IB Online (4/10): Eine kleine Netzschau

NSA und Merkels Handy, Migration und Ausgrenzung, Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus aus Bewegungsperspektive, Feminismus und IB sowie ein neues Weblog über die Koryphäen der Protest-, Konflikt- und Gewaltforschung – die Themen der Netzschau diese Woche.

Ging es nach der Bundesregierung gab es niemals einen NSA-Skandal. Und selbst wenn es ihn gegeben haben sollte, war man bemüht ihn ein für alle mal zu beenden. Dumm nur, dass manche dieser Ignoranz nicht recht folgen mögen, weiter im Dreck wühlen und so die abgewählte, aber noch geschäftsführend im Amt befindliche Regierung dazu bringt sich der „never-ending“ NSA-Affäre zu widmen. Schließlich geht es nun um das Mobiltelefon der Kanzlerin.

Die Nachrichten überschlagen sich zurzeit (während ich am Sonntagabend in die Tasten haue). Die teils widersprüchlichen Meldungen aufzuführen erspare ich euch und mir. Interessante finde ich aber die Frage, warum die NSA überhaupt alliierte Staatschefs und Chefinnen aushorcht. Henry Farrell betrachtet im frisch zur Washington Post gezogenen The Monkey Cage die Abhör-Affäre und die europäischen Reaktionen auf kurze und mittelfristige Sicht aus amerikanischer Perspektive. Nett, kurz und knapp ist ebenfalls die NeusprechAnalyse des geplanten so genannten „No-Spy-Abkommens“. Das Fazit: Dieses mögliche Abkommen ist Blödsinn. Kein Fazit lässt sich bisher über die aufkeimenden Proteste gegen die überbordenden Überwachungspraktiken US-amerikanischer Sicherheitsbehörden in den USA selbst treffen. DW-World berichtet von Hunderten Protestierenden in Washington, D.C.. Derweil hat Lockheed Martin seine „spy rocks“ vorgestellt, eine militärische Technologie zur Überwachung und Spionage. Wenig überraschend brummt das Gechäft mit derlei Techniken für den Militär- und Spionageeinsatz munter weiter.

Ein anderes aktuelles Thema ist natürlich das EU-Grenzmanagement, die EU-Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik sowie Migration im Allgemeinen. Eine Kritik der EU-Politik angesichts der Flüchtlinge aus Afrika und anderswo findet sich auf  e-International Relations. Ein anderes problematisches Phänomen im Politikfeld Migration ist die Marginalisierung, Ausgrenzung und Kriminalisierung von Sinti und Roma in Europa. Steven Saideman veranschaulicht in einem kurzen Beitrag die Ausmaße des Hasses gegen diese Gruppen in Rumänien, während ein Artikel auf Zeit Online sich der aktuellen, klassische Ressentiments bedienenden Aufregung um Kinder von Sinti/Roma widmet.

Gesellschaftliche Akteure, die in der Regel (versuchen) von der Diskriminierung anderer (zu) profitieren und diese selbst beitreiben, sind rechtsradikale und rechtsextreme Gruppen und Bewegungen. In der Forschung zu politischer Gewalt und sozialen Bewegungen nehmen Rechtsaußenphänomene bisher (noch) meist eine Nebenrolle ein. Umso interessanter ist, dass das Blog Mobilizing Ideas einen Schwerpunkt zu „rightwing extremism“ setzt und eine ganze Reihe von Blogbeiträgen (und damit verbundenen Fachartikeln) aufbiett. Alle Beiträge eint, dass sie danach streben, rechte soziale Bewegungen und ihre Bewegungsakteure besser in ihrer Organisation, ihren Aktionsrepertoires und ihrer Ideologie zu verstehen,

Ein Themenblock, der nicht nur online, sondern auch offline in der akademischen Selbstreflexion eine große Rolle gespielt hat, betrifft den Bereich Gender und die Repräsentanz von Frauen in der Wissenschaft und Wissenschaftsjournals. Mit angestoßen wurde diese Debatte von einem Papier, dass u.a. Barbara Walter als Ko-Autorin aufweist und das Problem der „Gender Citation Gap“ im Fach Internationale Beziehungen thematisiert. Auf ein ähnliches Papier verweist ein Beitrag im Salon, der sich auch dem „Academic Gender Gap“ widmet. Etwas anders gelagert, aber dennoch lesenswert ist ein Beitrag mit dem Titel „Do Cyborgs Dream of Electric Femme-Bots“ zum Themenkomplex Gender und Kampfroboter. Apropos Feminismus und abrupte Themenwechsel: Bronwyn Winter diskutiert auf e-IR die Rolle der Frau im so genannten „arabischen Frühling“ sowie ihre Rolle in der Zeit danach.

So, und zum Abschluss noch ein Verweis auf ein neues Weblog, auf das ich gestoßen bin: The MINDfields.  Ich bin selbst sehr gespannt. Es handelt sich dabei wohl um ein u.a. von Christian Davenport und Will Moore gefüttertes Blog in dem Koryphäen der Gewalt- und Konfliktforschung in Form von Interviews zu Wort kommen. Ziel ist, die Geschichte des Forschungsfeldes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

One comment

  1. Mir fehlt die momentan brodelnde Eschenburg-Debatte und die mögliche Spaltung der DVPW. Auch wenn das hier ein IB-Blog ist, ist diese Disziplin doch immer noch ein Zweig der Politikwissenschaft im Generellen.

    Der Verweis mag für die Disziplin und ihren Output selbstreferenziell anmuten, vor dem sozial- bzw. geisteswissenschaftlichen Hintergrund des Fachbereichs ist er imho aber zwingend!

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