Achtung, offline: CfP zur Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters “Normative Ordnungen”

Liebe Leute,

wie im vergangenen Jahr freuen wir uns auch dieses Jahr wieder Werbung für die internationale Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“ an der Goethe Universität Frankfurt am Main im November 2015 zu machen. Aber lest selbst (for an english version see below):

Call for Papers and Panels für die 7. Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters “Normative Orders” in Frankfurt a. M., 13.-14. Nov. 2015

Macht (in) der Wissenschaft: Kritische Interventionen in Wissensproduktion und Gesellschaft

Wissensproduktion und gesellschaftliche Transformation sind eng miteinander verbunden: Bei der Deutung und Kritik sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer und politischer Entwicklungen wird der Wissenschaft eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Indes ist Wissenschaft nie losgelöst von ihren gesellschaftlichen Kontexten und den darin verankerten Macht- und Herrschaftsverhältnissen denkbar. Gesellschaftskritik und Wissenschaft zu verbinden bedeutet daher auch, jene Verfahren zu reflektieren, die zur Analyse sozialer Phänomene eingesetzt werden und die letztlich die Grundlage für Gesellschaftskritik seitens der Wissenschaft darstellen. Wissenschaftliche Erkenntnismethoden konstituieren oder verändern einerseits den Forschungsgegenstand und bedingen andererseits die Art von Wissen, die produziert wird. Die ontologische und epistemologische Struktur von Wissensgenese ist nicht gegeben, sondern durch gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse bedingt.

Dies wirft grundsätzliche Fragen auf: In welcher Form und auf welchen normativen Grundlagen kann Wissenschaft Kritik an der Gesellschaft und Gesellschaft Kritik an der Wissenschaft üben? Wie lassen sich kritische Perspektiven auf die Rolle der Wissenschaft in gesellschaftlichen Prozessen entwickeln? Welche Rolle spielt dabei die methodologische und ethische Reflexion der eigenen Vorgehensweisen? Ist Forschungsethik ein adäquates Instrument, um historisch gewachsene und normalisierte Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu hinterfragen und
aufzubrechen?

Wir wollen diese Fragen zusammen denken und dabei Theorie und Praxis von Wissensproduktion interdisziplinär in den Blick nehmen. Konsequenterweise hinterfragen wir auch den Rahmen der Konferenz selbst als eine Form performativer Wissensdarstellung und ermutigen zu alternativen Präsentationsformen. Es wird zudem die Gelegenheit geben, im Format eines Open Space kollektiv generierte Fragestellungen zu diskutieren. Die Konferenz, welche in Kooperation mit der DocAG „Ethics and (Self-)Reflexivity in Qualitative Research“ organisiert wird, richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen aus allen Disziplinen, die einen Beitrag zur Diskussion und zur Reflexion kritischer Wissenschaft leisten wollen. Im Interesse einer gemeinsamen Kommunikationsgrundlage begrüßen wir Beiträge in englischer Sprache; sie können empirische Phänomene in den Blick nehmen, (meta-)theoretisch reflektieren oder sich künstlerisch mit Wissensproduktion und Gesellschaftskritik auseinandersetzen.

Mögliche Ausgangspunkte können sein:

Modelle kritischer Theoriebildung

Neben der Kritischen Theorie Frankfurter Provenienz in ihren verschiedenen Ausprägungen besteht eine Reihe weiterer Theorien mit kritischem Anspruch, etwa poststrukturalistische Ansätze, die Akteur-Netzwerk-Theorie oder postkoloniale Studien. Wie können unterschiedliche Strömungen ins Gespräch kommen? Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Forschungsethik in Theorie und Praxis

Die Forschungspraxis konfrontiert Forschende kontinuierlich mit ethischen und methodologischen Herausforderungen. Wie können diese kritisch reflektiert werden, und wie schlägt sich dies in der Ausgestaltung der Forschungsprozesse nieder? Wie lassen sich Machtverhältnisse und -Ungleichheiten erkennen und konzeptualisieren; wie kann mit ihnen umgegangen werden? Was heißt es, (selbst-)kritisch und emanzipatorisch zu forschen? Welche kritischen Fragen können umgekehrt an die ethische Reflexion wissenschaftlicher Praxis gestellt
werden?

