IB Online (2/10): Eine kleine Netzschau

Zum Wochenbeginn gibt es im Bretterblog neue Links. Heute dreht sich die kleine Netzschau um den Friedensnobelpreis und das Verhältnis zwischen Afrikanischer Union und Internationalem Strafgerichtshof.

Friedensnobelpreis

OPCW-UN Chemical Weapons Team Arrives in Damascus | UN Photo/Hend Abdel Ghany

OPCW-UN Chemical Weapons Team Arrives in Damascus | UN Photo/Hend Abdel Ghany

Im Vorfeld der Verleihung wurde von vielen Seiten spekuliert, das Malala Yousafzai in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden würde. So spannt die New York Times den weiten Bogen über den Anschlag auf Malala bis hin zu ihrer Nominierung für den Friedensnobelpreis und dokumentiert „A Pakistani Girl’s Transformation“. Asses Baig wirft in seinem Hufftington Post Blog einen kritischen Blick auf Malala’s Rolle in Politik und Medien der westlichen Welt und beleuchtet den „White Saviour Complex“ und erläutert wie ihre Geschichte von der Politikern unter „historischen rassistischen Narrativen“ zu Nutzen gemacht würden.

Wie im vergangenen Jahr ging der Friedensnobelpreis 2013 jedoch nicht an eine Einzelperson sondern an eine Organisation: The Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) – was sich in einigen kuriosen Tweets niedergeschlagen hat:

Unabhängig von der Frage, wie das Nobelpreiskomitee und die OPCW kommunizieren, erklärt UN Dispatch, warum die OPCW, die im Zuge der Zerstörung der syrischen Chemiewaffen in den Fokus gerückt war, den Preis verdient hat. Einen guten Backgrounder über die Arbeit der OPCW liefert der Data Blog. Facts are sacred des Guardian und bei ThinkProgress wird die Geschichte von Organisationen, die den Friedensnobelpreis gewonnen haben, bis zum Institute of International Law im Jahr 1904 zurückverfolgt. Sowohl der CfR Blog The Internationalist (hier) als auch Duck of Minerva diskutieren die Rolle des globalen Tabus gegen den Einsatz chemischer Waffen ein. Richard Price stellt in seinem Post bei Duck of Minerva heraus, wie der erste Chemiewaffeneinsatz seit 25 Jahren das Tabu gestärkt hat und erläutert dies im Lichte der Normforschung in den Internationalen Beziehungen. Für das Nobelpreiskomitee ist die Geschichte der Abrüstung (pdf) im weiteren Sinne, eine Geschichte, die von den Friedensnobelpreisträgen (mit-) geschrieben wurde. Einen historischen Blick auf die Bedeutung des Friedensnobelpreises hat bereits letztes Jahr Jay Nordlinger in seinem Buch „Peace, They Say“ genommen (hier eine Rezension des New York Review of Books und hier von Walter Russell Mead für in Foreign Affairs). Eine ebenfalls sehr kritischen Blick auf die vergangenen Friedensnobelpreisträger nimmt Africa is a Country unter der Frage: Is the Nobel Peace Prize totally irrelevant?

Afrikanische Union vs. Internationaler Strafgerichtshof?

Für den außerordentliche AU-Gipfel in der vergangenen Woche wurde in Bezug auf das angespannte Verhältnis zwischen der AU im allgemeinem und einzelnen afrikanischen Länder (zuletzt insbesondere Kenia) zum Internationalen Strafgerichtshof nahezu mit einem Showdown gerechnet. Die Sorge war, dass sich die bis zu 34 ICC-Mitglieder in der AU, die noch dazu maßgeblich an der Schaffung des ICC beteiligt waren, aus dem ICC zurückziehen würden. Im Vorfeld des Gipfels haben Peter Dixon und Chris Tenove bei Justice in Conflict ihren Artikel zur internationalen Strafgerichtsbarkeit als transnationales Feld vorgestellt und erläutert, wie der ICC verteidigt werden kann. Das Ergebnis des Gipfels war zwar weniger dramatisch als im Vorfeld befürchtet, da die AU „nur“ gefordert hat, dass keine amtierenden Staatschefs vom ICC angeklagt würden und dementsprechend die Anklage gegen Kenias Präsident Uhuru Kenyatta aufgeschoben wird. In den Dispatches von Human Rights Watch kritisiert Daniel Bekele das Gebaren der AU-Staatschef, die – trotz vieler berechtigter Kritik am ICC – in den zentralen Herausforderungen des Kontinents weit weniger Engagement zeigen als während dieses außerordentlichen AU-Gipfels.

Zum Abschluss noch ein paar Links zu verschiedenen Themen: Bei Crooked Timber gibt es eine spannende, 5-teilige Serie zu der „History of Fear“, die auf dem Buch „Fear the History of a Political Idea“ von Corey Robin fuß. Etwas aus der Geek-Ecke (The Green Lantern) der IB-Blogosphäre gibt es im Dart-Throwing Chimp, wo Jay Ulfelder eine „Green Lantern Theory of State-Building“ skizziert und damit dem Motiv folgt, mit dem er die „Green Lantern Theory of Geopolitics“ aufgreift (dazu hier und hier).

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

3 Kommentare

  1. Die Kritik am ICC ist in vielen Faellen unberechtigt und leider oftmals auch ein Zeugnis von mangelndem Wissen in Bezug auf den Aufgabenbereich bzw. die Gerichtsbarkeit des ICC. Faelle ausserhalb Afrika’s wurden zurecht nicht weiter untersucht. Mehr dazu hier http://conflictandsecurity.com/blog/the-international-criminal-court-a-western-tool-used-to-dominate-africa/

  2. Vielen Dank für die Ergänzung! Da im Text oben etwas versteckt, hier auch nochmal der Verweis auf den Gastpost von Corinna zum ambivalenten Verhältnis zwischen Kenia und dem ICC:

    https://bretterblog.wordpress.com/2013/07/24/is-the-icc-hunting-africans-kenyas-ambiguous-relation-to-the-international-criminal-court/

  3. […] sondern vor allem auch ein Service sein soll. So gibt es beispielsweise einmal die Woche eine Netzschau, in der einer der Blogger versucht einen allgemeinen Überblick über die politische Blogosphäre […]

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