IB Online (3/4): eine kleine Netzschau

In der heutigen Netzschau geht es um den Anschlag in Boston, die Jagd auf die Täter und die daran anschließenden Debatten. Außerdem gibt es in dieser Woche eine kurze Linksammlung zum ICC.

Der Anschlag in Boston und die Jagd auf die beiden mutmaßlichen Täter Tamerlan und Dschochar Zarnajew hat nicht nur in den Nachrichten sondern in sämtlichen sozialen Netzwerken und auf zahlreichen Blogs schier endlose Reaktionen hervorgerufen. Im Social Media Watchblog erläutert Konrad Weber, was sich an der Berichterstattung über die Anschläge für Veränderungen für den Journalismus ablesen lassen und welche Rolle dabei den sozialen Medien, insbesondere Twitter, zukomme. Auf demselben Blog gibt es zudem einen Beitrag, wie im Internet „Bostons Manhunt“ gefeiert wurde. Im Dangerroom von Wired schreibt Spence Ackermann ebenfalls zur „Modern Manhunt“ und der Präsenz der Polizei von Boston bei Twitter. Mit dem gewandelten Charakter der sogenannten Breaking News beschäftigen sich zudem Beiträge in der New York Times und bei slate.com.

Während sich einige Blogger aus nahe liegenden Gründen zunächst davor verwahrten, verfrüht über die Anschläge von Boston zu bloggen, hat sich Political Violance @ a Glance in zwei Post mit dem Thema auseinandergesetzt und versucht einzuordnen, was man aus den Anfangs spärlichen Informationen und Spekulationen folgern könnte. Dort findet sich z.B. der Verweis auf einen Artikel von Aaron Hoffmann im Journal of Peace Research, der der Frage nachgeht, warum sich Terrorgruppen zu Anschlägen bekennen (pdf). An einem ersten Backgrounder zu den Brüdern versucht sich u.a. David Remnick für den New Yorker. Aufgrund der tschetschenischen Herkunft wurde an verschiedener Stelle auf den Konflikt im „Hinterhof Russlands“ verwiesen sowie auf islamistischen Terrorismus im Kaukasus. Viele nützlichen Links und Literaturverweise dazu hat der Monkey Cage gesammelt. Und der Oxford University Press Blog stellt in einem Post das Buch von Thomas de Wall „Post-Soviet Chechnya and the Caucasus“ vor.

Zu den zahlreichen Spekulationen über die Hintergründe und Motive der Anschläge werden sich vermutlich schnell verschiedene Verschwörungstheorien gesellen. Luke Herrington hat vor diesem Hintergrund einen Post zu Verschwörungstheorien und Internationalen Beziehungen bei e-IR, in dem er für eine bessere Erforschung der „politischen Natur“ solcher Theorien wirbt. Dieser Beitrag hat mich an ein Video erinnert, auf das ich vor einiger Zeit bei der taz gestoßen bin: Dort wurde auf einen Kurzfilm verwiesen, der sich in Anlehnung an die Dokumentation Loose Change über die vermeintlichen Hintergründe der Anschläge vom 11. September 2001 mit dem „inside job“, der zur Zerstörung des Todessterns bei Star Wars führte, beschäftigt.

Luke’s Change: An Inside Job

Ausgehend von einem Post von James Fearon im Monkey Cage, der sich mit der Frage, wie der ICC arbeiten sollte, auseinandersetzt hat sich eine kleine Debatte über diese Frage und den ICC im Allgemeinen entfaltet. Fearon bezweifelt in seinem Post den tatsächlich Einfluss des ICC auf den Rückgang von Menschenrechtsverletzungen. Mit dem Problem der Abschreckungspotentials beschäftigen sich ebenfalls im Monkey Cage Erik Voeten (hier) sowie Lindsay Heger, Eamon Aloyo und Yvonne Dutton (hier in Bezug auf Folter). Schließlich hat auch Kate Corin Furman bei Wroning Rights reagiert und die folgende Sorge artikuliert:

For those specific perpetrators who have already attracted the attention of the ICC, the issuance of a warrant may operate as a license to kill. Once you know that you have the escape route to The Hague in place, whatever restraint was provided by the risk of suffering politically (including, but not limited to, retaliatory killing) for your actions will vanish. This raises the possibility that rather than producing specific deterrence, the ICC could in fact be producing the opposite (specific anti-deterrence?).

Ein stetes Begleitgeräusch der Arbeit des ICC ist zudem ohne Frage die grundsätzliche Kritik der einseitigen Ausrichtung des Gerichtshofs auf Fälle in Afrika. Eine aktuelle Replik zu dieser Haltung findet sich bei African Arguments unter dem Titel: Is the International Criminal Court Really Picking on Africa?

Zu guter letzt habe ich bei Justice in Conflict den Hinweis auf eine TV-Serie zur Arbeit des ICC gefunden. „Crossing Lines“ soll sich allerdings nicht mit den afrikanischen Fällen auseinandersetzen sondern eher auf Europa fokussieren; die zehn Folgen werden im Sommer anlaufen. Hier der Trailer der bei Justice in Conflict eher skeptisch beäugt wird.

Crossing Lines Official Trailer 2013

 Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

Quelle Titelbild: Youtube Screenshot

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: