Anstelle einer Netzschau: Links aus dem Sommerloch

rain

Sommerregen. Image via http://unsplash.com/

Eigentlich machen wir ja grade eine Sommerpause. Aber an so einem verregneten Tag wie heute will ich trotzdem ein paar Links raushauen.

Geschichte, Politik & Krieg

In der New York Times schreibt der Historiker Paul Kennedy über die Politik der Großmächte im 21. Jahrhundert—und ist vorsichtig optimistisch über die Kriegsgefahr, die von ihnen ausgeht.

Aeon Magazine mit einem Essay über historische Schuld, den Holocaust, Sklaverei in den USA und was das alles mit Quentin Tarantino zu tun hat. Nämlich eine Menge.

Boston Review hat einen exzellenten Beitrag online über die historischen Parallelen und Unterschiede zwischen dem Bosnienkrieg und dem aktuell tobenden Bürgerkrieg in Syrien. Michael Ignatieff beleuchtet darin sowohl die interne Kriegsdynamik, sowie die Politik der internationalen Gemeinschaft, damals wie heute. Sehr lesenswert.

Den oscarprämierten Film „Argo“ aus dem vergangenen Jahr hat wahrscheinlich jeder gesehen. Auch den WIRED-Artikel, der als Grundlage für den Film diente, haben wir, glaub ich, schon mal verlinkt. Epic Magazine hat den ursprünglichen Artikel nochmal neu aufgelegt, angereichert mit Bonusmaterial, v.a. historischen Fotos. Also eine Art DVD-Extra in Textform. Als Bonus gibt’s noch einen Link zum Hintergrund der Adaption des Artikels in ein Hollywood-taugliches Drehbuch aus dem New Yorker.

Aus Politikwissenschaft & Konfliktforschung

Ein älterer Artikel aus Foreign Policy über den Mehrwert politikwissenschaftlicher Vorhersagen. Die sind nämlich gar nicht so unnütz, v.a. wenn wir uns von dem recht ungenauen country-year Format verabschieden—leider liegen darin aber die meisten Daten vor. In diesem Zusammenhang auch ein Hinweis auf Mathis‘ Erfahrungen mit weltpolitischen Vorhersagen beim Good Judgement Project.

SIPRI bringt eine interessante Zusammenfassung der jüngsten Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu Mikroperspektiven auf bewaffneten Konflikt und deren Auswirkungen auf Entwicklung und internationale Entwicklungszusammenarbeit. Kurz: it’s the politics stupid:

Development interventions cannot therefore be de-coupled from institutional and political processes that emerge during violent conflict and persist once the conflict is over. This implies acknowledging that actors beyond the state shape levels of economic, social and physical vulnerability of the very same populations targeted by development interventions. This is an issue where development policy still needs to make significant progress.

Die Ergebnisse sind also in einer Linie mit dem „turn“ hin zu politischen Institutionen in der Entwicklungsökonomie, ausgelöst durch Acemoglu und Robinsons „Why Nations Fail„.

AJPS hat einen Online First Artikel (gated) von Lisa Hultman, Megan Shannon und Jacob Kathman, in dem die Autor_innen untersuchen, ob UN Peacekeeping den Schutz von Zivilisten in bewaffneten Konflikten sicherstellen kann. Ihr Ergebnis:

[W]e find that as the UN commits more military and police forces to a peacekeeping mission, fewer civilians are targeted with violence. The effect is substantial—the analyses show that, on average, deploying several thousand troops and several hundred police dramatically reduces civilian killings.

Gute Nachrichten also für die UN Friedenssicherung, die ja mit dem jüngsten Skandal um die Choleraepidemie in Haiti, ausgelöst durch UN Peacekeeper, scharf in der Kritik stand.

In einem noch nicht veröffentlichen Working Paper untersuchen Leonard Wantchekon und Omar García-Ponce Demokratisierung in Afrika und finden heraus, dass der Grad der Demokratisierung von dem Charakter der jeweiligen Unabhängigkeitsbewegung abhängt. Die Ergebnisse spiegeln etwas die Findings von Reyko Huang, die Demokratisierung nach Bürgerkriegen auf die Charakteristika und Erfolg von Rebellengruppen zurückführt (hier ein Link zu einem eher allgemeinen Artikel (gated)—ihre unveröffentliche Diss mit mehr Hintergrund zu dem Thema war auch mal online, ist jetzt aber nicht mehr).

Der stets informative Jay Ulfelder mit einem Versuch der Kategorisierung der Gewaltausbrüche in Ägypten.

Internet & Gesellschaft

Im Internet boomt der Wissenschaftsjournalismus, schreibt Tom Levenson:

[…] this is a Gutenberg moment, a handful of years — decades at most — when the range of ideas about science and its connections to human experience can reach audiences that have never had such a wealth of information and interpretation so immediately available to them. As someone for whom this stuff is the Greatest Story Ever Told — as a reader — I couldn’t be happier.

Und er hat Recht. Da ist z.B. das ausgezeichnete neue Wissenschaftsmagazin Nautilus, aus dem ich hier auf zwei Artikel zu Wahrscheinlichkeitstheorie und Erkenntniswahrscheinlichkeit hinweise. Alles aus der aktuellen Nautilus-Ausgabe zum Thema „Uncertainty“. Aeon Magazine ist jetzt schon ein bisschen etablierter, aber liefert ebenfalls konstant hervorragenden Wissenschaftsjournalismus und Essays aus allen Fachrichtungen und das komplett online. Ich hab oben schon einen verlinkt. Hier gibt’s noch einen zur Frage, wie wir aus entwicklungsbiologischer Sicht veranlagt sind, mit Online-Privatsphäre umzugehen—oder nicht.

Bob Samuel von der Washington Post legt den Finger in die Wunde und hinterfragt diesen Boom kritisch, auch vor dem Hintergrund des Kaufs der Washington Post durch Amazon-Gründer Jeff Bezos:

Papers such as The Post contribute to a free society by undertaking the expensive reporting that others won’t — and which informs us of who we are. But it’s not free. It rests on editorial independence — the ability to pursue stories no matter how inconvenient — and commercial success. Someone has to pay the bills. Bezos’s task is to respect editorial independence and restore its economic base.

Samuels Artikel hat kritische Reaktionen hervorgerufen, siehe hier von Jonathan Chait und Paul Krugman. Beide kritisieren Samuels Trauerrede über den „guten alten Journalismus“ mit der gleichen Beobachtung, wie der oben zitierte Tom Levenson: auch wenn die Situation für Journalisten immer schwieriger wird, steigt jedoch die Qualität des verfügbaren Journalismus. Dabei gibt es natürlich ein Missverhältnis, der irgendjemand muss ja auch die hervorragenden Beiträge schreiben—und dafür bezahlt werden. Die Debatte ist noch nicht vorbei und eine ideale Lösung nicht in sich. Man darf gespannt sein, wie das weitergeht.

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