Bloggen ja, aber über was? 6 Tipps zur Themenfindung für akademische Blogs

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Regelmäßige Leser dieses Blogs haben sicherlich gemerkt, dass es immer mal wieder zu längeren Blogpausen kommt. Das liegt daran, dass wir nicht immer was Interessantes zu sagen haben. Oder wir verschätzen uns, wann wir einen schon länger geplanten Blogbeitrag fertig stellen können. Bloggen ist eine kreative Tätigkeit und manchmal bleibt die Muse einfach aus.

Aber wie kommt man überhaupt auf ein sinnvolles Thema für einen Beitrag? Unsere Grundidee ist meistens einfach über das zu schreiben, wovon wir Ahnung haben, also politikwissenschaftliche Themen in Blogformat umzumünzen. Aber was kann man noch machen?

Beim Surfen bin ich über eine Liste von Tipps zur Themenfindung für akademische Blogs gestolpert. Der Autor ist Informatiker und seine Tipps sind z.T. recht technisch. Daher passe ich sie hier für einen sozialwissenschaftlichen Blograhmen an.

1. Bringt die Lehre in die Blogs!

Matt, der Autor der ursprünglichen Liste schlägt vor, einfach Vorlesungs-/Seminarfolien zu posten. Das ist, wie ich finde, eine gute Idee. Wenn man oder frau seine Seminarfolien online stellt, kann man bspw. zur Diskussion darüber einladen, ob man ein bestimmtes Thema gut zusammengefasst hat. Oder vielleicht auch mit einem Kommentar versehen, wie gut/schlecht die Studis auf bestimmte Beispiele verstanden haben, bei welcher Theorie es regelmäßig hakt etc.

Ist vielleicht nicht immer und in jedem Fall sinnvoll / machbar, aber ich finde darüber sollten wir hier auf dem Blog und sicherlich auch andere Blogs nachdenken.

2. „Reply to public“ als Post.

Matt beobachtet:

“Many of the academics that „don’t have time to blog“ seem to have plenty of time to write detailed, well-structured replies and flames over email.”

Wenn wir eine längere Antwort für jemanden schreiben (oder eine längere Antwort in einem Blogkommentar verfassen), sollten darüber nachdenken, diese (auch) als separaten Post zu veröffentlichen. Klar, das macht ähnlich wie beim obigen Punkt nicht in jedem Fall Sinn. Aber in vielen Fällen sicherlich doch und meine Hypothese ist, dass so eine „reply to public“ häufiger für hilfreich sein kann, als wir zunächst annehmen.

Logisch dabei ist, dass die Antwort dann auch so generell gehalten sein muss, dass – wenn sie aus einer privaten Konversation hervorging – der Autor sie entweder mit ausdrücklicher Zustimmung aller Beteiligten veröffentlicht,  oder sie in eine allgemeinere/öffentliche Form umwandelt.

Das haben wir auf dem Bretterblog zum Teil auch schon gemacht, siehe zum Beispiel Gregors Post. Und im Prinzip ist dieser Post hier ebenfalls so ein „Reply to Public“ Beitrag, der aus einer internen Diskussion über mögliche Blogthemen entstand.

3. „Beratung“ als Post

Jeder von uns hört oft die gleichen Fragen – oder diskutiert oft ähnliche Themen mit Kollegen und Freunden. Beispiele sind Fragen von Studenten („Wie schreibe ich eine Hausarbeit?“; „Wo finde ich xyz?“; etc.) oder Diskussionen, die wir unter Doktorandenkollegen häufig führen („Schlechte Bezahlung von Doktorandenstellen“; „Mangelhafte Uni/Institutsausstattung“; „Stipendienbewerbung“; „Qualität von Summer Schools oder bestimmten Konferenzen“). Nicht jede dieser Fragen / Themen (insbesondere der „heißen“ Themen, die wir Doktoranden gerne diskutieren, wie Personalfragen, Bezahlung etc.) müssen gleich in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Aber viele würden sicherlich davon profitieren – und mit einer entsprechend gewährleisteten Anonymität für die VerfasserInnen der entsprechenden Posts sicherlich zu einer Debatte beitragen.

Auf Chris Blattman’s Blog findet sich beispielsweise eine ganze Reihe an solchen Beratungsposts, die allesamt sehr lesenswert sind. Aber man muss kein Professor sein, um solche Posts zu schreiben, ganz im Gegenteil.

