IB Online (2/12): Eine kleine Netzschau

Auch diese Woche haben wir wieder interessante Links für Euch aufgestöbert und möchten Sie Euch nicht vorenthalten. Viel Spaß beim Lesen!

Ausblick in die Zukunft bewaffneter Konflikte

wire_badBruno Lezzi schreibt in seinem Artikel „Keine militärischen Mauerblümchen – Die Zukunft der Landstreitkräfte“ in der NZZ – ganz im Stile des von John Mearsheimers „The Tragedy of Great Power Politics“ – über die in seinen Augen zu früh abgeschriebenen bzw. fälschlicherweise wenig beachteten Landstreitkräfte. Auch wenn Drohnen und Spezialkräfte mehr Aufmerksamkeit bekämen, seien die Landstreitkräfte derzeit ebenfalls in einer großen Transformation. Sie seien derzeit die „Schulung der Kader in den Bereichen von Auftragstaktik und gedanklicher Auseinandersetzung mit politischen und kulturellen Rahmenbedingungen in potenziellen Einsatzräumen“ von besonderer Bedeutung.

„Who is deadlier?“

Die normalerweise recht interessante Webseite „Vergessene Kriege“ hat schon Ende November in einem Post auf die Frage (die sich wer gestellt hat?) geantwortet, wer die „tödlichste Terrorgruppe der Welt“ sei. Den informierten Leser wird nicht überraschen, dass die Taliban an erster Stelle stehen (bekommt man für so etwas eine Medaille bei den Terrorspielen?) – Boko Haram allerdings hat sich an Al Qa’ida in Iraq auf den dritten Platz vorgeschoben. Der Artikel endet aber dann doch noch recht sinnvoll, indem er auf die Rolle von Religion in Konflikten eingeht. Thematisch dazu passend schreibt Amos Guiora auf dem Blog des Foreign Policy Research Institute über „Targeted Killing and the Law: Who is a Legitimate Target and When ist he target Legitimate?“.

Subjekte, Subjekte, überall Subjekte

Auf dem famosen Blog Reinventing Peace der World Peace Foundation eröffnet Bridget Conley eine geplante Artikelserie über „The Subject of Mass Atrocities“. Dabei lautet ihre Eingangsfrage schlicht und einfach: „Does it matter if the subject of mass atrocities is named as: an ethnic, national, racial or religious group; civilian; population; perpetrator, victim, bystander or rescuer; or something else?” Dabei ist ihre These, die sie in weiteren Essays ansprechen will, auf Arendt und Agamben aufbauend: “ The identity of a benefits seeking individual, be it named man, citizen, or other, fails to help us understand how rights claims destabilize the status quo. It is not a subject we should seek, but rather moments when rights are asserted. In sum, rights are the act of demanding rights–political contestation—which best describes the nature of rights.” Ich bin ja prinzipiell sehr theorieaffin, deswegen gefiel mir der Post sehr gut.

„We are living in a material world“

Madonna hatte schon Recht – auch wenn sie wahrscheinlich nicht mit diesen Auswüchsen der “Idiotie der Amerikaner” gerechnet hat. Auf dem Blog der International Political Economy Zone findet sich ein Post, der über die Ausmaße des Shopping-Wahnsinns in den USA berichtet. Seht selbst:

Ebenfalls findet sich auf dem Blog übrigens ein Artikel darüber, welche der neuen Konsolen aus Konfliktmineraliensicht (was ein Wort!) am wenigsten „gewaltsam“ ist: es ist Microsofts X-Box One! Am Schlusslicht: Nintendos Wii U…

„I am an island to myself“

Aus der Höhle geschaut und was sieht der Plato? A View from the Cave berichtet, dass Amerikaner keine Auslandshilfe mögen! Breaking News, stoppt die Pressen! Oder? Na gut, ganz so plakativ ist es auch wieder nicht. Vielmehr sehen Amerikaner bei der Entwicklungshilfe eher Sparpotential sehen als in „domestic expenses“: „Foreign aid one of the first things Americans want to see cut, even before government employee salaries, social programs or defense spending.” Not all is lost: die Ausgaben für globale Gesundheitsinitiativen werden unterstützt, auch wenn die Zahlen seit 2009 stagnieren.

Ein Platz zum leben

In Island wurde ein Mann erschossen. Von der Polizei. Zum ersten Mal überhaupt. Wow! Unterdessen entzünden sich in Deutschland gefesselte Afrikaner in Polizeigewahrsam selbst…

Indiens Ideologie – eine Streitschrift

Das Jacobin Magazine hat eine Rezension (kind of) von Perry Andersons „The Indian Ideology“ veröffentlicht, welches das als fortschrittlich geltende indische System kritisiert. „… India’s secular democracy, which is eagerly marketed as the world’s largest and most diverse, but in reality is soiled and riven by chauvinistic politics, religious parties, a calcified caste system, and the ongoing catastrophe of Kashmir.” Anderson weist in seinem Buch auf viele Ungereimtheiten und Fehler in der Darstellung des indischen Systems seit Nehru hin. Auch wenn man Andersons marxistischen Überbau nicht teil, so ist der Artikel doch lesenswert und sicherlich ein guter Anlass zu diskutieren.

„Two alienated, angry geeks“

Wie Edward Snowden und Glenn Greenwald die NSA-Abhöraktionen bekannt machten, kann man in der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone (und auch hier im Netz) nachlesen. Der Schreibstil gefällt und ist eine nette Abwechslung zu den meist sehr auf die reinen Fakten beruhenden Artikeln der Tagespresse (und mit dem Sprachmüll von Spiegel Online gar nicht erst zu vergleichen), weswegen ich diesen Artikel gerne gelesen habe.

Hilfreich!

Auf zoon politikon findet sich ein guter Artikel über Quellenangaben und was man eigentlich darf und was nicht: eine Zusammenstellung, die sicherlich nicht nur für uns Bretterblogger interessant sein dürfte, fasst Autor ali doch die drei Bereiche Journalismus, Wissenschaft und Blogs gut zusammen. Sympathisch dabei ist auch, dass keineswegs ein „goldener Weg“ aufgezeichnet wird, sondern Fragen wie „Gelten für Blogs eurer Meinung nach andere Regeln was die Quellenangabe betrifft, als bei journalistischen Texten (und da wiederum als bei wissenschaftlichen)? Falls ja welche?“ Ich bin auf die Diskussion schon sehr gespannt.

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Auch wenn das nicht meine Vorstellung einer Netzschau ist, so möchte ich dennoch darauf hinweisen, dass Martin Urschel in seinem Buch über „The Wire“ („The Wire. Netzwerke der Gewalt“ im Nomos Verlag) mehrfach auf den Artikel meines Kollegen Felix verweist. Für alle, die Felix Artikel also noch nicht kennen: lesen!

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Dir fehlt ein wichtiger Hinweis? Wir freuen uns über Deine Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

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