IB Online (2/3): Eine kleine Netzschau

Am Konflikt um die Zukunft von Ukraine und Krim kommt die Netzschau dieser Woche natürlich nicht vorbei. Das IB-Netz wartete allerdings in den vergangenen Tagen auch noch mit Anderem lesenswerten auf. Los geht’s…

Der Konflikt in der Ukraine

Obwohl oder gerade weil es eine Unmenge an Blogbeiträgen zur Situation in der Ukraine gibt, ist es ziemlich schwierig eine sinnvolle Auswahl an Lesenswertem zu treffen – das insbesondere auch weil sich die meisten Beiträge (notgedrungen) mit eindimensionalen Erklärungen begnügen. Empfehlenswert finde ich dennoch die folgenden Texte: Auf Political Violence at a Glance findet ihr Q&As rund um das angekündigte Krim-Referendum sowie eine rationalistische Erklärung des russischen Verhaltens („window of opportunity“) sowie möglichen Gegenmaßnahmen („make intervention costly for Russia“; „credible commitment“). In eine ähnliche Richtung argumentiert Stefan Engert im Sicherheitspolitik-Blog (siehe auch Klaus Segbers Beitrag im Sipo-Blog). Eine willkommene Abwechslung zu den begründeten Spekulationen über Sinn und Zweck unterschiedlicher internationalen Politiken ist ein Hintergrundstück über die Rolle und Sorgen der der EU zugeneigten Krim-Tartaren.  

Derweil spricht fast niemand mehr von den Protestierenden auf dem Maidan. Bewegte Bilder von dort und anderswo bekommt ihr via Netzpolitik im Format Jung und Naiv, garniert mit Interviews mit Journalisten, Politikern und Aktivisten in Lviv und Kiev. Über das Leid der europäischen Rechtsextremisten (Widerspruch?) und Nationalisten im Fall der Ukraine berichtet Publikative.org. Dem rechten Block auf dem Maidan widmet sich auch ein Reportagestück auf Foreign Policy.

Al Qaida und Ayman az-Zawahiri

Obgleich die bis kurz nach 9/11 operierende Kern-Organisation Al Qaida sowie ihre spärlichen Überreste seit Ende 2001 immer noch nicht umfassend entschlüsselt sind, gilt als sicher, dass Ayman az-Zawahiri nach Osama bin Ladens Tötung 2011 als ehemaliger zweiter Mann die Führung der Organisation übernommen hat und die Führung der transnationalen dschihadistischen Bewegung beansprucht. Ob er diesen Anspruch einlösen kann, darf bezweifelt werden. Tatsächlich wird seit 2011 über seine Relevanz diskutiert und diese – wie im Fall von ISIS in Syrien – herausgefordert. Dass Zawahiris aber entgegen aller Unkenrufe noch auf manch relevante Gruppe ideologischen Einfluss hat, legt ein Beitrag auf Jihadology (Achtung, „graphic images“!) nahe.

Katar gegen den Rest am Golf?

Unter der Woche sorgte die Meldung, dass Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain ihre Botschafter aus Katar abziehen für Aufsehen, stellt ein solcher Akt schon eine mittlere Stufe der diplomatischen Eskalationsleiter dar. Ein Beitrag auf Foreign Policy erklärt den Konflikt zwischen den (ehemals) alliierten Golfstaaten und beurteilt Katars politische Zukunft skeptisch, während auf Foreign Affairs einen positiveren Ausblick wagt und in Katars Annäherung an den Iran und Oman einen Wandel in der Machtstruktur des Mittleren Ostens attestiert.

