Junge AFK Workshop 4: Skills für Demokratie – transparent, gewaltfrei und handlungsfähig

Workshopleitung: Jan Möller

Welche Zielgruppe ist angesprochen? Welche Vorkenntnisse sind erforderlich? 

Alle*, die sich im Sinne der Friedens- und Konfliktforschung vorstellen können, Impulse zur Intervention in das „KleinKlein“ der Realpolitik zu geben und zu bekommen sowie jene, die radikal-reformistischen, prozessorientierten aber konsensualen Lösungen offen gegenüberstehen. Erfahrungen in der (machtpolitisch eingebundenen) Meinungsfindung und gemeinsamen Planung von Maßnahmen sowie deren Umsetzung sind nicht erforderlich, aber wichtiger Anknüpfungspunkt für die Diskussionen. Die Nutzung von oder Offenheit gegenüber, aber auch die (berechtigte) Ablehnung von digitalen Tools ist Bestandteil. Sich damit auseinander gesetzt zu haben erleichtert den Diskurs, ist aber ebenfalls nicht der Schwerpunktteil.

 

Was wird thematisiert? Wie steht das im Bezug zum Tagungsthema?

Wir starteten das stipendiatische Projekt „skills for democracy“ innerhalb der Hans-Böckler-Stiftung, um gezielt diejenigen zusammenzubringen, die sich in den politischen Gruppen (wie zB. antifaschistische, ökologische oder andere Basisgruppen, lokale Protestgruppen, Satzungsgremien von Hochschulen, Gewerkschaften, Parlamenten oder Parteien und auch Lesekreise, reine Diskussionsgruppen oder self-empowerment-Netzwerke) neben inhaltlichen Fragen und verantwortungsvollen Aufgaben den gruppendynamischen Prozessen widmen. Oft passiert dies unterbewusst oder bewusst lenkend oder einschränkend, die Gruppe motivierend oder verheerend egozentrisch. Diese Menschen sind darin befähigt und geübt, Form und Inhalt, also Prozesse und Positionen in ein gutes Zusammenspiel zu bringen und bestimmte Ziele zu erreichen und/oder Prinzipien und Werten gerecht zu werden. Häufig entstehen aber Probleme, sobald sie (1) aus der Gruppe verschwinden oder die Intensität des Engagements verringern, sie (2) ihre Position(en) verändern, sie (3) von anderen verdrängt oder aggressiv ersetzt werden oder sie (4) von anderen Gruppenmitgliedern weniger Unterstützung erhalten.

Gute Erfahrungen konnten gesammelt werden in Gruppen übersichtlicher thematischer Bereiche (fachspezifisch) begrenzter Größe bzw. Alterszusammensetzung (kleinere Gruppen junger Erwachsener) und bestimmter Zielvorstellungen (Wertekanones, Satzung/Geschäftsordnung, Projektparameter). Die dabei gesammelten Erfahrungen flossen zusammen mit neuen Aspekten, die durch die Digitalisierung der letzten Jahre aufkamen (zB. Datenschutz, Erreichbarkeit). Es bildeten sich einige Best-Practise-Beispiele heraus, die stets neu diskutiert und angewandt wurden, jedoch weder verallgemeinert werden konnten, noch in der Tiefe und losgelöst von der eigenen Dynamik analysiert oder in längerfristigen Beobachtungen bewertet werden konnten.

Als Ausgangspunkt kann zumindest folgendes festgehalten werden: Allen Engagements ist gemeinsam, dass wir in Gruppenprozessen bestimmte Themen bearbeiten und hierfür formelle und informelle Abläufe, Hierachieebenen, Zeitaufwände und ihre Vergütungen/ Anerkennungen, Kooperation oder Abgrenzung zu anderen Gruppen ablaufen und bewusst oder unbewusst Methoden zur Gestaltung einzelner Treffen und strategischer Ausrichtungen anwendet werden. Allen ist außerdem gemeinsam, dass manche dieser Prozesse teilweise oder vollständig digital geschehen und man sich oft bemüht, dadurch eine transparentere, integrativere, flexible und trotzdem effektive Organisation aufzubauen.

