Kurz & knapp: The Conference Manifesto

Heute startet ein neues Format im Bretterblog: „kurz & knapp“. Darin weisen wir auf einen online erschienen Beitrag hin, fassen ihn kurz zusammen und kommentieren ihn gegebenenfalls knapp. Los geht es mit einem Beitrag in der New York Times von Christy Wampole: „The Conference Manifesto“.

Prof. Amitav Acharya bei der Eröffnung der Konferenz des Global South Caucus der International Studies Association an der Management University of Singapore.

Ein Positivbeispiel: die diesjährige Global South Caucus Konferenz der International Studies Association war eine sehr fruchtbare Konferenz (wie bereits in einem anderen Beitrag auf dem Bretterblog berichtet).

Was ist eigentlich der (Un-)Sinn von wissenschaftlichen Konferenzen? Das fragt in einem Beitrag für die New York Times Christy Wampole, ihres Zeichens Assistant Professor für Französisch und Italienisch an der Universität Princeton. Und ihre Antwort: Um die eigenen Freunde aus der Fachwissenschaft regelmäßig zu treffen. Doch dafür sei der Aufwand einer Konferenz doch immens:

If, as many scholars confess in private, it is an easy way to see all of one’s friends conveniently or to meet new colleagues, should the conference then be replaced by a less formalized gathering? What about a three-day long salon philosophique format? Or large working groups? A speed-dating scenario or a hiking retreat? Why should a graduate student pay hundreds of dollars — often from their own pocket — to fly to a conference, get a hotel room, and give a talk to an audience of three, two of those being friends who heard the practice talk the night before in said hotel room?

So recht wie Wampole mit der Feststellung haben mag, dass bei vielen Konferenzvorträgen kaum jemand im Publikum sitzt, das Interesse gering und die Fragen meist wenig weiterführend sind und der informelle, private Teil am Abend von immenser Bedeutung ist, so liegt sie glaube ich vor allem mit ihrer letzten rhetorischen Frage falsch: gerade für NachwuchswissenschaftlerInnen können auch große internationale Konferenzen durchaus sinnvoll sein.

Sicher, dass man sich vor lauter toller Anregungen und Kontakten kaum retten kann, mag die Ausnahme sein. Aber der eigene Vortrag ist für Promovierende dennoch häufig ein Anknüpfungspunkt um mit spannenden GesprächspartnerInnen in einen Austausch zu treten. Das Wesentliche läuft informell ab – das ist richtig. Und wer bereits einen Namen hat, der muss sich nicht mit einem Konferenzbeitrag in der scientific community „vorstellen“. Aber für Promovierende ist es durchaus hilfreich.

Amüsant zu lesen und sehr treffend sind hingegen Wampoles pragmatische Vorschläge um Konferenzen produktiver zu machen. So will sie, dass alle KonferenzteilnehmerInnen einen Kontrakt mit zehn Punkten unterschreiben. Diejenigen, die ich am treffendsten fand, zitiere ich zum Abschluss:

2) I will not read my paper line by line in a monotone without looking at the audience. I needn’t necessarily abide by some entertainment imperative, with jokes, anecdotes or flashy slides, but I will strive to maintain a certain compassion toward my captive audience.

4) I will have a thesis, and if I don’t, I will at least have a reason that my talk should exist.

6) In the Q. and A., I will not ask an irrelevant question for the sake of being seen asking a question. If my question is hyperspecific and meaningless to anyone but myself, I will approach the speaker after the talk with my query.

7) I will not make a statement and then put a question mark at the end to make it sound like a question.

8) If I ask an actual question, I will a) not take more than a minute or so to ask it, and b) ask it politely even if I disagree with the speaker.

9) I respect the time of my colleagues who’ve come to hear me speak. I will do my best to be as clear and succinct as possible, and make their attendance worthwhile.

Lust den Beitrag zu lesen? Ihr findet ihn hier.

Und was meint ihr? Welchen Nutzen haben wissenschaftliche Konferenzen?

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