IB Online (1/12): Eine kleine Netzschau

In der heutigen Netzschau geht es um den Erdölhandel des IS, die regionale Rolle der Kurden, die RightsUpFront-Initative der UN, Nord-Süd-Narrative und –Praktiken, tödlichen Protest in Tibet, das UN Committee on Torture und die Erfindung der Korruption.

zoon politikon Autofahren für ISIS

Ali Arbia antwortet bei zoon politikon auf die Anfrage einer Leserin, die sich über den Zusammenhang von sinkenden Benzinpreisen und dem Erdölhandel des IS erkundigt. Er verweist zunächst auf die Unsicherheit, die die Schätzungen über die Einnahmen des IS durch Erdölverkauf schwierig machen. In dem Beitrag findet sich auch ein Verweis auf einen Podcast der den internationalen Ölschwarzmarkt erklärt. Aufgrund der Komplexität dieser Zusammenhänge kommt er zu dem Schluss:

An der Tankstelle ist es nicht mehr nachvollziehbar wo der ursprüngliche Rohstoff herkam. Aber wenn wir annehmen, dass überall ISIS Öl drin steckt, handelt es sich um eine sehr bescheidene ‚Spende‘.

Le Monde diplomatique Die Kurden, eine neue Ordnungsmacht

Auch in diesem Beitrag geht es indirekt um den IS. Allan Kaval geht in seinem Artikel der Rolle des „kurdischen Faktor“ in dem Konflikt und der Region nach. Auf den ersten Blick erscheint es überraschend, den Kurden ohne eigenen Staat den Status einer Ordnungsmacht zuzuschreiben. Der Artikel skizziert, die Rolle der Kurden im Kampf gegen den IS und politische Konflikte innerhalb des kurdischen Lagers. Diese inneren Konflikte stehen dem Autor zufolge der Wahrnehmung der Kurden als „Bollwerk gegen die islamistische Terrormiliz“ entgegen:

Die Kurden werden als homogene politische Kraft wahrgenommen, obwohl die innerkurdischen Bruchlinien durch den Kampf gegen den gemeinsamen Feind nur teilweise überdeckt werden. Die kurdische Welt bleibt gespalten. Ihre politischen und militärischen Akteure setzten im Lauf der Geschichte auf ganz unterschiedliche und widersprüchliche Allianzen.

International Coalition for the Responsibility to Protect Rights Up Front and Protection of Civilians: An Uneven First Year

Auf dem ICRtoPBlog wird eine Bilanz über die Initiative Rights Up Front in den Vereinten Nationen gezogen, die vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Die Initiative soll den Menschenrechtsschutz in alle Programme der UN integrieren:  „By emphasizing timely reporting and early warning, Rights Up Front seeks to prevent human rights abuses before they rise to the level of mass atrocities.”. Die Bilanz fällt allerdings gemischt aus:

While Rights Up Front is a promising initiative, noteworthy for rallying the efforts of the UN behind the human rights cause, implementation has been checkered so far. […] To truly learn the lessons of the past and maximize civilian protection, an honest and more in-depth assessment of the initiative and its implementation is needed as its one-year anniversary arrives.

Ibraaz The North of the South and the West of the East

Auf der Platform 008 geht Ibraaz der folgenden Frage nach: How do we productively map the historical and contemporary relationships that exist between North Africa, the Middle East and the Global South? Hinter dem Link verbergen sich eine Reihe von Essays und Interviews zum Thema. Unter anderem werden die kartographische Dimension und die Praktiken des „naming und maping“ beleuchtet. Ein weiterer Beitrag analysiert das Narrative des „globalen Südens“.

Krautreporter Zwischen Hoffnung und Verzweiflung (hier Teil 2)

Bei den jetzt schon seit einem Monat sehr lesenswerten Krautreportern gibt es eine zweiteilige Reportage zu tödlichem Protest, Selbstverbrennungen und zur politischen und gesellschaftlichen Situation in Tibet. Im ersten Teil werden die unterschiedlichen Player in den Protesten vorgestellt. Im zweiten Teil geht es um die Rolle der Exilregierung und das Schweigen des Dalai Lama.

New York Times U.N. Panel Cites Concerns With U.S. Security Practices

Dieser Artikel in der New York Times diskutiert die Ergebnisse des United Nations Committee on Torture und die Aufforderung an die USA in ihrer Sicherheitspolitik den Vorgaben der UN-Konvention gegen Folter zu folgen. Insbesondere der Zustand in Guantanamo wird demnach kritisiert:

Committee members were particularly disturbed by reports of the “draconian system of secrecy” surrounding high-value detainees at the detention center at Guantánamo Bay, Cuba. The prison reportedly hid detainees’ claims of torture from investigators, and the panel warned that indefinite detention of terrorist suspects without charge or trial would be considered a breach of the anti-torture treaty.

 

eutopia Die Erfindung der Korruption in Europa

Jens Ivo Engels analysiert in diesem Artikel (und in seinem Buch „Die Geschichte der Korruption“) den Zusammenhang zwischen der Konstruktion politischer Korruption und dem Projekt der Moderne in Europa. Er argumentiert, dass es zentral sei Praktiken der Korruptionskritik und tatsächliche Korruptionspraktiken analytische nicht in einen Topf zu werfen. Ein Korruptionsvorwurf ist immer auch ein moralisches Argument. Das historische gewachsene Verständnis von Korruption wirkt dabei bis in die heutige Antikorruptionsagenda nach:

Wie lange solche Vorstellungen nachwirken, zeigen die Korruptionswahrnehmungsindices der internationalen Antikorruptionsagentur Transparency International. Sie reproduzieren alljährlich diese alte Weltordnung der Moral: Je westlicher (und protestantischer) ein Land geprägt ist, umso geringer der Korruptionsfaktor.

In die gleiche Richtung geht ein Kommentar von Ronald Kroeze zur noch recht jungen Korruptionsforschung in den Geschichtswissenschaften und die Bedeutung des historischen Kontexts für die heutige Anti-Korruptionsagenda findet sich beim Anti-Corruption Research Network von Transparency International.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Dir fehlt ein wichtiger Hinweis? Wir freuen uns über Deine Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

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