Sind wir (noch) politisch? Die Gretchenfrage der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland damals und heute

Im Oktober war in der FAZ ein Mahnruf an das Fach Politikwissenschaft zu lesen: Zentrale Fragen der Politikwissenschaft und der politischen Theorie nach den normativen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens würden zugunsten ökonomisch verwertbarer Ergebnisse verdrängt. Mit zunehmender Ökonomisierung und Mathematisierung verliere die Politikwissenschaft die Theorieentwicklung aus dem Blick, so der Vorwurf. Empirisch unterfütterte, gehaltvolle Theorien sind aber Voraussetzung für fundierte Politikberatung. Daher geht mit dieser Ökonomisierung der Politikwissenschaft auch ein Verlust zur normativen Bewertung des Erforschten einher. Haben wir der Gesellschaft also noch etwas Substantielles mitzuteilen, oder beschränken wir uns auf die empirische Analyse dessen was ist, ohne zu fragen was sein sollte? Ich habe keine endgültigen Antworten auf die hier gestellten Fragen. Dieser Beitrag soll vielmehr eine Art Bestandsaufnahme sein und Euch, liebe LeserInnen, zur Diskussion anregen – also füllt unsere Kommentarspalte!

Oben benannter Trend ist auch in der Friedens- und Konfliktforschung zu beobachten: Zwar gehört eine normative Orientierung im Sinne einer Forschung für den Frieden immer noch zum Selbstverständnis der deutschen Friedensforschung, ebenso wie der konkrete Anwendungsbezug und eine interdisziplinäre Ausrichtung. Vergleicht man aber die aktuell nachwachsende ForscherInnen-Generation mit den FriedensforscherInnen der 60er und 70er Jahre, so fallen mir zwei Dinge ins Auge: Die Zeit der großen Theorien in den IB und der Friedensforschung scheinen vorbei zu sein. Darüber hinaus erscheinen heutige Studierende und junge Akademiker teilweise nahezu unpolitisch, wenn man den Vergleich zu den ideologischen Grabenkämpfen früherer Tage zieht.

By Photographer Jason Wilson, hive at flickr.com (http://flickr.com/photos/hive/354934043/) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

By Photographer Jason Wilson, hive at flickr.com (http://flickr.com/photos/hive/354934043/) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Das ist Vor- und Nachteil zugleich: Die Entpolitisierung der Friedensforschung und auch der IB als Ganzes war sicherlich ein wichtiger Schritt für deren Professionalisierung in Deutschland. Heute herrscht allerdings oftmals eine gewisse Sprachlosigkeit angesichts der politischen Probleme unserer Zeit: Trotz Eurokrise, NSA-Affäre, Krieg gegen den Terror und dem Scheitern im Afghanistan-Krieg findet die entsprechende Forschung erstaunlich wenig Öffentlichkeit, zumindest in Deutschland. Doch wohin führt das?

Richtungsweisende Politikempfehlungen aus der Friedensforschung, die sich auch mal gegen den politischen Mainstream stellen, sind selten; dafür nimmt die konkrete, kleinteilige und lösungsorientierte Politikberatung für die Bundesministerien oder Durchführungsorganisationen wie die GIZ zu. Ist das die Zukunft der Friedensforschung? Ist sie damit endgültig zur Stütze der herrschenden Verhältnisse geworden, indem sie Herrschaftswissen zur Befriedung und Unterdrückung von Konflikten bereitstellt? Diesen Vorwurf richtete die kritische Friedensforschung in den 60ern und 70ern an die klassische Friedensforschung. Er findet sich allerdings auch heute vereinzelt in links-radikalen Kreisen, gerichtet z.B. an den Exzellenzcluster zur Herausbildung normativer Ordnungen der Goethe-Uni Frankfurt (à Bereitstellung von Herrschaftswissen) oder den Sonderforschungsbereich SFB 700 in Berlin (à Besatzungswissenschaften). Die empirisch-analytische Untersuchung von Kampfbegriffen wie „Dissidenz“, „Sicherheitskultur“ oder „Herrschaft“ provoziert scheinbar eine Gegenreaktion bei jenen, die meinen, die kritische Betrachtung dieser Begriffe allein schon wegen der eigenen ideologischen Ausrichtung gepachtet zu haben.