Macht (in) der Wissenschaft

Wissenschaft produziert Wissen und insofern immer auch Machteffekte. Auf der einen Seite bedeutet dies die Hegemonie bestimmter Formen und Praktiken der Wissensproduktion in der Wissenschaft selbst, auf der anderen Seite entstehen Machteffekte im Verhältnis der Wissenschaft zu ihrer Umwelt. Wie kann theoretisch und empirisch das Verhältnis von Wissen und Macht in der Wissenschaft reflektiert werden? Wie wirken sich Machtdynamiken der Wissensproduktion auf den Prozess des Schaffens von Wissen aus?

(De)legitimierte Formen der Gesellschaftskritik

Die hegemoniale Sprache der Wissenschaft schließt potentiell andere Formen der Artikulation von Kritik aus. Wie wird wissenschaftliche Gesellschaftskritik autorisiert? Welche Praktiken der Wortergreifung, Aneignung und Intervention in öffentliche Diskurse gibt es und wie verhalten diese sich zu wissenschaftlicher Gesellschaftskritik? Was sind wechselseitige Legitimations- und Delegitimationsmechanismen?

Die Geschichtlichkeit kritischer Wissenschaft

Das skizzierte In-, Mit- und Gegeneinander von kritischer Wissensproduktion und gesellschaftlichen Verhältnissen ist keineswegs nur ein Merkmal der Gegenwart, sondern darf grundsätzlich für jede menschliche Gesellschaft angenommen werden. Aus dieser Zeitlichkeit ergeben sich mehrere historische Fragerichtungen. Zum einen: Welche neuen Perspektiven auf gegenwärtige Konstellationen lassen sich durch den Vergleich mit vergangenen Konfigurationen gewinnen, indem man Identitäten und Alteritäten konstruiert? Zum anderen: Welche
Konsequenzen ergeben sich aus der Beschreibung diachroner Dynamiken, wenn man also aktuelle Diskurse, Akteure und Verflechtungen gesellschaftskritischer Wissenschaft in ihren wechselnden historischen Kontexten situiert und ihre Gewordenheit erzählt?

Kunst und Wissenschaft

Kunst wird oftmals als das Andere der Wissenschaft betrachtet. Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen nach wechselseitiger Verwiesenheit: Wie könnte eine ästhetische Kritik wissenschaftlicher Wissensproduktion aussehen? Kann an der Differenz von künstlerischer Praxis und Wissenschaft festgehalten werden, wo löst sie sich auf und ist nicht gerade Hybridität produktiv? In welchem Sinne brechen ästhetische Praktiken performativ Muster des
Wissenschaftsbetriebs auf?

Wir freuen uns, bis zum 1. Juli 2015 ein Abstract von maximal 350 Wörtern mit Keywords und einer kurzen biographischen Notiz zu erhalten.

Für die Konferenz steht Kinderbetreuung zur Verfügung. Zudem können sich bereits akzeptierte Vortragende um ein Reisestipendium bewerben. Das Vorgehen hierfür wird in der Annahme-Email ausführlich beschrieben. Fragen und Abstracts nehmen wir gerne entgegen unter: graduateconference@normativeorders.net.

