IB Online (3/9): Eine kleine Netzschau

Der Herbst hat begonnen und das neue Wintersemester steht vor der Tür. In ungefähr vier Wochen geht es zurück in die Seminarräume. Die Netzschau dieser Woche legt daher einen Fokus auf das Thema Bildung, ergänzt durch ausgewählte Beiträge zu Entwicklungszusammenarbeit und Terrorismus.

Also… Angenommen du studierst Politikwissenschaft. Wie studierst du? Und: Nach welchen Kriterien wählst du deine Seminare aus? Die Fragen mögen vielleicht auf den ersten Blick banal klingen, sie sind es aber nicht.

Angesichts des Semesterbeginns in den USA wimmelt es im Netz zurzeit von Ratgebern für Erstsemester und Studierende. Steven Walt hält für „would-be foreign policy wonks“ und Joseph Young für „students of political violence“ eine ganze Reihe Tipps parat. Vielversprechende Tipps gibt auch Chris Blattman in seinem Beitrag „10 things I tell undergraduates“. Dort habe ich auch den Verweis auf eine mit „College Advice“ betitelte und lesenswerte Beitragsreihe der New York Times gefunden, in der Koryphäen unterschiedlicher Fächer (u.a. Martha Nussbaum) Studierenden Hinweise für die Gestaltung ihres Studiums geben.

Ehrlich gesagt handelt es sich um Listen von Selbstverständlichkeiten, aber – seien wir ehrlich – Selbstverständlichkeiten, die von der absoluten Mehrheit der Studierenden der Politikwissenschaften systematisch missachtet werden, oder?

Interessant finde ich einen Beitrag eines Studierenden der Columbia Universität in NYC. Er beklagt „the lack of research and skills training“ in seinem Studium. Das klingt vertraut, schließlich steht es um die methodische Ausbildung und die praxisnähe deutscher Studiengänge im Bereich Politikwissenschaft nicht besser, sondern eher noch schlechter (siehe auch die jüngste Debatte in der Zeit und im Theorieblog).

Apropos wissenschaftliches Arbeiten: Wie hart arbeiten Wissenschaftler überhaupt? Über das Blog von Chris Blattman bin ich auf eine Studie gestoßen, die die Arbeitsgewohnheiten und Arbeitszeiten von Wissenschaftlern aus China, den USA und Deutschland vergleicht. Und: Das Blog zur Konferenz „Rezensieren – Kommentieren – Bloggen“ stellt eine Frage zur Diskussion, die vermutlich jede/r Studierende sich angesichts der Wortschwülste ihrer Professoren oder Kommilitonen bereits mindestens einmal gestellt hat: Wie viel Verklausulierung braucht Wissenschaftssprache eigentlich?

Abschließend sei auf das großartige Arte-Format „Mit offenen Karten“ verwiesen, dass sich in der folgenden Ausgabe den geopolitischen Aspekten der Hochschulbildung gewidmet hat:

Wie angekündigt, dreht sich die Netzschau aber nicht nur um Bildung. Vergangene Woche sind mir auch im Bereich Entwicklungszusammenarbeit (EZ) einige interessante Beiträge aufgefallen. Während auf Global Dashboard Seth Kaplan fragt, ob EZ Pakistans wirtschaftlicher Entwicklung auf die Sprünge helfen kann, diskutiert ein ODI-Papier die Argumente und Vorschläge zur Aufnahme eines Entwicklungsziels „Sicherheit“ in der post-MDG Ära (MDG = Millenium Development Goals).

Neben der Bedeutung der Schaffung von Sicherheit, Jobs und Wachstum Gerechtigkeit für Entwicklung in fragilen Staaten, gelten Wahrheitskommissionen als Allheilmittel der Konfliktbearbeitung in solchen Kontexten. Ein Beitrag auf Duck of Minerva diskutiert sich der Sinnhaftigkeit dieses Ansatzes. Dem Sinn und Unsinn von EZ im Allgemeinen widmet sich ein Beitrag auf e-ir.com. Wer auf der Suche nach weiterem Lesematerial zu Entwicklungspolitik ist: Blattman hat in seinem Blog den Seminarplan eines von ihm an der Columbia University gegebenen Kurses veröffentlicht.

Und schließlich zum Thema Terrorismus: Dass der „global war on terror“ das Problem des Terrorismus bisher nicht lösen konnte, dürfte eine Binsenweisheit sein. Welche Auswüchse er dennoch angenommen hat, deutet eine Meldung auf Spiegel Online von vergangener Woche an: „CIA-Kooperation mit Gaddafi: Foltern als Freundschaftsdienst“.

Anstatt Menschenrechte zu verletzen, dürfte es eine vielversprechende Strategie sein, Menschenrechte zu schützen und die staatliche Performance zu verbessern: Auf Political Violence @ a Glance stellt Joseph Young eine Studie vor, die zeigt, dass nicht die Förderung von Militär, sondern der Aufbau eines funktionierenden Rechtssystems und starker, rechenschaftspflichtiger Institutionen das Potential haben Gewalt zu reduzieren.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

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