Ich glaube nicht, dass Friedensforschung und IB zu unkritischen Stützen „des Systems“ geworden sind. Vielmehr hat die Professionalisierung der Friedensforschung als interdisziplinäres Forschungsprogramm mit klaren Forschungsdesigns und intersubjektiv nachvollziehbaren Operationalisierungen die Bedeutung derselben steigert, da auf Basis empirischer Ergebnisse konkrete Empfehlungen formuliert werden können. Die Ergebnisse der Forschung sind meist kritisch gegenüber dem Status Quo. Nichtsdestotrotz mangelt es oftmals an einer Einordnung solcher Ergebnisse in einen größeren Kontext. Forschungsergebnisse werden, mit wenigen Ausnahmen wie z.B. dem Friedensgutachten, kaum öffentlich wahrgenommen, was auch an einer Zurückhaltung auf Seiten der ForscherInnen liegen mag, sich politisch zu positionieren oder gar auf politisch motivierte Kritik zu reagieren. Dies führt auch dazu, dass viele Menschen überhaupt keine Vorstellung davon haben, was Friedensforschung eigentlich ist. Bei vielen ist die Wahrnehmung der Friedensforschung noch durch die 68er Generation, Friedensbewegung und Anti-Atombewegung der 80er geprägt. Das ist zumindest mein subjektiver Eindruck aus einer Vielzahl von Gesprächen mit Fachfremden und teilweise auch noch richtig. Dass seitdem aber ein starker Wandel der Disziplin stattgefunden hat, wissen viele schlichtweg nicht.

Wie hältst Du‘s mit der Normativität?
Der schmale Grat zwischen Ideologisierter Forschung und normativer Positionierung

Zunächst ein kurzer Rückblick: Kritische Friedensforschung in den 1970ern und 80ern verstand sich selbst als Herrschaftskritik: Durch die Betrachtung gesellschaftlicher Kontexte von Konflikten und der Konfliktursachen wurde eine herrschafts- und konfliktsoziologische Perspektive auf Grundlage von Galtungs Begriff der strukturellen Gewalt eingenommen. Die Beschäftigung mit struktureller Gewalt führte zu einer stärkeren Untersuchung von Entwicklung als Frieden. Imperialismus- und Dependenztheorie wurden prägend für die deutsche Friedensforschung – beides Theorien mit Anspruch auf eine große Reichweite. Die Verbreitung der kapitalistischen Produktionsweise wurde als Hindernis für Entwicklung und damit für den Frieden gesehen, da sie soziale Gerechtigkeit im Sinne gleicher internationaler und gesellschaftlicher Verteilung von Macht und Ressourcen verhindere. Konflikte wurden nicht mehr nur als Gewalteskalation betrachtet, sondern ebenso als Möglichkeit zum Abbau von Gewaltverhältnissen gesehen, welche auf struktureller Gewalt durch soziökonomische Ungerechtigkeit basierten. Der Friedensforscher Lars Dencik rief gar zum Kampf der Friedensforscher gegen den Imperialismus auf. So deuteten bereits die verwendeten Theorien und die zentralen Gegenstände der Friedensforschung auf einen starken normativen Gehalt der Disziplin zu dieser Zeit. Dies führte mitunter auch zu ideologisch gefärbter Forschung am linken Rand und brachte der kritischen Friedensforschung unter anderem den Vorwurf ein, Gewalt zu legitimieren: Wenn das politische System als Herrschaftsordnung basierend auf struktureller Gewalt angesehen werde, dann legitimiere dies Gegengewalt zur Beseitigung dieser Verhältnisse. Dieser damals öffentlich ausgetragene Konflikt war dann schließlich auch Wasser auf den Mühlen der konservativen Kritiker der Friedensforschung und trug Anfang der 80er mit zum Ende der, knapp ein Jahrzehnt zuvor geschaffenen, Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) bei. Nach diesem Streit verlor die Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland ein wenig an Bedeutung.