 

Call for Papers and Panels for the 7th Young Researchers Conference of the Cluster of Excellence “Normative Orders” in Frankfurt a. M., 13.-14. Nov. 2015

The Power of/in Academia: Critical Interventions in Knowledge Production and Society

Knowledge production and social transformation are closely intertwined. Academic scholarship plays a crucial role in analyzing and critiquing social, economic, ecological, and political developments, while simultaneously, however, being inextricably linked to its social context and its inherent relations of power and domination. Scrutinizing the link between social critique and scholarship also entails the critical examination of the tools applied in analyzing social phenomena, which in turn lay the basis for academic social critique. Scientific methods of gaining knowledge not only co-constitute and shape the object of research, but also the kind of knowledge that is produced. The ontological and epistemic structure of knowledge production is, therefore, never given, but shaped by power relations. Consequently, we ask: in what forms and on which normative basis can academia criticize society and can society criticize academia? How can critical perspectives on the role of academia in social processes be facilitated? What role does the methodological and ethical reflection of one’s procedures and practices play? Are research ethics the appropriate tool to challenge historically anchored and normalized relations of power and domination?

We invite you to consider these questions together and through an interdisciplinary gaze, focusing on the theory and practice of knowledge production. We also challenge the format of the academic conference as a performative form of knowledge dissemination and encourage alternative forms of presentation. There will also be the opportunity to discuss collectively generated questions of common concern in an open-space format.

The conference, which is co-organized by the PhD group ‘Ethics and (Self-)Reflexivity in Qualitative Research’, is geared towards young scholars from all disciplines, who want to discuss and reflect on critical research. In the interest of a shared basis for communication, we encourage you to prepare your contributions in English. Presentations can focus on empirical phenomena and (meta-)theoretical reflection, but we also welcome artistic
performances that engage with knowledge production and social critique.

Possible topics for contributions are:

Models of critical theory construction

Besides the various strands of the Critical Theory of the Frankfurt School, there are numerous other strands of critical theory, such as post-structuralist approaches, actornetwork theory and postcolonial studies. How can these distinct schools of thought enter into a dialogue? Where are commonalities, where are differences?

Research ethics in theory and practice

Research practice continuously confronts researchers with ethical and methodological challenges. How can these be critically reflected on, and how does reflexivity affect the configuration of research processes? How can power relations and inequalities in research be identified and conceptualized; how can they be dealt with? What does (self-)critical and emancipatory research signify? Conversely, how can the ethical reflection of scientific practice be confronted with its shortcomings?

Power in research

Scholarship produces knowledge and concomitantly power effects. This implies, on the one hand, the hegemony of certain forms and practices of knowledge production in academia. On the other hand, academic scholarship produces power effects in relation to its environment. How can the relation between knowledge and power in academia be scrutinized theoretically and empirically? How do the power dynamics of knowledge production shape the processes of knowledge creation?

(De-)legitimizing forms of social critique

The hegemonic language of academia potentially excludes other forms and articulations of critique. How is academic social critique authorized? What practices of articulation, appropriation, and intervention in public debate can be observed, and how do they relate to academic social critique? What mechanisms of legitimation and delegitimation prevail?

The historicity of critical scholarship

The complexities of critical knowledge production and social relations are not merely part of the present, but a marker of human social organization in general. Laying the focus on this very historicity results in at least two pertinent questions. On the one hand, what new perspectives on current constellations can be gained through the comparison with past configurations of identity and alterity? On the other hand, what insights can be gained
through diachronic analysis, or the situating of current discourses, actors, and their interrelations in changing historical contexts, thus emphasizing their historical constructedness?

Scholarship and the arts

Art is often portrayed as the ‘Other’ of academia. Departing from this commonplace, questions of mutual constitution arise. What does the aesthetic critique of academic knowledge production look like? Can the difference between artistic practice and academia be stabilized, where does it dissolve, and where does hybridity become productive? In what sense do aesthetic practices performatively challenge the logics of institutionalized academia?

We anticipate your abstracts of max. 350 words, keywords, and a short bio-note by 1 July 2015 at graduateconference@normativeorders.net.

Childcare will be available during the conference. Authors of accepted papers can apply for a travel grant. Further details will be given in future correspondence. If you have any questions or concerns, please do not hesitate to contact us.

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