Der lange Weg des Nelson Mandelas. Von der Unterdrückung im Apartheid-Regime zum Präsidenten Südafrikas

Nelson Mandela; Quelle: Flickr.com

„Freiheit ist unteilbar; die Ketten an jedem einzelnen aus meinem Volke waren die Ketten an ihnen allen, die Ketten an allen Menschen meines Volkes waren die Ketten an mir.“ [1]

Nelson Mandela; Quelle: Flickr.comNelson Mandela bewegt nicht nur alle Südafrikaner_innen, sondern die ganze Welt. Er ist ein Freiheitskämpfer, ein Visionär, der einen neuen Meilenstein im Kampf gegen Diskriminierung und Ungerechtigkeit gelegt hat. Sein Buch, in dem er seine Erlebnisse seit seiner Kindheit bis zum Ende des Apartheid-Regimes in Südafrika beschreibt, betitelte er selbst als „der lange Weg zur Freiheit“. Aktuell kreisen die Gedanken vieler Millionen Menschen um dem im Krankenhaus liegenden Freiheitskämpfer, der die Welt ein bisschen besser gemacht hat. Gestern war sein 95zigster Geburtstag! Anlass genug für uns einen Blick auf sein Lebenswerk zu werfen und dieses zu würdigen.

„Ich kann nicht genau angeben, wann ich politisiert wurde, wann ich wußte, daß ich mein Leben völlig dem Freiheitskampf verschreiben würde. Afrikaner in Südafrika zu sein bedeutet, daß man von Geburt an politisiert ist, ob man es zugibt oder nicht.“  

Sein Vater gab ihm bei seiner Geburt den Namen Rolihlahla, was im umgangssprachlichen Sinne Unruhestifter bedeutet. Viele von Mandelas Verwandten und Bekannten machten diesen Namen für seinen späteren Lebensweg verantwortlich. Geboren wurde Madiba – wie Mandela in Südafrika auch genannt wird – am 18.Juli 1918 in Mvezo, einem kleinen Dorf in der Transkei. Den Namen Nelson bekam er wie jeder andere Schüler von seiner Lehrerin, die auf eine britische Erziehung bestand und afrikanische Namen als unkultiviert ablehnte – eine weit verbreitete Politik des kolonialisierten Südafrikas. Er wurde als Sohn eines Stammeshäuptlings und Nachkommen des königlichen Thembu-Stammes geboren. Wegen Nicht-Achtung der kolonialen Magistrate verlor sein Vater allerdings kurz nach seiner Geburt Amt und Würde als Häuptling und damit all seinen Besitz. Mandela war dadurch gezwungen mit seiner Mutter nach Qunu, einem unbedeutend größeren Dorf westlich von Mvezo umzuziehen, um dort in bescheidenen Verhältnissen aufzuwachsen. Und trotz der Tatsache, dass Mandela dort seine schönsten Kindheitsjahre verbrachte und Qunu auch heute noch als sein Heimatdorf empfindet, ist dieser Teil seiner Geschichte der Beginn eines Kampfes gegen die Ungerechtigkeit eines kolonialen Zweiklassen-Regimes. Nach dem Tod seines Vaters lebte er auf Wunsch dessen in der Obhut Jongintabas, Regent in Mqhekezweni, Mandelas neue Heimat für das nächste Jahrzehnt. Seit den 20ern ist Mandela in der Anti-Apartheidsbewegung involviert und lernte während seinem Studium der Rechtswissenschaften seinen späteren Parteigenossen und politischen Weggefährten Oliver Tambo kennen. 1942 wurde er schließlich zunächst inoffizielles Mitglied des African National Congress (ANC) und gründete 1944 zusammen mit Tambo und Walter Sisulu – einem ANC Mitglied, das Mandela sehr prägte und an dem er sich stark orientierte – die Jugendliga des ANC.

„Ich hatte keine Erleuchtung, keine einzigartige Offenbarung, keinen Augenblick der Wahrheit; es war eine ständige Anhäufung von tausend verschiedenen Dingen, tausend Kränkungen, tausend unerinnerten Momenten, die Wut in mir erzeugten, rebellische Haltung, das Verlangen, das System zu bekämpfen, das mein Volk einkerkerte. Da war kein bestimmter Tag, an dem ich mir sagte, von nun an will ich mich der Befreiung meines Volkes widmen, sondern statt dessen tat ich es einfach, weil ich nicht anders konnte.“

In den vierziger Jahren lag für Mandela ein Wandel in der Luft, aufgelöst von der Atlantik-Charta 1941 und weitergeführt durch eine sich dieser anlehnenden Charta des ANC, der African Claims in South Africa. Ihr folgte zwölf Jahre später die Freiheitscharta. Beides sind beispielslose Dokumente für einen friedlichen Kampf für Demokratie, Gleichberechtigung aller Südafrikaner – gleich ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe oder ihres Geschlechts – sowie für basale Menschenrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Religions- und Reisefreiheit als auch das Recht auf Privatsphäre. Auch wurden Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit in Arbeit, Bildung und Kultur gestellt. Kurzum, vor allem die Freiheitscharta spiegelte die südafrikanischen Visionen einer alternativen, besseren Gesellschaft wieder.