Mit den neuen Herausforderungen nach dem Ende des Kalten Krieges angesichts zunehmender innerstaatlicher Konflikte stieg der Bedarf an Konfliktanalysen wieder. Auch rückte angesichts von Staatszerfall und Bürgerkrieg auf dem Balkan und im subsaharischen Afrika die Frage in den Mittelpunkt, ob Gewalt zum Schutz von Menschen in Not bzw. Menschenrechten angewandt werden dürfe. Plötzlich waren wieder politische Handlungsempfehlungen gefragt. Gleichzeitig setzte, inspiriert von den Internationalen Beziehungen, eine zunehmende Ausdifferenzierung und Pluralisierung verschiedener wissenschaftstheoretischer Positionen und eine stärkere Rezeption von Theorien und Methoden anderer Disziplinen, v.a. des Konstruktivismus und post-positivistischer Ansätze, ein. Diese Rezeption neuerer methodologischer und theoretischer Entwicklungen stellte auch die Wertorientierung der Friedensforschung in Frage, da diese selbst zum Gegenstand der Forschung wurde und die diskursive Konstruktion von Konflikten zunehmend problematisiert wurde.

Die Friedensforschung hat damit einen deutlichen Professionalisierungsschub hinter sich. Nicht der normative Gehalt, sondern die methodische und theoretische Qualität der Forschungsdesigns steht heute im Vordergrund. Und das ist auch gut so. Kritische Friedensforschung hat sich nicht durch einen Gegenstand, sondern durch politische Abgrenzung definiert. Sie war stärker politisch und ideologisch motiviert, und weniger wissenschaftstheoretisch oder methodologisch. Trotzdem ging mit der Professionalisierung auch eine gewisse Sprachlosigkeit der Disziplin einher. Mein Eindruck ist, dass sich die FriedensforscherInnen früher viel öfter politisch zu Wort gemeldet haben. Das mag an einigen Stellen unangebracht gewesen sein: so beschloss die Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung auf ihren jährlichen Treffen früher regelmäßig Stellungnahmen, in denen zu aktuellen politischen Fragen Position bezogen wurde. Dies wurde von vielen ForscherInnen kritisch gesehen, da somit in einer eigentlich pluralistisch und kritisch orientierten Organisation eine einheitliche Stellungnahme erzwungen wurde. Zudem waren diese Stellungsnahmen oftmals eher ideologisch motiviert als durch Forschung begründet, wie Beteiligte berichten.

Professionalisierung als Voraussetzung für Politikberatung

Nichtsdestotrotz meine ich auch heute noch eine Tendenz zu klaren Aussagen eher in der älteren Generation zu beobachten: Friedensforscher wie Bernhard Moltmann, Jochen Hippler, Bruno Schoch, Regina Hagen, Harald Müller oder Peter Strutynski und der Friedensratschlag der Uni Kassel scheuen sich nicht auch kontroverse normative Positionen zu beziehen. Im Gegensatz dazu habe ich den Eindruck, dass der heutige Nachwuchs (mich eingeschlossen) bis hin zu den jüngeren ProfessorInnen eher dazu neigt für und wider einer Position so lange abzuwägen, bis keine Handlungsempfehlung mehr möglich ist.