Sexuelle Gewalt

Als sexuelle Gewalt wird in der Regel jede Form der körperlichen Beeinträchtigung einer Person in sexueller Hinsicht unter Zwang bezeichnet. Obwohl das Thema in den letzten Jahren zunehmend Beachtung gefunden hat, bedarf es der stetigen Sensibilisierung. Daher ist die jüngste Initiative von US-Außenminister Kerry und seinem britischen Amtskollegen William Hague unbedingt zu begrüßen, sexueller Gewalt effektiver vorzubeugen und Täter wirksam zu bestrafen. Ob dies allerdings mittels der Versicherheitlichung von sexueller Gewalt als „national security imperative“ gelingt, darf bezweifelt werden. Des Weiteren leidet der Vorstoß an den Vorstellungen, sexuelle Gewalt sei erstens vor allem eine „Waffe des Krieges“ und nicht mitunter ein weit verbreitetes, möglicherweise kulturell verankertes (und damit auch ziviles) Problem und zweitens ein Problem kriegsgebeutelter Staaten des globalen Südens (siehe bspw. die Lage in der EU).

Think Tanks und Politisierung

Kannst du dir vorstellen bei einem Think Tank zu arbeiten? Policynahe Forschung ohne lästige Theoretisierung, abwechslungsreich und obendrein noch politikberatend, das klingt verlockend. Obgleich es das durchaus sein kann, wird oft übersehen, dass Think Tanks nicht selten veritable politische Agenden verfolgen und von Parteilosigkeit, Neutralität oder Differenziertheit manchmal keine Rede sein kann. Ein Grund dafür liegt in finanziellen Abhängigkeiten und der Intransparenz ebendieser finanziellen Förderung. Ein Beitrag im IR-Blog fordert daher, Denkfabriken sollten derlei Informationen freiwillig offenlegen, um ihrer Rechenschaftspflicht nachzukommen.  

„The Unknown Known“

Donald Rumsfeld, seines Zeichens ehemaliger Verteidigungsminister der Falkentruppe um G.W. Bush und beinahe Präsident „back in the days“, dürfte wegen vielerlei Entscheidungen und Aussagen in Erinnerung bleiben. Dazu gehört beispielsweise auch seine beinahe philosophischen Ausführungen über das Bekannte und Unbekannte im Jahr 2002. Während diese Sequenz sicherlich zur Satire, aber auch zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung anregt, kommt im Sommer dieses Jahres eine Doku über Rumsfeld mit dem Titel „The Unknown Known“ in die Kinos. Die Kings of War haben ein paar Zeilen über den Film geschrieben. Der Trailer sieht schon einmal super aus:

Vergessene Konflikte

Seit Beginn des Jahres habe ich einen neuen Newsletter abonniert und bekomme einmal pro Woche Informationen zu einem „vergessenen Konflikt“ serviert. Ich muss zugeben, hin und wieder vergesse ich die E-Mail zu lesen. Aber wenn nicht… es ist schon erstaunlich, von welchen Konflikten man noch nie etwas gehört hat. Diese Woche erging es mir so als ich den Text zum Autonomiestreben der Kurden im Iran gelesen habe.  Vielleicht geht es euch ja ähnlich.

Organisierte Kriminalität in den Amerikas bekämpfen

Wer sich für das Problem organisierter Kriminalität und ihre Bekämpfung interessiert für die/den dürfte ein Aufsatz von Thomas Bruneau auf E-IR von Interesse sein. Bruneau stellt die Gefährdung durch kriminelle Jugendgangs dar und argumentiert, dass eine effektive Bekämpfung durch bessere Geheimdienstkooperation erreicht werden könne.

Du suchst ein Praktikum? Meld dich mal bei Twitter in Silicon Valley!

So, und zum Abschluss einer mal wieder düsteren Netzschau ein Lichtblick am Horizont. Wenn du noch studierst, am Ende des Studiums stehst oder gerade fertigt bist und auf der Suche nach einem irre bezahlten (fachfremden) Praktikum bist, habe ich dank eines Seitenblicks aus der IB- in die 3w-Nerd-Welt einen kleinen Tipp für dich: Frag doch mal bei Twitter nach! Der Kurznachrichtendienst zahlt schlappe 7000 $ pro Monat – vorausgesetzt du ziehst ins Silicon Valley.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Dir fehlt ein wichtiger Hinweis? Wir freuen uns über Deine Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

One comment

  1. Danke, besonders für den Link zu uns & die vergessen Konflikte & „known unknowns“.

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