Von grundlegender Bedeutung für den Entwurf der Friedenscharta war für Mandela ein Minenarbeiterstreik 1946, bei dem 70.000 Minenarbeiter in den Streik traten. Der ANC setzte sich für die Rechte der Minenarbeiter ein, die weit unter einem Mindestlohn verdienten und keine Arbeitsrechte besaßen. Die Reaktion des Staates schockte Mandela, da dieser mit äußerster Brutalität gegen die Streikenden vorging, was 12 Menschen das Leben kostete. Der Weg, mit der die Visionen der Charta umgesetzt werden sollte, wies sich durch das indische Vorbild. Nach Gandhischen Vorbild wurde hier im Zuge einer Kampagne von den Menschen der Weg des zivilen Ungehorsam gewählt, was Mandela ermutigte seine Einstellungen zur politischen Arbeit zu überdenken.

„Die indische Kampagne […] weckte bei den Menschen den Geist des Widerstandes und des Radikalismus, brach die Angst vor Gefängnis und stärkte Popularität und Einfluß […]. Sie erinnerte uns daran, daß der Freiheitskampf nicht nur darin bestehen konnte, auf Versammlungen Reden zu halten, Resolutionen zu verabschieden und Abordnungen zu entsenden. Entscheidend waren vielmehr präzise Organisation, militante Massenaktionen und vor allem die Bereitschaft, leiden und Opfer auf sich zu nehmen.“

Mandelas politischer Kampf gegen die Apartheid und für eine gerechte Gesellschaft war in Folge ein Abbild des indischen Unabhängigkeitskampfes Gandhis. Er gestaltete sich nach seinem Vorbild als friedlicher und gewaltfreier Ungehorsam. In der Konsequenz seines Widerstandes gegen die Ungerechtigkeiten des Apartheid-Regimes verbrachte Mandela 27 Jahre seines Lebens als politischer Gefangener, den Gro der Zeit im berüchtigten Gefängnis von Robben Island. Er wurde aufgefordert den ANC zu verlassen, bekam ein Reiseverbot auferlegt, wurde gebannt, sodass er auch Johannisburg nicht verlassen durfte. Trotz allem war er maßgeblich an der Bildung des Volkskongresses 1955 beteiligt, der die Freiheitscharta erlassen sollte. Als Reaktion des Staates wurde er wegen Landesverrat angeklagt; ein Prozess, der sich über 10Jahre erstreckte, letztlich aber in einem Freispruch mündete.

Er führte seinen Kampf im Gefängnis weiter und erreichte letztlich lange und zähe Verhandlungen mit der südafrikanischen Regierung. Es war Mandelas kontinuierliches Engagement, sein Wesen, das nie still war, seine Begabung andere Menschen zu inspirieren, die dazu führten, dass sein Ruf nach Freiheit nicht mehr ignoriert werden konnte und das Apartheid-Regime fiel. 1993 erhielt er zusammen mit dem südafrikanischen Präsidenten de Klerk den Friedensnobelpreis für ein gerechteres Südafrika. Von 1994-1999 sollte er der erste schwarze Präsident seines Landes sein.  Während seiner Amtszeit setzte er sich für eine sozialere Gesellschaft ein und bemühte sich um Versöhnung innerhalb der Gesellschaft. Er war maßgeblich an der eingerichteten Wahrheits- und Versöhnungskommission in seinem Land beteiligt. Er war Zeit seines Lebens eine Ikone, nicht nur in Südafrika und ein Vorbild für viele Menschen.

„Ich wußte so gut, wie ich nur irgend etwas wußte, daß der Unterdrücker genauso befreit werden mußte wie der Unterdrückte. Ein Mensch, der einem anderen die Freiheit raubt, ist ein Gefangener des Hasses, er ist eingesperrt hinter den Gittern von Vorurteil und Engstirnigkeit. Ich bin nicht wahrhaft frei, wenn ich einem anderen die Freiheit nehme, genausowenig wie ich frei bin, wenn mir meine Freiheit genommen wird. Der Unterrückte und der Unterdrücker sind gleichermaßen ihrer Menschlichkeit beraubt.“

Rolihlahla Mandelas, Madibas Lebenswerk, sein friedlicher politischer Kampf sollte Vorbild sein für alle politischen Umbrüche. Er zeigt, dass Kämpfe auch ohne Waffengewalt, vielleicht sogar besser, aber wenigstens mit der Chance zur Versöhnung, geführt werden können.
Zu seinem Geburtstag wünschen wir ihm nachträglich alles Gute und hoffen auf eine baldige Genesung!

Wer mehr zu seinem Leben erfahren möchte, kann dies elektronisch unter diesem Link: http://www.nelsonmandela.org/ oder kann sein Buch beim Fischerverlag kaufen: Nelson Mandela, der lange Weg zur Freiheit.


[1] Alle Originalzitate stammen aus Nelson Mandela (1997): Der lange Weg zur Freiheit, Fischer Verlag, Frankfurt am Main

One comment

  1. Es gibt nich viele Menschen die man mit einem einzigen Wort beschreiben kann: „Held“

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