Ich sehe diese Entfernung vom Normativen auch in aktuellen Debatten der disziplinären Selbstreflektion widergespiegelt: Das entsprechende Symposium der Zeitschrift für internationale Beziehungen Anfang 2012 konzentrierte sich auf das Verhältnis von IB und Friedens- und Konfliktforschung und die Frage, ob die FuK nun eigenständige oder Sub-Disziplin sei. Nur am Rande wurde die Frage diskutiert, welchen Stellenwert die Normativität einnimmt. Auch hier war wiederum eine Spannung zwischen den Generationen beobachtbar: Tanja Brühl argumentierte, dass Wertbezug und Gegenstandsbereich in der FuK immer stärker getrennt würden. Bereits im Vorjahr hatte Thorsten Bonacker dazu kommentiert, dass die Friedensforschung sich weg von einer Wissenschaft für den Frieden, hin zu einer Wissenschaft über den Frieden entwickele. Eine gegenteilige Position vertreten dagegen die Vertreter der älteren Generation: Michael Brzoska argumentiert, dass ohne durchaus subjektiven Friedensbegriff gar nicht bestimmt werden könne, was Friedensforschung sei. Alle empirisch zu unterfütternden Prognosen bauten gleichzeitig immer auf einem Gerüst normativer Grundannahmen auf. Harald Müller argumentierte, dass die Friedensforschung die Minderung physischer Gewalt und das Idealziel der Etablierung von Frieden als normative Richtschnur habe und dabei das gesamte Handlungssystem im Blick habe. Zudem nehme die Friedensforschung in der Regel eine Opferperspektive im Sinne ziviler Opfer ein. Damit könne nicht die Rede davon sein, dass die Friedensforschung ihren normativen Kern verliere. Hier wird eine unterschiedliche Wahrnehmung deutlich, die sich scheinbar entlang der Generationengrenzen trennen lässt. Doch welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?

Professionelle, kritische Forschung UND normative Bewertung statt Rückzug in den Elfenbeinturm

Ich glaube, dass eine solide theoretische und empirisch-analytisch unterfütterte Friedensforschung auch dem normativen Ziel der Friedensforschung, nämlich dem Abbau von Gewalt bei gleichzeitiger Zunahme von Frieden und Gerechtigkeit zuträglich sein kann. Zudem muss eine Auseinandersetzung mit der von der radikalen Linken an die Friedensforschung und die IB gerichteten Kritik stattfinden, was wiederum eine eigene normative Positionierung und Rechtfertigung der eigenen Forschung voraussetzt.  Hierzu müssen wir Friedensforscher aber unsere Ergebnisse und die damit verknüpften politischen Handlungsempfehlungen wieder stärker in die Öffentlichkeit tragen. Es ist an der Zeit die Friedensforschung und ihre Leitdisziplin, die Politikwissenschaft, als Orte zur Entwicklung normativer Ordnungen und gesellschaftspolitischer Handlungsempfehlungen wiederzuentdecken. Die wichtige disziplinimmanenten Selbstkritik darf nicht zur Selbstsabotage werden – wie jüngst am Beispiel des ausgearteten Streits zum Thema Zivilklausel beobachtbar. Ist es nicht vielmehr unsere Aufgabe als Forscher auch kritisch Stellung zu politischen Themen zu beziehen und unsere Handlungsempfehlungen mit empirischen Forschungsergebnissen zu unterfüttern?

3 Kommentare

  1. Thomas Völker · · Antworten

    Ich möchte mich ganz herzlich für diesen ausgezeichneten Arikel bedanken, der nach meiner Meinung eine ausgesprochen gute Reflexion des derzeitigen Dilemmas darstellt. Ich würde mir in der Tat wünschen, wenn auch mal wieder grundlegende Debatten in der FuK geführt werden, beispielsweise zu Fragen wie Herrschaft, Nation, Staat, usw. anstelle sich fortwährend nur im Klein-Klein von bestimmten Einzelkonflikten zu bewegen. Unbestritten sind solche Analysen notwendig, sie dürfen aber nicht als Allheilmittel begriffen werden.
    Nach meiner Erfahrung sind es übrigens gerade verwandte kritische Theorien, wie neuere feministische und postkoloniale Ansätze, die in dieser Hinsicht die FuK bereichern und auch vorantreiben. Die beiden genannten Theorien erkennen nämlich an, dass es sowohl hegemoniale, globale (Unterdrückungs-)Strukturen gibt, die aber zugleich nicht überblenden dürfen, dass lokale Phänomene ebenso sehr einflussreich für die jeweilige Position von Individuen sind.
    Ein solches Verständnis wäre nach meiner Meinung zielführend für eine aktualisierte FuK: Im Lokalen, Regionalen das Globale nicht verkennen – und umgekehrt.