Einigen dieser Aspekte ist außerdem gemein, dass sie sich durch die Werte, Methoden und Prinzipien der aktiven Gewaltfreiheit deutlich verändern und zum Besseren entwickeln lassen. Für die Konzeptionierung unserer Workshops gaben wir uns selbst also folgende Stichworte, für die wir ab sofort Referentinnen und Multiplikatorinnen suchen: Gewaltfreie Kommunikation, Erfahrungen, Transfer von Kompetenzen/Wissen/Netzwerk, Machtstrukturen, Transparenz, Interventionsmöglichkeiten, Resilienz, Moderation, Mediation, Feedbackkultur, Strategien der Organisation auf Ebenen des Individuums und der Gruppe(n), digitale Tools, Datenschutz und Verhältnis von online/offline Tätigkeiten. Wir werden im Sommer zusammenkommen, um über diese Dinge Impulsreferate zu erhalten, sie zu diskutieren, zu üben und sie so zu dokumentieren, dass sie einerseits die Beobachtung und Mitwirkung von außen zulässt und andererseits, dass daraus technisch versierte Menschen eine Grundlage für die Feststellung von Parametern erhalten.

 

Als konkrete Ergebnisse möchten wir verfolgen: 

  1. Leitfaden: Eine Handreichung und ein dazugehöriger Anwendungsleitfaden für die diverse Gruppen auf deutsch und englisch
  2. skills4democracy-App / Browseroberfläche /Website: Ein Lastenheft erstellen und schon erste Schritte für die Umsetzung planen

 

Wir möchten bei Euch generell dafür werben,

  • an den Seminaren und Workshops mit euren Erfahrungen und Ideen teilzunehmen,
  • an der Erarbeitung von Leitfaden und Lastenheft mitzuwirken,
  • Feedback und Feed Forward zu geben,
  • das Projekt und seine Ergebnisse zu verbreiten,
  • Euch an einem möglichen Stammtisch in Hamburg langfristig zu beteiligen
  • in einem wachsenden Netzwerk diese Plattform und Inhalte weiterzuentwickeln
  • mit uns nach Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen
  • Menschen zu finden, die an so etwas programmieren könnten
  • Angebote zu schaffen, die praktische (Friedens-)arbeit mit den Gruppen durchzuführen

 

Insbesondere im Rahmen dieses Workshops auf der Tagung bietet es sich an

  • Eure Eindrücke als Außenstehende zu sammeln und zu diskutieren – Eure Hinweise auf Literatur, andere Akteur*innen und mögliche künftige wissenschaftliche Arbeiten zu erhalten – Euch zur Mitarbeit, vorbereitenden Vernetzung oder auch kritischen Diskussion unseres Ansatzes einzuladen – mit Euch natürlich insbesondere zu besprechen, ob und wie dies friedenswissenschaftlichen Ansätzen entspricht oder widerspricht und ob ihr die Hoffnung teilt, dass bessere Prozesse auch „bessere“ Inhalte hervorrufen.

Das heißt: selbst wenn ihr nicht teilnehmen könnt, sind uns Eure Beiträge unheimlich wichtig. Unter mr-j-m(at)gmx.de seid ihr eingeladen alle Fragen und Anregungen, Kritikpunkte und Hinweise zukommen zu lassen. Wir freuen uns darauf!

 

Didaktik und Material

Der Workshop kommt ohne digitale Hilfsmittel aus. Smartphones, ohnehin in vielen Taschen auffindbar, decken den Bedarf in unserem Format ab. Falls keines vorhanden ist, ist eine Teilnahme trotzdem uneingeschränkt möglich. Voraussichtlich nach einem Input von Jan wird es eine strukturierte und visualisierte Diskussion geben. Ggf. werden bestimmte Tools kurz vorgestellt oder ausprobiert, vor allem aber im Lichte der Teilnehmenden-Expertise betrachtet und beurteilt.

 

Dieses Projekt entstammt dem Mindset von The European Way, einer Gruppe, die glaubt, in globalen Momenten der Krise und verschiedener Machtvakua (Digitalisierung des Arbeitsmarktes, des wiedererstarkenden Nationalismus, der Krise der Mosaik-Linken/ Grünen und des Liberalismus und ökologische und ökonomisch begründete Zuspitzungen von Migration und Armut) kollektive Antworten finden zu können. Diese müssen jedoch organisiert werden und dafür braucht es Methoden und Räume. Diese versuchen wir digital bereitzustellen und ein neues, spürbares Verständnis von „NonViolence, Participation & Equality“ (unsere drei Grundwerte) in die Köpfe und Herzen zu tragen. Grundlage ist radikal verstandene Prozessorientierung und ständige Orientierung an den Grundwerten. Dies bedeutet auch, dass wir offen sind für Projekte, Gruppen und Einzelpersonen, die sich hiermit identifizieren können. Wir verstehen uns dahingehend als eine Bezugsgruppe für Empowerment, Vernetzung und Transfer im Sinne einer friendship-based community und arbeiten interdisziplinär, europaweit und projektbezogen.

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