IB Online (2/12): Eine kleine Netzschau

Zum zweiten Advent bloggen wir diesmal schiedlich friedlich über den Konflikt in Bahrain, das humanitäre Völkerrecht, ein bisschen IB-Theorie und die Zukunft der MDGs. Vor allem Meinungen zum Interview mit Alexander Dugin würden mich interessieren. Viel Spaß!

collageThe Monkey Cage: Elite Fragmentation and Securitization in Bahrain

Toby Matthiesen fragt sich in einem Beitrag für den Monkey Cage, wie das schnelle Zerschlagen der Proteste im Frühjahr 2011 in Bahrain gelingen konnte und welche Folgen diese Aktionen bis heute haben. Seine These: Die Fragmentierung der Herrscherfamilie, in der die Teile der Familie, die sich auf die Sicherheitsapparate stützen, um ihren Einfluss und ihre Macht fürchteten, führte zu einer harten Reaktion eben dieser. Die Zerschlagung der Proteste wurde durch externe Unterstützung von Saudi Arabien und den Verinigten Arabischen Emiraten möglich; nicht hilfreich für die Protestierenden, dass internationale Anprangerung der Zerschlagung der Proteste nur limitiert blieb. Als Ergebnis statuiert Matthiesen die Entwicklung hin zu einem Polizeistaat so die Verbreiterung der konfessionellen Gräben (siehe dazu auch einen Beitrag des Council on Foreign Relation)

Völkerrechtsblog: Wie lässt sich die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch bewaffnete Gruppen verbessern?

Stefanie Haumer, Rechtsberaterin beim Deutschen Roten Kreuz, antwortet in ihrem Blogbeitrag auf einen Beitrag von Marco Sassoli, der die Problematik der nicht-staatlichen Akteure (sowohl NGOs als auch „terroristische Vereinigungen/Widerstandskämpfer“) im humanitären Völkerrecht problematisiert. Am Beispiel der NGO Geneva Call wird aufgezeigt, welche völkerrechtlichen Probleme die Arbeit der NGO aufwirft und wie damit umgegangen werden könnte. Für Haumer sind dies vor allem die „Deeds of Commitment“, die Schaffung von Anreizen zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts sowie die Stärkung der Verbreitungsarbeit als Präventionsmaßnahme. Sowohl Haumer als auch Sassoli sind sich einig, dass nicht-staatliche Akteure nicht vom Völkerrecht ignoriert werden dürfen, nur weil sie keine „Souveränität“ im klassischen, staatlichen Sinne besitzen. Beide werben hier also für eine Erweiterung des völkerrechtlichen Horizonts.

Duck of Minerva: Theory as Thought

Über die Definition und damit über die Rolle von “Theorie” in der Wissenschaft und der praktischen Politik wird zu wenig reflektiert und nachgedacht – so die Ausgangsthese von Jarrod Hayes auf der Duck of Minerva, der seinen mit Patrick James verfassten Artikel in der Security Studies zusammenfasst. Ihre Hypothese: „rather than represent objective descriptions/explanations of the world, theories of international relations represent different modes of thinking about the world. These different modes are intersubjective structures and discourses that enable shared efforts to understand and explain the world.” Für eine/n deutsche/n Akademiker/in vielleicht nicht bahnbrechend (da zumindest für mich nicht so neu – aber vlt steh ich auch zu sehr im akademischen Non-Mainstream?), aber sehr gut argumentiert und schlüssig.

Theory Talks: #66 Alexander Dugin

Die sehr lesenswerte Seite Theory Talks hat ein Interview mit Alexander Dugin, russischer Geopolitiker und angeblich großer Einfluss auf Putin, online gestellt. Dugin erläutert dabei seinen Zugang zu den Internationalen Beziehungen und seine Kritik an der eurozentrischen bzw. westlich-zentrierten Herangehensweise und deren Hegemonie in der Wissenschaft. Normativ strittig, analytisch zu Diskussionen anregend – ich lese so ein Interview lieber als das x-te „Freihandel und alles wird gut“-Interview…

UN Disptach: The Race To Replace the MDGs has officially begun

Auch wenn der Beitrag substantiell wenig Interessantes zu bieten scheint, ist das Lenken der Aufmerksamkeit auf den Bericht des UN-Generalsekretärs zur Zukunft der post-MD-Ära (wenn man es mal so ausdrücken möchte) ganz interessant. So schreibt Mark Leon Goldberg, dass als nächstes großes Ziel das Beenden absoluter Armut auf der Agenda stehe – wobei dies auch per Quote in den „entwickelten“ Ländern geschehen solle: „rich countries would be obliged to substantially reduce their own poverty rates.“ Ob dies allerdings Chancen auf Umsetzung hat, steht in den Sternen.

Und dann war da noch dies:

 

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Dir fehlt ein wichtiger Hinweis? Wir freuen uns über Deine Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

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