    PS: Was mir vollkommen unverständlich bleibt, ist die vollkommen apolitische Einstellung vieler FuK-Studierender zu dem, was sie tagtäglich umgibt. Während meines FuK-Studiums in Magdeburg lief u.a. der Bildungsstreik 2009 – eine Beteiligung von Kommiliton_innen war nicht zu erreichen. Da stellt sich die Frage: Wie wollen wir (globale) Konflikte lösen, wenn uns die eigene Positionierung im unmittelbaren Umfeld scheinbar schon zu anstrengend ist?

  2. Lieber Thomas,
    danke für Deinen Kommentar. Im aktuellen Trend der IB und der FuK sich stärker lokalen sowie regionalen Kontexten zuzuwenden und in der stärkeren Rezeption nicht-westlicher Forschung sehe ich ebenfalls Chancen für eine differenziertere normative Positionierung, die auch hierzulande eine Bereicherung für die politische Debatte darstellen kann. Allerdings erkenne ich in vielen post-modernen Ansätzen eine Gefahr der Kritik um der Kritik willen, bei gleichzeitiger unhinterfragter Idealisierung lokaler Strukturen und Praktiken.
    In Bezug auf die Entpolitisierung der Studierenden stimme ich dir zu. Auch wenn es billig ist hierfür allein den Bologna-Prozess verantwortlich zu machen, so ist ein Grund dafür sicher in der Straffung und Rationalisierung des Studiums zu sehen. Viele Studierende richten ihr Studium zudem stark an Karrierekriterien aus. Das heißt allzuoft leider, dass Praktika und der Aufbau eines beruflichen Netzwerkes die Zeit in Anspruch nehmen, die ansonsten vielleicht für gesellschafts-politisches Engagement zur Verfügung stünde, welches aber (ganz rational gedacht) für die eigene berufliche Zukunft ebenso von Nutzen sein kann.

  3. Lieber Gregor,
    vielen Dank für diesen sehr gelungenen Beitrag! Ich stimme Dir weitgehend zu. Ich denke, letztlich macht es die Mischung, aber auch hier sind wir wahrscheinlich einer Meinung. Denn wenn jedwede Forschung die unmittelbare politische „Verwertbarkeit“ im Auge hat, dann verlieren wir umgekehrt zu viel Grundlagenforschung, die letztlich zentral für Bewusstseinsänderungen und neue Perspektiven sein kann – zwei Entwicklungen, die langfristig von noch wesentlich einschneidenderer politischer Bedeutung sein können.
    Zu differenzieren ist denke ich nicht nur zwischen der „Elfenbeinturm“-Forschung und den Politikempfehlungen. Denn Politikberatung haben wir – genauso wie „Elfenbein“-Forschung nach wie vor recht viel. Wenn ich Dich richtig verstehe, geht es Dir darum, dass eine kritische Distanz wahrende Forschung tendenziell in der jungen Generation zu kurz kommt, die sich bemüht, auf einer Handlungsebene Gegenpositionen und Alternativen zu formulieren. Darin stimme ich Dir zu.
    Auch Eure Diskussion um die Studies teile ich. Es sind ja nicht nur die Bildungsproteste. (Da könnte man noch sagen, die Mehrheit findet alles super und protestiert nicht, weil sie es nichts gibt, das sie verändern will). Aber die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung bei universitären Wahlen in politik- und sozialwissenschaftlichen Fachbereichen in vielen deutschen Unis zeigt, dass diese Studierendengeneration tatsächlich überwiegend sehr unpolitisch ist.
    Für uns (angehende) Lehrende stellt sich da freilich die Frage, wie man einen kritischen Geist fördern kann. Wir sollten daher vielleicht nicht nur schimpfen, sondern unsererseits überlegen, wie man im universitären Alltag der Ökonomisierung des Studiums entgegentreten kann. Ein erster Schritt wäre dabei glaube ich, dass die Lehre an sich wieder mehr Wertschätzung erfährt und nicht alles auf Forschung, Journal-Artikel und die Einwerbung von Drittmitteln ausgerichtet wird.
    Soweit von mir. Vielen Dank!

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