IB-Online (1/11): Eine kleine Netzschau

Ein neuer Montag, eine neue Netzschau und neue Themen. Denn: Es geht nicht nur um die US-amerikanische Präsidentschaftswahl, sondern auch um Nordirland, Kunst in Konflikten, Verhandlungen mit Terroristen und Religion und politischen Aktivismus.

Obama vs. Romney

Dienstag, der 6. November 2012 ist Stichtag. Die US-Amerikaner wählen ihren Präsidenten. Eine voraussichtlich knappe Mehrheit wird entweder Barack Obama oder Mitt Romney auf den Sessel im Oval Office des Weißen Hauses hieven. Wie das Ganze funktioniert erklären Extra 3 oder auch Claus Kleber im ZDF-Youtube-Channel:

Manch einer atmet ob des Endes des Wahlk(r)ampfs vermutlich auf. Allen Enttäuschten, Genervten und Verbitterten seien zwei Beiträge von Duck of Minerva empfohlen: Während Dan Nexon die Schlagzeilen nach Wahlausgang bereits im Vorhinein formuliert hat, seziert Peter Kelly die gängigsten Klischees US-amerikanischer Wahlanalysen (Ohio gibt den Ausschlag, die Latinos entscheiden die Wahl, usw.).

Ganz anders Jeremy Mayer. Der Politikwissenschaftler der George Mason University sorgt sich im The American Interest angesichts des zu erwartenden knappen Wahlergebnisses, der Schwächen des Wahlsystems und möglicher Wahlfälschungen um die Zukunft Amerikas: „What if nobody wins?“ Mayer befürchtet monatelange Gerichtsverfahren und Unsicherheit mit womöglich ernsten politischen und wirtschaftlichen Folgen: Ein sehr lesenswerter Standpunkt! Wie auch immer es kommt, am Ende wird Obama oder Romney US-Präsident sein. Welche Außenpolitik-Agenda auf den Gewinner wartet, weiß Fall Steven Walt.

Und zum Abschluss ein Spieltipp: Möchtest lieber du US-Präsident sein und entscheiden, was mit dem Iran und seinem Atomprogramm geschieht? Dann entscheide doch einfach und schau, was passiert – in einem Spiel des Truman National Security Project namens „Tell me how this ends“.

Kunst in Konflikten

Diese Woche habe ich mal wieder eine neue Website entdeckt. Über das Blog des World Policy Institute bin ich auf The Mantle aufmerksam geworden. In der Form eines virtuellen „roundtable“ geht es dort zurzeit um die Rolle von Kunst und Künstlern in konfliktiven Kontexten. Vier Künstler stellen sich dieser Frage und geben recht unterschiedliche, aber ausführliche Antworten. Ob der Länge erscheint es nicht realistisch alles zu lesen (das gilt auch für den Autor dieser Zeilen). Aber ein Besuch lohnt sich allemal.

Ross [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Dass das Thema Kunst und Konflikt relevant ist, veranschaulicht auf eine ganz eigene Weise der Konflikt in Nordirland mit seinen unzähligen „murals“, die die scheinbar alterslosen Konfliktlinien bis heute illustrieren. Eine Galerie dieser teils beeindruckenden Wandmalereien habe ich auf Flickr gefunden.

Welche Aktualität die Bilder trotz des vermeintlichen Friedensschlusses von 1998 heute immer noch haben, zeigen die Meldungen über die Neuformierung bewaffneter Gruppen, ein Bericht des ZDF-Weltspiegels über alten Hass und neue Ausschreitungen in Belfast und ein Artikel im aktuellen Zeit Magazin über die so genannten „peace walls“ zwischen protestantischen und katholischen Vierteln.

Konstruktiver Umgang mit so genannten „Terroristen“

Ein Thema, dass in Wissenschaft und Politik in jüngster Zeit recht präsent ist, lässt sich am besten mit dem englischen Begriffen „Talking to“ oder „Negotiating with Terrorists“ bezeichnen. Ein Plädoyer für eine solche Politik, über das ich gestern gestolpert bin, findet sich auf den Seiten der New York Times. Nordirland gilt ob des erfolgreichen Friedensschlusses im Karfreitagsabkommen 1998 traditionell als Paradebeispiel für eine Politik des Dialogs mit nicht-staatlichen Gewaltakteuren. Aktuell wird sie beispielsweise in Kolumbien praktiziert, für Afghanistan diskutiert und im Fall der Philippinen als Schlüssel zum Frieden gefeiert.

Nun scheint es Anzeichen dafür zu geben, dass auch in Nigeria die so genannte Boko Haram Sekte bereit sein könnte, mit der Regierung zu sprechen. Dies könnte unter Umständen die von Amnesty International attestierte Spirale der Gewalt in Nigeria beenden. Ob es Mensch und Staat aber tatsächlich Sicherheit und Frieden bringt, ist längst nicht ausgemacht.

Religion und Aktivismus

Ein wissenschaftliches Blog, das bisher kein einziges Mal im Bretterblog genannt oder zitiert wurde, ist Mobilizing Ideas. Dabei dürfte es nicht nur für bewegungsinteressierte Studierende und Wissenschaftler durchaus von Interesse sein. Das Blog bietet monatliche Debatten zu unterschiedlichen Fragestellungen. Diesen November geht es um die Rolle von Religion in sozialen Bewegungen (Arabischer Frühling, Blockupy, usw.) – ein Thema, das auch in Nordirland von herausragender Bedeutung ist. Dazu wurden vier Beiträge von ordentlicher Länger veröffentlicht. Ich bin noch nicht durch, kann es aber dennoch empfehlen.

Und schließlich ein letzter Tipp: Max und Steffen veröffentlichen die Tage ein Update ihres im Bretterblog erschienen Mali-Beitrags auf Schutzverantwortung.de. Auch das sei hiermit wärmstens empfohlen.

Es gibt zu den Themen dieser Netzschau noch andere spannende Links? Wir freuen uns über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren!

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