IB Online (3/10): Eine kleine Netzschau

Nachdem sich die Netzschau der vergangenen Woche dem Friedensnobelpreis gewidmet hat, sollen in der heutigen Ausgabe Links zum Nobelpreis in den Wirtschaftswissenschaften nicht fehlen. Außerdem gibt es Links zu neuen und kommenden Büchern über die Zukunft der Entwicklungspolitik.

East Side Galery 2009 | Photo by URBAN ARTefakte (CC BY-NC-ND 2.0) via flickr

Der diesjährige Nobelpreis in den Wirtschaftswissenschaften ist an Eugene Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller verliehen worden. Eine Reihe (z.b. hier) von Backgroundern zu den Preisträgern findet sich bei Marginal Revolution (hier die Liste von Brad DeLong) sowie eine umfassende Linksammlung bei Economist’s View. Bei Crooked Timber stellt John Quiggin die Frage, warum es überhaupt einen Nobelpreis in den Wirtschaftswissenschaften gebe, da die Disziplin höchstens einen „pre-scientific“ Status erreicht habe. Um die gleiche Frage dreht sich auch ein Interview mit Philip Mirowski auf der Website des Institute for New Economic Thinking.

Auf dem Blog Rational Irrationality des New Yorker erklärt John Cassidy, warum der diesjährige Nobelpreis bei all dieser Kritik bemerkenswert und ironisch zugleich ist. Mit Shiller und Fama wurde nämlich zwei Wissenschaftlern der Nobelpreis verliehen, die eigentlich widerstreitende Ansätze vertreten, wie bei John Kay – Accessible & Relevant Economics erläutert wird (dazu auch Gavyn Davies in seinem Blog bei der Financial Times). Shiller ist seines Zeichens Vertreter der „behavioural economics“, die (seh verkürzt gesagt) anders als klassische Ökonomen ihren Modellen nicht komplette Rationalität zugrunde legen. In seinem Buch (mit Co-Author George A. Akerlof) Animal Spirits dreht sich alles um die Rolle menschlichen Psychologie für die Funktionsweise von (globalen) Märkten. Was „behavioural economics“ sind, und was sie und was sie nicht sind diskutiert ein Blogpost und ein Paper des Center for Global Development; bei Not Quite Noahpinion findet sich ein sehr lesenswerter Post zur Frage, ob die Grundannahme der Rationalität für die Wirtschaftswissenschaften überhaupt relevant ist:

Here I would like to propose that the rationality dispute, while important, is not that important (…).  In fact, for most macroeconomic questions whether or not you assume individuals are rational has almost no bearing at all.

Wer es etwas anschaulicher mag, kann sich diesen TED Talk anschauen, in dem sich der Verhaltensökonom Colin Camerer mit Neurowissenschaften, Spieltheorie und Affen beschäftigt.

Da viele (spieltheoretische) Modelle der Wirtschaftswissenschaften auch ihren Weg in andere (sozialwissenschaftliche) Disziplinen gefunden haben, sind solche behaviouralistischen Ansätze auch jenseits der Ökonomie interessant. Das Forschungsprojekt des Laboratory on International Law and Regulation an der University of California, San Diego verfolgt einen entsprechenden Ansatz, wie sich im Working Paper „A Behavioural Approach to International Cooperation“ (pdf)nachlesen lässt. Bei Opinio Iuris diskutiert Tomer Broude sein Paper „Behavioural International Law“  und fragt in diesem Blogpost nach dem Nutzen (hier eine Einführung und hier sein methodologischer Rahmen).

Zukunft der Entwicklungspolitik

Im Anschluss an diese Links aus den Wirtschaftswissenschaften möchte ich noch auf fünf Bücher und entsprechende Blogposts zur (Zukunft der) Entwicklungspolitik verweisen:

Zum Abschluss…

Ein neues Blog hat das Ward Lab – für alle, die sich für die Vorhersage von Konflikten und entsprechende Modelle interessieren, ist Predictive Heuristics einen Klick wert! Ein erstes Blogpost beschäftigt sich mit Konflikten in der thailändischen Politik.

Nachdem Felix im Bretterblog ja schon einen sozialwissenschaftlichen Blick auf Breaking Bad geworfen hatte, soll zum Abschluss der Verweis auf eine literarische Betrachtung der amerikanischen Serie bei Duck of Minerva nicht fehlen. Und wo wir schon dabei sind: Das New York Review of Books hat eine lesenswerte und umfangreiche Rezension zu George R. R. Martin’s Song of Ice and Fire, die zu dem Schluss kommt, dass „whatever climax it may be leading to, however successfully it realizes its literary ambitions, George R.R. Martin’s magnum opus is a remarkable feminist epic“.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren! Alle bisher veröffentlichten Netzschauen findet Ihr hier.

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