Blogs and Beyond – Die Wissenschaft im Web 2.0 jenseits von Blogs

Was bringt Bloggen für die Wissenschaft, insbesondere in der Disziplin der Internationalen Beziehungen? Wie ihr vielleicht schon gesehen habt, hat Ali Arbia in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB) eine Diskussion zu dem Thema angestoßen (seinen Beitrag in Blogform gibt’s hier). Und wie es sich so gehört, wollen wir diese Debatte im Netz weiterführen—schließlich hat sie dort ihren Ursprung. Aus diesem Grund haben Ali, die Kollegen vom IR Blog und unser bescheidener Blog einen Blogkarneval angestoßen.

Ali weist auf drei Funktionen akademischer Blogs hin:

Blogs können drei Funktionen wahrnehmen, die zuerst einmal nicht spezifische für die Internationalen Beziehungen oder Politikwissenschaften sind. Blogs können als Instrument in der Lehre eingesetzt werden, sie können zum Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern genutzt werden und sie können zur Kommunikation nach Aussen mit einem interessierten Publikum dienen.

In diesem Beitrag gehe ich auf die zweite Funktion ein: den Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern. Dabei gehe ich über den Blog-Tellerrand heraus und schaue mir die ganze Bandbreite der Web 2.0 Medien an, vor dem Hintergrund der Frage: wie definiert sich „Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern“, d.h. welchen konkreten akademischen Nutzen ziehen WissenschafterInnen aus den verschiedenen Web 2.0 Medien?

Zu dieser Frage ist eine jüngst erschienene Studie in Nature recht aufschlussreich.

Die Zeitschrift hat eine Umfrage zur Nutzung von Social Media Angeboten unter Wissenschaftlern durchgeführt, mit ca. 3500 Rückmeldungen. Aus der Umfrage wird nicht ganz deutlich, ob sie repräsentativ ist (ich vermute nicht), aber sie gibt dennoch einen ganz guten Einblick in das Web 2.0 Benutzerverhalten von Akademikerinnen und Akademikern. Die Ergebnisse sind in dieser Grafik zusammengefasst:

nature-idle-browse-or-chat

Überraschend ist hier vor allem, dass die explizit „wissenschaftlichen“ Web 2.0 Angebote wie ResearchGate oder Academia.edu zwar genutzt werden, aber nicht so stark wie man vielleicht annehmen würde.

In der Umfrage und dem Artikel stecken viele Details, vor allem in Bezug auf die Nutzung von ResearchGate & Co. (Und wer mit den Originaldaten herumspielen möchte findet diese hier).

Am interessantesten ist allerdings das Ergebnis zu Twitter. Im Vergleich zu allen anderen Medien nutzen Wissenschaftler Twitter überdurchschnittlich häufig für wissenschaftliche Aktivitäten, wie Diskussionen verfolgen und Forschungsergebnisse kommentieren. Dabei hat Twitter weniger regelmäßige Nutzer als die anderen Netzwerke.

(Interesting side note: fast 50% der Twitter-Nutzer geben an über die Plattform „aktiv Diskussionen zu folgen“ wohingegen nur etwas mehr als 10% angeben „aktiv Forschung zu diskutieren“. D.h. entweder folgen die meisten Wissenschaftler nicht-akademischen Diskussionen oder die Mehrzahl verfolgt die Diskussionen einer kleinen Gruppe an Forschern)

Der unmittelbare „Nutzen“ des Web 2.0s im Falle von Twitter ist also tatsächlich der interaktive Austausch mit anderen Forschern, sei es über Diskussionen, Linktipps, und Kommentare zu Forschungsergebnissen, oder auf Konferenzen wie es ein Befragter explizit in einem Kommentar nennt. (Wir haben auf diesem Blog hier auch schon die Verwendung von Twitter während der ISA-Konferenz in Toronto dieses Jahr verfolgt.) Die anderen Plattformen finden dagegen stärkere Verwendung als Paper-Repositories, als reine Arbeitstools (Mendeley) oder als private Austauschplattform (Facebook). Gerade im Falle von Facebook gibt es jedoch auch vorsichtige Tendenzen zu eine „professionellen“ Nutzung neben der rein privaten. So schreibt in der Nature-Studie ein(e) Befragte(r):

The (invitation-only) groups for professional astronomers and pulsar astronomers have become vibrant discussion fora

Auch im Bereich Konfliktforschung gibt es inzwischen eine Facebookgruppe, deren Diskussionslevel allerdings noch eingeschränkt ist und in der vor allem Datenfragen oder Paperanfragen u.ä. besprochen werden. Allerdings ist hier ein Anfang zu beobachten. Vor allem die allgemeine Verfügbarkeit von Facebook (fast jeder hat ein Account) ist der große Vorteil der Plattform, was die Einstiegshürde verringert – und wenn die Diskussion in einer separaten Gruppe geführt wird, lässt sich auch die private und berufliche Nutzung einigermaßen trennen. Meine vorsichtige Voraussage ist, dass die berufliche Nutzung von Facebook in der Wissenschaft steigen wird.

Jetzt hatte Ali in seinem Beitrag ja vor allem eine Debatte zu Blogs in der deutschen Wissenschaftslandschaft und der IB-Landschaft im Speziellen angestoßen. Was bedeutet also der hier skizzierte Nutzen von anderen Web 2.0 Medien wie Twitter, Facebook & Co. für die Entwicklung der Bloglandschaft?

Dazu ein paar vorsichtige Thesen: Viele Web 2.0 Tools jenseits von Blogs sind leichter zu bedienen bzw. werden bereits von vielen WissenschaftlerInnen bereits benutzt, wie z.B. Facebook. Daher ist die „Einstiegshürde“ für eine regelmäßige akademische Nutzung geringer. Diese Tools werden daher ihren bestehenden ergänzenden Nutzen zu Blogs in der Wissenschaftskommunikation eher noch ausbauen. Ich würde allerdings vermuten, dass sie das nicht auf Kosten von Blogs tun werden, sondern eher zu deren Nutzen: eine höhere Interaktionsdichte mit neuen Medien auf vertrautem Terrain (Facebook, vllt. auch Twitter) löst im Nutzer / in der Nutzerin eher den Gedanken aus: „Warum versuche ich nicht auch mal so einen Blogpost zu schreiben, den die anderen hier auf Facebook/Twitter/ResearchGate immer verlinken?“

Das ist jetzt die ideale Variante der Entwicklung und ich mag gut und gerne falsch liegen. Vielleicht beschränkt sich der akademische Nutzen von Twitter eher auf diese von PhD Comics exzellent zusammengefassten Tätigkeiten. Denn, let’s face it you tweeting academics, da steckt durchaus etwas (und manche würde vielleicht sogar sagen zu viel) Wahrheit drinne:

phd082014s

In diesem Sinne: Happy Tweeting!

 

4 Kommentare

  1. […] ZiB zur deutschen IB-Bloglandschaft einen kleinen Blogkarneval ausgerufen, in Kooperation mit dem Bretterblog und dem IR Blog. Als IB-BloggerInnen können wir es uns natürlich nicht nehmen, auf die Beiträge […]

  2. […] ZiB zur deutschen IB-Bloglandschaft einen kleinen Blogkarneval ausgerufen, in Kooperation mit dem Bretterblog und dem IR […]

  3. […] Ali Arbias Beiträgen in der ZIB 1/2014 und auf zoon politikon, haben sich auch das IR Blog, das Bretterblog, das Blog Junge UN Forschung und das sicherheitspolitik-blog sehr lesenswerte Gedanken über den […]

  4. Interessante Aspekte.
    Faszinierend dieses Internet

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