Clues, Careers, and Curricula – How to Do Global International Relations? 

Obgleich die Disziplin der internationalen Beziehungen global sein will, bleibt sie allzu häufig von westlichen Wissenschaftlern dominiert. Doch wie kann internationale Politik anders gedacht werden? Welche Perspektiven ergeben sich auch für westliche WissenschaftlerInnen aus einem Perspektivwechsel? Und welche Herausforderungen bringt dies mit sich?

Von Felix Anderl, Stefan Kroll, Philip Wallmeier und Antonia Witt

Die akademische Disziplin der Internationale Beziehungen (IB) wird zunehmend dafür kritisiert, dass sie nur eine sehr eingeschränkte, letztlich europäisch-amerikanische Perspektive auf internationale Politik widergebe. Als Reaktion auf diese Kritik wurde der Ruf nach einer globaleren IB laut. Wie genau aber macht man globale IB? Dieser Frage nimmt sich ab heute eine Artikelserie zum Thema “Globale Internationale Beziehungen (IB)” an, die auf dem Blog https://trafo.hypotheses.org/4831 zu lesen ist. Als HerausgeberInnen der Reihe vom Exzellenzcluster Normative Ordnungen in Frankfurt am Main laden wir Sie herzlich ein, zu lesen, zu diskutieren – und auch dazu Ihren eigenen Beitrag einzureichen. Für die ersten Wochen haben wir bereits eine herausragende Auswahl an Perspektiven auf globale IB zusammengestellt, die von Amitav Acharya, Catherine Baker, Frank Mattheis und Anthoni Van Nieuwkerk angeführt wird. Es folgen Beiträge von Jungen und Erfahrenen, von Lehrenden in China und Lernenden in Russland, Blicke von ‚gelernten IBlern’ und von den scheinbaren Rändern der Disziplin.

IB globaler machen!

In den letzten Jahren wurde den IB von verschiedenen Seiten vorgeworfen, ihr Kanon repräsentiere nur sehr eingeschränkte Erfahrung von internationaler Politik: Anstatt sich methodologisch und theoretisch der Diversität globaler Vergesellschaftungsprozesse zu öffnen, verbleibe ein Großteil der tonangebenden ForscherInnen in der Disziplin alten Denkmustern verhaftet – trotz des Anspruches „globales Wissen“ über „globale Phänomene“ zu produzieren.

Diese Kritik war auch der Ausgangspunkt eines gerade erst beginnenden Reflexionsprozesses, der seine stärkste Institutionalisierung bei der International Studies Association (ISA) im Jahr 2015 erhielt, als diese ihre Jahrestagung zum Thema “Global IR and Regional Worlds: A New Agenda for International Studies” abhielt. Die Konferenz war Teil einer breiteren Agenda, die der damalige Präsident der ISA Amitav Acharya „Global IR“ nennt. Unter diesem Banner fordert Acharya ein Forschungsprogramm, das in einer multiplexen Vorstellung der Welt situiert ist, anstatt dem westphälischen Denken verhaftet zu bleiben. Historische und zeitgenössische Ideen und Erfahrungen aus den diversen Regionen der Welt sollen zum Nährboden der Disziplin werden, um Ansprüchen an Internationalität in den verwendeten Konzepten, Methoden, Themen und Protagonisten besser zu entsprechen.

Globale IB: Ja, aber wie?

Dieser prominente Aufruf zu einer globaleren Disziplin ist der Ausgangspunkt für unsere Blogserie, zu der wir Sie herzlich einladen: als LeserIn, KommentatorIn oder AutorIn. Die Artikelserie wird WissenschaftlerInnen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen, die ihre Ansätze schildern, um verschiedene Antworten auf die Frage zu geben, wie IB globaler werden könnte. Denn während wir den Aufruf zu einer globaleren Disziplin und damit auch die Kritik an der ‚traditionellen‘ IB teilen, glauben wir, dass es mehr als Deklarationen braucht, um die Disziplin wirklich zu einer globalen zu machen. Diese Blog-Serie wird deshalb über Slogans hinausgehen und konkrete Beispiele und Denkansätze aus der Forschungspraxis zusammenbringen, die als Vorschläge für eine globalere Disziplin dienen sollen.

Dieses Vorhaben verwirklichen wir in wöchentlichen Blog-Posts zu den Feldern Wissensproduktion (clues), Berufswegen und Hochschulpolitik (careers) sowie Lehrkonzepten (curricula). Nach einem einleitenden Beitrag von den HerausgeberInnen werden diverse Beiträge zu lesen sein. Zudem hoffen wir auch auf Reaktionen– sei es in Form von Kommentaren unter den Artikeln oder als eigene Artikel. Für letztere schreiben sie uns bitte an globalir@normativeorders.net

Die Artikelserie soll keine Patentlösungen für “globale IB” präsentieren. Vielmehr wollen wir eine Bühne für eine offene und kontroverse Debatte bieten, die hoffentlich dazu beiträgt, die Disziplin inklusiver, adäquater und globaler zu machen. Machen Sie mit!

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