Traumhaft! Malala ist Friedensnobelpreisträgerin!

Selten hat mich jemand so beeindruckt wie die 17-jährige Malala Yousafzai, die heute gemeinsam mit dem indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi den Friedensnobelpreis erhalten hat. Aus dem pakistanischen Swat-Tal stammend setzt sie sich seit sie 11 Jahre alt ist für Bildung ein. 2012 überlebte sie ein Attentat der Taliban. Gratulation an diese großartige, mutige junge Frau!

Unerschrocken kämpft sie für Bildung und ist damit den Taliban ein Dorn im Auge: Malala Yousafzai, die Friedensnobelpreisträgerin 2014. Herzlichen Glückwunsch!

Unerschrocken kämpft sie für Bildung und ist damit den Taliban ein Dorn im Auge: Malala Yousafzai, die Friedensnobelpreisträgerin 2014. Herzlichen Glückwunsch! Quelle: Flickr.

Es grenzt an ein Wunder, dass Malala Yousafzai noch am Leben ist: Vor fast genau zwei Jahren hatten die pakistanischen Taliban einen Schulbus angehalten und gefragt: „Wer ist Malala?“ Es folgten Schüsse der Attentäter auf das junge Mädchen, die schwer am Kopf verletzt wurde. Zunächst wurde sie in pakistanischen Krankenhäusern behandelt, schließlich jedoch in ein Militärkrankenhaus nach Birmingham ausgeflogen. Heute hat sie den Friedensnobelpreis erhalten und sagt: „They can only shoot my body, but they cannot shoot my dreams.

Aber warum hatten es die Taliban auf sie abgesehen? Malala, Tochter eines Lehrers an einer Mädchenschule im Swat-Tal, führte seit einigen Jahren einen Blog, in dem sie vom Terror der Taliban gegen Frauen und Mädchenschulen berichtete und für die Bedeutung der Bildung eintrat: „We realise the importance of our voice when we are silenced. In the same way, when we were in Swat, the north of Pakistan, we realised the importance of pens and books when we saw the guns. […] The extremists are afraid of books and pens. The power of education frightens them. They are afraid of women. The power of the voice of women frightens them. This is why they killed 14 innocent students in the recent attack in Quetta. And that is why they kill female teachers. That is why they are blasting schools every day because they were and they are afraid of change and equality that we will bring to our society.

Mit dem Attentat auf sie beendete Malala allerdings ihren Einsatz für Bildung keineswegs. Vor den Vereinten Nationen sagte sie: „They [die Taliban] thought that the bullets would silence us, but they failed. And out of that silence came thousands of voices. The terrorists thought they would change my aims and stop my ambitions. But nothing changed in my life except this: weakness, fear and hopelessness died. Strength, power and courage was born. I am the same Malala. My ambitions are the same. My hopes are the same. And my dreams are the same.

Für Malala ist Bildung der Schlüssel zu einem Leben in Freiheit mit den gleichen Entwicklungschancen für jeden. Bildung, davon ist sie überzeugt, ist die Saat des Friedens, der Verständigung und der Gleichheit der pluralen, vielfältigen Menschheit. So sagte Malala in der oben bereits zitierten Rede vor den Vereinten Nationen: „I want education for the sons and daughters of the Taliban and all the terrorists and extremists. I do not even hate the Talib who shot me. Even if there was a gun in my hand and he was standing in front of me, I would not shoot him. This is the compassion I have learned from Mohamed, the prophet of mercy, Jesus Christ and Lord Buddha. This the legacy of change I have inherited from Martin Luther King, Nelson Mandela and Mohammed Ali Jinnah. This is the philosophy of nonviolence that I have learned from Gandhi, Bacha Khan and Mother Teresa. And this is the forgiveness that I have learned from my father and from my mother. This is what my soul is telling me: be peaceful and love everyone.

Die gesamte Rede von Malala könnt Ihr hier im Video sehen:

All diese Zitate belegen die Außergewöhnlichkeit der heute 17-jährigen Malala. Sie ist eine mutige, aber auch eine bescheidene Frau, ein Vorbild, für alle, die für Menschlichkeit und die Würde jedes einzelnen Menschen, unabhängig von Alter, Hautfarbe und Geschlecht eintreten.

Mich hat Malala sehr beeindruckt. Aber sie war mir eine Weile lang fast auch ein bisschen unheimlich: Wie konnte diese Teenagerin nur so großartig sprechen?! Das wandelte sich, als ich das unten eingestellte knapp einstündige Interview mit Malala und ihrem Vater sah. Ich lernte eine beeindruckende junge Frau näher kennen und spürte: Ja, sie ist großartig, beeindruckend und mutig. Aber sie ist auch eine „ganz normale“ Teenagerin, die Justin Bieber hört, die sich mit ihren Brüdern streitet und die Ärztin werden wollte, weil alle ihre Freundinnen diesen Beruf ergreifen wollten. Und indem ich dies spürte, wurde sie mir begreiflicher, menschlicher und seither bewundere ich sie nur umso uneingeschränkter.

Malala setzt sich für Bildung ein. Gerade erst heute Mittag kurz bevor ich die Nachricht von Malalas Friedensnobelpreis las, konnte ich genau dies im Kleinen erleben: Einer meiner Studenten half einem etwa 30-jährigen Roma, der bis vor Kurzem obdachlos auf Frankfurts Straßen gelebt hat, bei seinen Vorbereitungen für einen bald beginnenden Alphabetisierungskurs. Ich hatte gerade ein kleines Stückchen von der Bedeutung und der Kraft der Bildung erlebt, für die Malala wirbt. Ich hatte den Eifer des lernenden Roms gesehen, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Schulunterricht besuchen wird. Ich habe seine Nervosität gespürt, aber auch seinen Freude, wenn er ein Wort richtig buchstabieren konnte. Er wünscht sich nichts sehnlicher als durch die eigene Arbeit seine Familie ernähren zu können. Bildung ist dafür eine Voraussetzung.

Natürlich ist das Eintreten für Bildung in Pakistan, einem von Terror gebeutelten Land, etwas ganz Anderes. Malala riskiert ihr Leben. Es geht mir daher in keiner Weise darum, die vergnügte Alphabetisierungsnachhilfe in einer kleinen Frankfurter Wohnung mit den Bemühungen Malalas zu vergleichen. Aber die Bedeutung der Bildung war mir gerade erst ganz praktisch am Beispiel dieses jungen Mannes deutlich geworden, als ich auf meinem Smartphone die Nachricht von Malalas Nobelpreis las. In diesem Moment standen mir Tränen in den Augen. Tränen der Rührung.

Ich freue und gratuliere ihr von ganzem Herzen! Es hätte keine beeindruckendere, mutigere und inspirierendere Nobelpreisträgerin geben können!

Schon letztes Jahr galt Malala als eine der Favoriten auf den Friedensnobelpreis. Vor der Bekanntgabe sagte sie damals, sie verdiene den Preis nicht. Wenn überhaupt, dann müsse sie dafür noch lange arbeiten. Mein Dank gilt dem Nobelpreiskomitee, dass es diese Aussage Malalas ignorierte.

Es kommt auf jeden von uns an: „One child, one teacher, one book and one pen can change the world. Education is the only solution.

Danke, Malala!

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