4. Dampf ablassen

Wir alle lesen gerne einen Rant – vor allem wenn er gut gemacht ist (d.h. mehr auf der sachlichen Seite, als auf der persönlichen ist) und der Autor etwas zum Thema sagen kann. Der „Dampfablass-Post“ verdeutlicht auch das generelle Potential von Blogs als „Bullshit-Korrektiv“. In Zeiten von Internet und Informationsflut werden wir mit viel mehr Dingen konfrontiert als wir verarbeiten oder kritisch beurteilen können. Informierte Blogposts, die einen Medienbeitrag oder eine Meldung ins rechte Licht rücken und/oder Fehler aufzeigen, sind daher nicht nur sinnvoll, sondern notwendig.

Beispiele in der Netzwelt dafür gibt’s viele. Erst kürzlich gab’s eine Reihe an Twitter-Kommentaren & Posts, die auf gravierende Fehler eines Beitrags von Fivethirtyeight über GDELT-Daten zu den Kidnappings in Nigeria hinwiesen. Der Beitrag wurde korrigiert.

Wir haben uns auch daran versucht; ob das jetzt informiert und gemacht war, müssen allerdings unsere Leser beurteilen. Zum Beispiel über SpONs Fussballdaten oder Tims Beitrag über Rassismus bei Maischberger

5. Werkzeugkiste

In der ursprünglichen Liste von Matt bezeichnet er den 5. Punkt als „Blog as Code Repository“, aber m.E. lässt sich das von Computercode auf die weitere Werkzeugkiste der Sozialwissenschaftler ausweiten. (Auch wenn wir den ein oder anderen Post hatten, der sich aus Spielerei mit Code ergeben hat.)

Ihr sammelt gerade Daten und seid dabei auf erste interessante Muster gestoßen? Ab in einen Blogpost damit. Ihr habt schon Dutzende von Interviews geführt und euch eine mentale/tatsächliche Checkliste der Do’s and Don’ts gemacht? Warum nicht als Blogpost einstellen, so dass andere nicht die gleichen Fehler machen? Ihr seid bei eurem Literaturreview auf einen interessanten theoretischen Widerspruch gestoßen? Könnte man in einem kurzen Post diskutieren.

Die „Werkzeugkiste“-Kategorie ist in meinen Augen ein Sammelbecken von potentiellen Themen, die durch die „Aha“-Momente (oder auch WTF!?-Momente) entstehen, wie wir sie alle in unserer Arbeit als Wissenschaftler regelmäßig haben. Der Blogpost ist eine ideale Möglichkeit um diese Momente zu reflektieren, die eigenen Gedanken dazu zu strukturieren und für andere festzuhalten.

Beispiele dafür aus unserem Blog ist die (gerade erst begonnene) Reihe zu Politik ist Überall oder Themenanrisse / Buchreaktionen wie zu Pinkers „Better Angels of our Nature“ hier oder Tims „Buch des Monats“ Rezensionen.

6. Langzeitgedächtnis

Sobald wir feststellen, dass wir etwas wiederholt tun, bietet sich ein Howto-Blogpost an. Dieser Punkt ist in gewisser Weise eine Zusammenfassung der anderen fünf Ratschläge. Ich denke es lohnt sich aber trotzdem noch einmal auf die Grundidee hinzuweisen: viele der Dinge, die wir immer wieder machen, oder für die wir (vielleicht implizit) Standard Operating Procedures entwickelt haben, oder theoretische / empirische / methodische Fragen, über die wir wiederholt stolpern, haben Potential, dass wir sie in einem kurzen Text explizit reflektieren. Das reicht von einfachen Themen wie „was ist die beste Literaturverwaltungssoftware?“ (unser Post über Tools für wissenschaftliches Arbeiten im Internet bekommt auch fast zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung immer noch Treffer) hin zu komplizierteren theoretischen Fragen. Einer unserer Beiträge, der konstant Treffer bekommt ist beispielsweise ein Post zu elektronischen Recherchewerkzeugen.

Ich glaube, es lohnt sich, den Blick dafür zu schärfen, welche Abläufe und Themen der eigenen täglichen Arbeit (und Freizeit) es wert sind, in Textform für andere (und sich selbst!) reflektiert zu werden. Und, das ist wichtig, bei welchen es sich definitiv nicht lohnt.

Welche Tipps habt ihr noch zur Themenfindung? Ab in die Kommentare (oder in einen Blogpost🙂 ) damit.

Happy Blogging everybody!

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