondern auch schützen will. In der Auseinandersetzung seitens der Wissenschaftsblogs steht das Blog Mobilizing Ideas bisher ziemlich alleine da. Umso lohnender ist ihr Special Issue zur Frage „Hackers: Freedom Fighters or Danger to Society“ – samt des Hinweises auf ein frei downloadbares, erst dieses Jahr erschienenes Buch über die Ethik und Ästhetik des Hackens.

Da das Bretterblog nicht nur, aber eben auch von medial Umtriebigen, Studierenden und Uni-Angehörigen gelesen wird sei schließlich noch auf ein neues Magazin, das Symposium Magazin, verwiesen. Ziel ist, den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu verbessern. Hört sich wenig innovativ an, sieht auf den ersten und zweiten Blick aber besser aus. Auf The Monkey Cage findet sich teils übernommen aus Symposium eine Debatte zur Finanzierung von Wissenschaft (unter anderem mit Robert Putnam; Stichwort: „The War on Social Sciences“). Zwar auch Uni, aber aus einer ganz anderen Perspektive: Spiegel Online hat einen Beitrag zu Sexismus an deutschen Universitäten veröffentlicht. Den schaue ich mir nun mal an.

Bevor ich das tue @alle in academia: Whistleblowing ist nicht nur Dank Edward Snowden ganz oben auf der Agenda. Auch in der deutschen Wissenschaftslandschaft wird es heiß diskutiert, nicht zuletzt infolge einer Petition zum Schutz von Whistleblowern in der Wissenschaft. Informationen bieten sowohl das Theorieblog als auch das Hypotheses-Redaktionsblog.

2 Kommentare

  1. Tip zu Foreign Policys Paywall: Mit Twitter anmelden auswählen, dann das Fenster schließen, Artikel wird lesbar😉

  2. Wollte ich auch gerade sagen… für die Blogs ist keine paywall im eigentlich Sinne, sondern man muss sich lediglich mit einem kostenlosen Account anmelden. Ähnlich wie bei der FT mit Alphaville.

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